Museum für Architekturzeichnung in Berlin

Gestapelte Betonboxen mit Fassadenrelief

Gallerie

In einer Zeit, wo die Handzeichnung vollständig aus der Architekturausbildung verschwunden zu sein scheint, zeigt das neue Museum für Architekturzeichnung, welche Kunstfertigkeit damit verloren geht. Bauherr des kleinen, aber feinen Gebäudes ist die Stiftung des Architekten und leidenschaftlichen Sammlers Sergei Tchoban, der es gemeinsam mit Sergey Kuznetsov vom Büro Speech Tchoban & Kuznetsov geplant hat.

An die Brandwand eines denkmalgeschützten Gebäudes angrenzend liegt das Privatmuseum am Eingang zum Pfefferberg, einem ehemaligen Brauereiareal im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, wo sich seit den 1990er Jahren zahlreiche Kultureinrichtungen, Galerien, Ateliers und Gastronomiebetriebe angesiedelt haben. Auf einer Grundfläche von gerade einmal 8,00 x 12,00 Metern erhebt sich der unterkellerte Bau fünfgeschossig in die Höhe. Wie locker aufeinandergestapelte Boxen kragt jedes Geschoss in verschiedenen Tiefen und Winkeln unterschiedlich aus dem Wandverband aus. Die unteren vier Boxen bestehen aus sandgelb eingefärbtem Beton, obenauf sitzt eine gläserne Kiste, die an der Nordostfassade einen Meter über den Rand des Stapels hinausragt und an der Unterseite mit polierten Edelstahlplatten verkleidet ist.

Sich dem Gebäude nähernd, kann man bereits erahnen, was sich hinter seiner Fassade verbirgt. Denn in diese sind Reliefs abstrahierter Architekturzeichnungen eingeprägt. Pro Geschoss wiederholt sich eine Sequenz – eine gute Entscheidung, da das Fassadenbild sonst wahrscheinlich zu unruhig geworden wäre. Auf einem Streifen an der Südwestseite sowie der Erdgeschossfassade verteilen sich viele kleine, ganz unterschiedlich gezackte Fenster, deren Form die Linien der Zeichnungen weiterführen, ansonsten zeigt sich das Museum nahezu vollständig geschlossen.

Der Zugang erfolgt über eine Nische an der Nordwestseite; dahinter liegt der Empfangsraum mit Garderobe und Museumsshop. Statt Beton ist Holz das vorherrschende Material im Erdgeschoss. Mit den eingebauten Bücherschränken und der Wandvertäfelung aus dunklem Nussbaum fühlt man sich in eine Bibliothek versetzt. An den Wänden taucht das Relief der Außenhaut wieder auf, hier in Form heller Linien. Im Treppenhaus wechselt das Material wieder zu Beton: sandfarbenem an den Wänden, schwarzem auf den Böden. Von hier geht es hinauf zu den beiden Galerieebenen und dem Depot im dritten Geschoss. Ganz oben im Glaskasten befindet sich ein Besprechungsraum, der allerdings nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Seitlich davon liegen zwei Dachterrassen. Im Untergeschoss sind die Sanitärräume angeordnet. Insgesamt besitzt das Museum eine Nutzfläche von knapp 450 Quadratmetern.

Die äußere Stapelung findet ihre Entsprechung in den verschiedenen Grundrissen jedes Geschosses. Neben zwei rechteckigen und einem quadratischen sind die Grundrisse der zwei Ausstellungsebenen jeweils unterschiedlich abgeknickt. Wände und Decken sind weiß verputzt, die Böden mit dunklem Holzparkett belegt. Tageslicht fällt nur wenig herein, da die empfindlichen Exponate es nicht vertragen würden. Eine Ausnahme ist die raumhohe Verglasung im zweiten Obergeschoss mit Blick auf die Straße und den vorm Museum liegenden Platz. Für die notwendige Luftzirkulation sorgt eine nicht sichtbare Klimaanlage.

Beton

Die Außenwände wurden in Ortbetonbauweise aus wasserundurchlässigem Transportbeton errichtet. Von außen nach innen besteht ihr Aufbau aus 27 cm WU-Beton, darauf folgt erst eine Dämmschicht aus 10 cm Schaumglas, dann 5 cm Kalksandsteinmauerwerk und abschließend 1,5 cm Kalkzementputz. Mauerwerk und Putz dienen der Feuchteregulierung, da sie Feuchte aufnehmen, speichern und wieder abgeben können, während Beton und Schaumglas annähernd dampfdicht sind. Außen- und Treppenhauswände entsprechen der höchsten Sichtbetonklasse SB 4; sämtliche Kanten sind scharfkantig ausgeführt. Die sandgelben Oberflächen entstanden durch Zugabe von Farbpigmenten, für die im Vorfeld zahlreiche Muster angefertigt wurden. Die Treppenläufe bestehen aus schwarz durchgefärbten Betonfertigteilen; auf die Podeste wurde ein Estrich im gleichen Farbton aufgebracht.

Die reliefartigen Oberflächen erreichte man durch Verwendung von Silikonmatrizen. Für deren Herstellung wurden historische Architekturzeichnungen digitalisiert und grafisch aufbereitet. Mit einer CNC-Fräse wurde das Motiv auf eine Faserplatte als Positiv übertragen und mit Flüssigkunststoff ausgegossen. Die so gefertigte Strukturmatrize wurde dann auf eine Spanplatte geklebt, die auf die Systemschalung aufgebracht wurde. Nachdem die Schalung gestellt und die Stöße und Kanten mit Silikon versiegelt waren wurde anschließend jeweils ein Geschoss ohne Unterbrechung betoniert, um Qualitätsabweichungen innerhalb der Geschosse auszuschließen. Die Lage der Spannanker wurde auf die Motive abgestimmt und exakt festgelegt. Nach dem Ausschalen wurden die Ankerlöcher mit farblich abgestimmten Verschlusskonen aus Faserzement geschlossen. Eine Nanobeschichtung schützt sämtliche Sichtbetonwände innen wie außen vor Schmutz und Graffitis.

Objektinformationen

Architekten: Sergei Tchoban und Sergey Kuznetsov: Speech Tchoban & Kuznetsov, Moskau
Projektbeteiligte: nps Tchoban Voss, Berlin, Team: Philipp Bauer, Nadja Fedorova, Katja Fuks, Ulrike Graefenhain, Dirk Kollendt und Ingo Schwarzweller (Planung, Bauleitung); PPW D. Paulisch, Berlin (Statik); Heimann und Schwantes, Berlin (Grafikkonzept, Fassade); BSS Beton-System-Schalungsbau, Berlin (Sichtbeton); MBM Konstruktionen, Möckmühl (Fassade); Reckli, Herne (Strukturmatrizen); Lindner, Arnstorf (Ausbau); Eva Barkofen, Berlin (Konservatorische Beratung); Atelier 8 Landschaftsarchitekten, Berlin (Außengestaltung)
Bauherr: Tchoban Foundation Museum für Architekturzeichnung, Berlin
Standort: Christinenstrasse 18 a, 10119 Berlin
Fertigstellung: 2013
Bildnachweis: Roland Halbe, Stuttgart; Patricia Parinejad, Berlin; npstv, Berlin

Objektstandort

Christinenstraße 18 a
10119 Berlin
Deutschland

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