Kita Kleine Weltentdecker in Niddatal-Ilbenstadt
Im Schutz des Us
Dass Gemeinden zusammengelegt werden, um sich Infrastruktur sowie finanzielle wie personelle Ressourcen zu teilen, ist in ländlichen Räumen keine Seltenheit. In Hessen gab es bereits um 1970 solche Bestrebungen. Damals fusionierten Assenheim, Bönstadt und Ilbenstadt zur neuen Stadt Niddatal. Später schloss sich das Dorf Kaichen an. Seit 2025 verfügt die Gemeinde auch über eine gemeinsame Kindertagesstätte in Ilbenstadt: die von 1100: Architekten geplante Kita Kleine Weltentdecker.
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Seit der Fusion wuchs die Einwohnerzahl von etwa 6.000 auf fast 10.000. Rund 450 Kinder mussten 2021 untergebracht werden, als in der Stadtverordnetenversammlung über die Zukunft der bestehenden Kitas debattiert wurde. Letztlich fiel die Entscheidung für einen Neubau an einem zentralen Standort in Ilbenstadt, mit Platz für sieben Gruppen bzw. 123 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren.
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U mit grünem Herz
Auf dem rund 5.200 m2 großen Grundstück befindet sich nun eine U-förmige Anlage, die einen grünen Hof umschließt und sich zu einer gekurvten Hauptstraße öffnet, der Burg-Gräfenroder Straße. Während die hofseitigen Fassaden holzverkleidet sind, zeigt sich der eingeschossige Neubau zur Nachbarschaft hin ganz in Weiß, mit tanzenden, quadratischen Fensteröffnungen. Auf und ab bewegt sich auch die Traufkante der aneinandergereihten Pultdächer. Der Haupteingang liegt an der Nordfassade, wo die Gronauer Straße abzweigt. Eingerückt und beidseitig bodentief verglast ist er gut zu erkennen.
Trotz der Grundstückstopografie schließen die Freiflächen stets ebenerdig an. Dies gelang durch unterschiedliche Bodenniveaus im Inneren, zwischen denen sanft ansteigende Rampen vermitteln. Den Grundriss strukturiert ein breiter, U-förmiger Flur. Im mittleren Gebäudeteil verläuft er direkt an der Hoffassade, im Süden an der Außenwand. Im Nordflügel liegt er innen und bedient beidseitig Räume. In einigen Abschnitten weitet sich der Flur auf und bietet dadurch Platz für Garderoben und Aufenthaltsflächen.
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Durchlässig für viele Nutzungen
Die zwei Gebäudeflügel bieten Gruppen- und Rückzugsräume mit viel Tageslicht. Im Nordflügel teilen sich je zwei Gruppenräume einen Sanitärraum, im Südflügel verfügen sie jeweils über einen eigenen. Der mittlere Gebäudeteil nimmt Gemeinschaftsbereiche, Küche, Verwaltungsräume und die Technikzentrale auf.
Mobile Trennwände erlauben es, den Flur mit den angrenzenden Gemeinschaftsbereichen zu verschmelzen, um einen großen Speise-, Bewegungs- oder Veranstaltungsraum zu schaffen. Dank eines zusätzlichen straßenseitigen Zugangs lässt sich dieser Mehrzweckbereich auch unabhängig vom Kitabetrieb nutzen, etwa für städtische Veranstaltungen. Hofseitig schützt ein tiefer Dachüberstand Fassade und Rundweg, während auf der Wiese Hochbeete, Obstbäume und Wasserspiele auf die Kinder warten.
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Dämmung: Porenbeton und Steinwolle
Während die Innenwände mit Kalksandstein gemauert wurden, kamen bei den Außenwänden großformatige Porenbetonsteine mit Ringankern aus Stahlbeton zum Einsatz. Diese weisen eine Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,09 W/mK auf, sodass keine weitere Dämmschicht nötig war. Die Fenster weisen einen Wärmedurchgangskoeffizienten von U = 0,96 W/(m²K) auf, bei einem Schalldämmmaß von Rw = max. 47 dB. Technische Lüftung kam nur dort zum Einsatz, wo sie für den Betrieb erforderlich ist. Ansonsten ist natürliche Be- und Entlüftung vorgesehen.
Zum sommerlichen Wärmeschutz trägt neben der Ausrichtung der Räume und der differenzierten Fassadenausbildung auch der große Überstand der Pultdächer bei. Druckbelastbare Steinwollplatten dämmen die Sparrenlage aus. Die Platten weisen einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von λʙ = 0,038 W/mK auf und werden ebenfalls als hochwärmedämmend ausgewiesen.
Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe, bei Spitzenlasten ergänzt durch einen Gasbrenner, übernimmt die Wärmeversorgung. Auf dem Dach des östlichen Gebäudeflügels produziert eine Photovoltaikanlage Strom. Seit 2010 ist mit dem vorhandenen Brunnen keine Trinkwasserförderung mehr möglich, jedoch kann das Brunnenwasser für die WC-Spülung genutzt werden. Darüber hinaus wird Regenwasser zurückgehalten.
Bautafel
Architektur: 1100: Architekten Riehm Piscuskas, Frankfurt am Main
Projektbeteiligte: KuBuS Freiraumplanung, Wetzlar (Freianlagen); FR Engineering, Hanau/Nidderau (Tragwerksplanung, Brandschutz, Bauphysik); Assmann Emutec, Bocholt (TGA); Porit Porenbeton, Rodgau (Hersteller Porenbetonstein XL 0,35 – 0,09); Rockwool, Gladbeck (Hersteller Dachdämmung Hardrock 038)
Bauherr*in: Stadt Niddatal
Fertigstellung: 2025
Standort: Burg-Gräfenröder-Straße 19, 61194 Niddatal
Bildnachweis: Jean-Luc Valentin (Fotos); 1100: Architekten Riehm Piscuskas PartG mbB (Pläne)
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