Besucherzentrum Sparrenburg und Informationspunkt Johannisberg in Bielefeld

Scharfkantige Gebäudekonstruktionen aus Stampfbeton

Gallerie

Mit ihrem weithin sichtbaren Turm thront die Sparrenburg rund 60 Meter über dem Bielefelder Stadtzentrum. Die im 13. Jahrhundert errichtete Festungsanlage ist das Wahrzeichen der Stadt und gleichzeitig ein lohnenswertes Ausflugsziel. Lohnenswert deshalb, weil sie nicht nur eine gute Aussicht bietet, sondern aufgrund ihrer langen und wechselvollen Geschichte Relikte verschiedener Epochen zeigt: Es gibt den schon genannten 37 Meter hohen Turm, ein Haupt- und ein Wirtschaftsgebäude sowie die Überreste eines mittelalterlichen Torhauses. An dieses schließt seit 2014 das Besucher- und Informationszentrum Sparrenburg an, das nach Plänen von Max Dudler Architekten an der südöstlichen Einfriedung des Burghofes entstand.

Gemeinsam mit dem Torhausfragment bildet das eingeschossige Bauwerk einen neuen Torraum aus, der die historische Eingangssituation wieder erlebbar machen soll. Zugleich sorgt es für eine räumliche Fassung des Burghofes. Auf einer Nutzfläche von knapp 80 Quadratmetern bietet das Gebäude Platz für Ausgrabungsstücke, außerdem gibt es einen Museumsshop und einen zum Burghof orientierten Kiosk an der nordöstlichen Seite sowie eine Kasse, wo Eintrittskarten für die Besichtigung des Turms und Führungen verkauft werden. Fenster und Türen haben bronzebeschichtete Aluminiumrahmen und bronzefarbene Beschläge, in die Innenwände sind bündig Eichenholzregale eingearbeitet. Eine Fußbodenheizung sorgt für wohlige Wärme.

Nur ein halbes Jahr später und knapp zwei Kilometer entfernt, öffnete der Informationspunkt der Parklandschaft Johannisberg im März 2015 seine Pforten – ein ebenfalls von Dudler entworfenes Ensemble aus zwei eingeschossigen Pavillons. Sie befinden sich nordwestlich der Sparrenburg an der Dornberger Straße, Ecke Am Johannisberg. Als Pendant zum Besucherzentrum bilden auch sie eine Art Tor, hier allerdings zum Park, der von den Bielefelder Landschaftsarchitekten L-A-E behutsam instand gesetzt wurde. In dem kleineren der beiden Häuser sind die Toiletten untergebracht, der größere beinhaltet auf annähernd quadratischem Grundriss Ausstellungsflächen, Sitzgelegenheiten und Lagerräume. Letzterer ist unbeheizt und besitzt auf allen vier Gebäudeseiten Öffnungen, die sich mit Schiebetüren aus bronzebeschichteten und mit Läser eingefrästen Aluminiumpaneelen schließen lassen; Fenster gibt es keine. Die Gesamtnutzfläche beider Häuser beträgt rund 47 Quadratmeter.

Außen- und Innenwände aller Neubauten sind aus Stampfbeton errichtet. Mit seiner rauen Oberflächenstruktur und heterogenen Farbigkeit ähnelt er dem Natursteinmauerwerk der Sparrenburg, ohne es zu imitieren.

Beton
Die Wandaufbau des Besucherzentrums ist dreischalig: Die äußere Wand besteht aus 12 cm Stampfbeton, es folgt eine dämmende Zwischenschicht aus Porenbeton von 36,5 cm Dicke, dann die Innenwand, wiederum aus 12 cm Stampfbeton. Insgesamt beträgt die Wanddicke also gut 60 cm. Als Schalung verwendete man eine sogenannte Wanderschalung, die im Bereich des Porenbetons als verlorene Schalung nach dem Betonieren im Wandaufbau verblieb. Die Decke besteht in der untersten sichtbaren Schicht ebenfalls aus Stampfbeton, darüber ist Ortbeton. Auch der Fußboden sollte zunächst aus Stampfbeton hergestellt werden, da er jedoch zu rau, uneben und porös gewesen wäre und damit schlecht zu reinigen, entschied man sich für einen Aufbau aus Estrich auf Phosphatbasis, dessen Oberfläche anschließend geschliffen wurde.

