Quartier Maxfrei in Düsseldorf
Vom Knast zum Kiez
Wo früher Mauern den Blick versperrten, befindet sich heute ein durchlässiges Quartier: Auf dem Areal der ehemaligen Justizvollzugsanstalt in Düsseldorf-Derendorf entstand unter dem Namen Maxfrei ein neues, autofreies Stadtviertel mit 200 Eigentumswohnungen im Effizienzhausstandard 55. Der Name leitet sich nicht etwa vom Aufruf zur Befreiung eines Insassen mit Namen Max ab, sondern bezieht sich auf Saponaria lempergii Max Frei, eine hellrosa blühende Blume auf dem Areal. HPP Architekten erhielten 2019 nach einem Wettbewerbsgewinn den Zuschlag für das Baufeld 3.
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Freiheit statt Mauern
Das städtebauliche Konzept kehrt die Struktur des ehemaligen Gefängnisses um: Anstelle des kreuzförmigen Baukörpers bildet heute eine T-förmige Grünanlage das Herzstück, umgeben von offenen Baublöcken und der früheren Gefängniskapelle. Deren roter Backstein findet sich auch bei der Blockrandbebauung des trapezförmigen Baufelds 3 wieder.
Die Satteldächer der Umgebung übersetzen HPP in eine Staffelung der oberen Geschosse. Diese Rücksprünge gliedern die großen Baukörper nicht nur, sondern lassen auch zahlreiche Terrassen entstehen. Den Abschluss des Gebäudes bilden Dachgärten, die über einen privaten Zugang mit den oberen Wohnungen verbunden sind. Mit einer Substrathöhe von rund vierzig Zentimetern wirkt die Dachbegrünung wie ein Schwamm: Bei Starkregenereignissen verzögert sie den Wasserabfluss in die Kanalisation und entlastet so das städtische System.
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Die Corona-Pandemie wirkte als Katalysator für eine Neujustierung des Entwurfs, der 2020 eigentlich bereits weit fortgeschritten war: Größere Balkone, Rückzugsräume für Homeoffice und die begrünte Dachlandschaft sind Ausdruck der im Lockdown erkannten Wohnbedürfnisse.
Vielfalt in der Einfachheit
Das Wohnungsangebot reicht vom kompakten Apartment mit 44 m2 bis zur Familienwohnung mit 150 m2. Trotz dieser Vielfalt zeichnen sich die fünf- bis sechsgeschossigen Gebäude durch eine einfache Bauweise aus. Tragende Wände und haustechnische Anlagen laufen vertikal durch – was auch den Bauprozess beschleunigte. Durch Rücksprünge, hohe Eingangshallen und zweigeschossige Hofzugänge entstanden dennoch vielfältige Grundrissgeometrien, die sich zur Diversifizierung der Wohnungstypen eigneten.
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Effizientes Bausystem Kalksandstein
Der Wunsch nach Effizienz beeinflusste auch die Wahl des Baustoffs: In allen Geschossen wurden sowohl für die Außenwände als auch für die tragenden Innenwände XL-Rasterelemente aus Kalksandstein eingesetzt. Die Elemente basieren auf einem 12,5-Zentimeter-Raster und lassen sich somit wie bei einem Baukasten kombinieren. Neben dem Regelformat mit je 498 mm Breite und Höhe wurden zwei Ergänzungsformate sowie passende Ergänzungssteine eingesetzt. Auf diese Weise ließen sich nahezu alle Wandlängen maßgenau umsetzen, ohne dass umfangreiche Sägearbeiten auf der Baustelle erforderlich waren.
Ein Minikran half, die großformatigen Steine zu versetzen; das Nut-Feder-System stellte dabei eine exakte Ausführung sicher. Die positiven Eigenschaften des Kalksandsteins hinsichtlich Schall- und Brandschutz gewährleisten Komfort und Sicherheit in den Wohneinheiten.
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Verblendmauerwerk mit Raffinesse
Das tragende Kalksandsteinmauerwerk erhielt straßenseitig ein Vormauerwerk aus rötlichen Klinkern; hofseitig sind die Fassaden cremefarben verputzt. Um die Blöcke kleinteiliger und abwechslungsreicher wirken zu lassen, variiert die Farbigkeit der Klinker von Hellrot, über Ziegelrot bis Rotbraun. Jede Farbstufe wurde über eine Breite von vier bis sechs Fensterachsen eingesetzt, sodass der Eindruck schmaler Reihenhäuser erweckt wird.
Einzelne Abschnitte erhielten ein dekoratives Verblendmauerwerk mit einem Rautenmuster aus hellen und dunklen Steinen. Die Sockelzone erscheint jeweils dunkler als die darüber liegenden Bereiche und die Farbigkeit der Klinker intensiver. Der Clou: Dafür verwendeten die Architekt*innen nicht etwa um ein paar Nuancen dunklere Steine, sondern lediglich dunkleren Fugenmörtel.
Bautafel
Architektur: HPP Architekten, Düsseldorf
Projektbeteiligte: KS-Original, Hannover (Kalksandstein; eingesetztes Produkt: KS-QUADRO)
Bauherr*in: Interboden, Ratingen
Fertigstellung: 2025
Standort: 40476 Düsseldorf
Bildnachweis: © palladium.de | KS-Original (Fotos); HPP Architekten, Düsseldorf (Pläne)
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Entenfangweg 15
30419 Hannover
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