Kreuzgang
Ein Kreuzgang – lateinisch claustrum – ist ein umlaufender, überdachter Wandelgang, der in der Regel im Erdgeschoss eines Gebäudes angeordnet ist und einen ruhigen Innenhof umschließt. Das Bauelement stammt aus der mittelalterlichen Klosterarchitektur, wo es zugleich der Erschließung, dem Rückzug und der Kontemplation diente. Einige historische Anlagen verfügen zusätzlich über eine obere Galerie, doch handelt es sich dabei um Sonderformen; die typische Ausführung liegt ebenerdig.
Als architektonisches Element erfüllt der Kreuzgang mehrere klimatische Funktionen, die ihn auch als passives Sonnenschutzsystem interessant machen. So verschattet der überdachte Gang die angrenzenden Fassaden, wodurch der solare Wärmeeintrag bei Fenstern und Wänden reduziert wird und zugleich eine thermische Pufferzone zwischen Innen- und Außenraum entsteht. Der zentrale Innenhof ermöglicht eine natürliche Luftzirkulation: Während dort die warme Luft nach oben steigt, kühlt die nachströmende Luft die umliegenden Räume. Durch das indirekte Licht aus dem Hof ist außerdem eine gleichmäßige und blendfreie Tageslichtversorgung möglich.
Besonders in warmen Erdteilen werden die Qualitäten des Kreuzgangs geschätzt. Heutige Architekt*innen nennen ihn zum Beispiel Courtyard, Loggienband oder Sky-Court und kombinieren ihn etwa Laubengängen. Entstehen können so halböffentliche Übergangszonen, die zur Erschließung, zum Aufenthalt und zur Klimatisierung gleichermaßen beitragen.
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