Charakteristisches Merkmal von Stampfbeton ist die Ablesbarkeit der einzelnen Schichten, die in einer Höhe von 15 bis 25 cm in die Schalung eingebracht werden. Da Stampfbeton zu den unbewehrten Betonen gehört, darf er nur auf Vertikaldruck beansprucht werden. Jede einzelne Schicht wird durch Druckstöße beim Stampfen verdichtet, weshalb der Beton viel trockener sein muss, als herkömmlich hergestellter Industriebeton. Eine erdfeuchte Konsistenz ist eine weitere Voraussetzung. Um die Haftung der nächst einzubringenden Schicht herzustellen, muss die vorhergehende Schicht aufgraut, gereinigt und befeuchtet werden. Diese verhältnismäßig langwierige Verarbeitung und die langen Trockenzeiten erforderten viel Geduld von allen Baubeteiligten.

Außerdem setzte die Entscheidung für Stampfbeton eine hohe Experimentierfreudigkeit und ein großes Engagement voraus, weil nicht Standard verarbeitet, sondern Kreativität und handwerkliches Können abverlangt wurden. Mit eigens entwickelten Rezepturen stellte man zunächst viele Muster her, um den gewünschten Farbton, die Dichte und Verarbeitbarkeit zu erzielen. Durch Zugabe geeigneter Gesteinskörnungen näherte man sich schließlich dem Farbton der Muschelkalksteine der Sparrenburg an.

Objektinformationen

Architekt: Max Dudler, Berlin
Projektleiter: Simone Boldrin
Mitarbeiter: Kilian Teckemeier
Projektbeteiligte: Architektenbüro Stüwe, Bielefeld (Bauleitung für Büro Max Dudler); Prinz & Pott, Bielefeld (Tragwerksplanung und Bauphysik); Martell ingenieurbüro, Bielefeld (TGA/Elektroplanung)
Baubeteiligte Sparrenburg: Plaß Bau, Bielefeld (Rohbau); Aluba Aluminiumbau, Hiddenhausen (Türen und Fenster); Rudolf Mier, Hövelhof (Tischlerarbeiten); Wille Fußbodenbau, Dortmund (Ausführung Estrich); Elektro-Lüking, Steinhagen (Ausführung Elektro)
Baubeteiligte Johannisberg: Bültmann Bau, Werther (Rohbau); WBM Metallbau W. Blomenkamp, Hüllhorst (Metallbau); Elektro-Lüking, Steinhagen (Ausführung Elektro)
Bauherr: Stadt Bielefeld, vertreten durch Immobilienservicebetrieb (ISB)
Nutzer: Bielefeld Marketing (Sparrenburg), Stadt Bielefeld, Umweltamt (Johannisberg)
Standort: Am Sparrenberg (Sparrenburg) und Dornberger Str. (Johannisberg), Bielefeld
Fertigstellung: 2014
Bildnachweis: Stefan Müller, Berlin

Objektstandort

Sparrenburg Mitte
33602 Bielefeld
Deutschland

Artikel zum Thema

Museu de les Ciencies Príncipe Felipe in Valencia, Architekt: Santiago Calatrava

Eigenschaften

Der Baustoff Beton und seine Eigenschaften

Beton zeichnet sich als vielfältig einsetzbarer Baustoff aus, der aufgrund seiner besonderen Eigenschaften die optischen,...

Mithilfe einer Kletterschalung der Iset Tower in Jekaterinburg errichtet

Schalungen

Schalungstechniken

Neben der Träger- und Rahmenschalung gibt es weitere Schalungsarten, die entwurfsbedingt zum Einsatz kommen.Kletterschalung oder...

Der Kies der Umgebung prägt die Betonfarbe der Bruder Klaus Kapelle in Wachendorf von Peter Zumthor

Betonarten

Stampfbeton

Bei Stampfbeton handelt es sich um unbewehrten Beton, der durch Druckstöße verdichtet wird. Als eine der ältesten Betonarten wurde...

Herstellung

Zusammensetzung von Beton

Beton wird aus den Ausgangsstoffen Zement, Wasser und Gesteinskörnungen hergestellt. Weiterhin können Zusatzmittel und...

Zum Seitenanfang

Der Erweiterungsbau des Bündner Kunstmuseums schließt unterirdisch an die Villa Planta (links) an

Kultur

Bündner Kunstmuseum in Chur

Sichtbetonfassade mit Kassettenrelief

Die neue Waschbetonwand sitzt hinter einer denkmalgeschützten Bruchsteinmauer

Kultur

Museum MeCrì in Minusio

Waschbeton unter Granit

Der Neubau des Len Lye Centre ergänzt die Govett-Brewster Art Gallery, die in einem bestehenden, deutlich kleineren Bau untergebracht ist

Kultur

Len Lye Centre in New Plymouth

Faltenwurf aus 14 Meter hohen Betonfertigteilen

Die hell sandfarbende Sichtbetonoberfläche des Kulturzentrums scheint stellenweise aufgebrochen und abgeplatzt

Kultur

Kultur- und Kongresszentrum Jordanki in Torun

Selbstverdichtender Beton mit Ziegelbruchstücken und gestockter Oberfläche

Links im Bild das neue Foyer, rechts der Erweiterungsbau des Sprengel Museums

Kultur

Sprengel Museum in Hannover

Vorhangfassade aus anthrazitfarbenem Ortbeton

An den Versprüngen in der Tuffbetonfassade lassen sich die Schalungsetappen ablesen

Kultur

Erweiterung Landesmuseum Zürich

Fassade aus Tuffbeton

An der neuen Fassade wechseln sich großformatige Fenster mit geschosshohen Betonfertigteilen ab

Kultur

Galerie Foksal in Warschau

Makellose Fertigteilfassade aus Ultra-Hochleistungsbeton

Die Balletttänzer proben zwischen dem historischen Straßenbahndepot „Am Steinberg“ und einer Wohnbebauung im Norden

Kultur

Probenhaus für das Ballett am Rhein in Düsseldorf

Glas- und carbonfaserbewehrte Sichtbetonfassade

Der obere Ausstellungsraum

Kultur

St.-Agnes-Kirche in Berlin

Trutzburg für die Kunst

Das mit einem Fassadengitter verkleidete Haus C ist das bedeutendste Gebäude der Reihe und öffnet sich zum Platz hin mit einem Cafe

Kultur

Les Pépinières in Lausanne

Filigranes Fassadengitter aus Ultra-Hochleistungsbeton

Einer der beiden Neubauten in anthrazitfarbenem Sichtbeton, der den Eingang und das Foyer beinhaltet

Kultur

Arquipélago – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Ribeira Grande

Vulkanstein trifft Beton

Von der Sparrenburg sind lediglich der Turm, ein Haupt- und ein Wirtschaftsgebäude sowie die Reste eines mittelalterlichen Torhauses erhalten

Kultur

Besucherzentrum Sparrenburg und Informationspunkt Johannisberg in Bielefeld

Scharfkantige Gebäudekonstruktionen aus Stampfbeton

Auf einer Bruttogeschossfläche von knapp 3.000 m² verteilen sich Ausstellungsflächen, Veranstaltungsräume, Büros und eine Bibliothek

Kultur

David Zwirner Gallery in New York City

Sandwichelemente mit Vorsatzschale aus Sichtbeton

Eingebettet in einen sichelförmigen Graswall liegt das Besucherzentrum 200 Meter südöstlich der Vogelherdhöhle

Kultur

Archäopark Vogelherd in Niederstotzingen

Höhle aus hellem Sichtbeton

Mit großflächigen Verglasungen ist das Dokumentationszentrum zum ehemaligen Internierungslager auf der gegenüberliegenden Straßenseite hin ausgerichtet

Kultur

Shoah Memorial in Drancy

Ort der Erinnerung aus hellem Sichtbeton

Die Architekten verlegten das Museum rund um ein nicht mehr genutztes Trockendock

Kultur

Schifffahrtsmuseum in Helsingør

Unterirdische Erlebniswelt hinter alten Betonwänden

Der Museumsbau befindet sich an der äußersten Spitze des Alten Hafens, gegenüber dem Fort Saint-Jean

Kultur

Mucem in Marseille

Filigranes Gitterwerk aus Ultra-Hochleistungsbeton

An die Brandwand eines denkmalgeschützten Gebäudes angrenzend liegt das Privatmuseum am Eingang zur ehemaligen Brauerei Pfefferberg

Kultur

Museum für Architekturzeichnung in Berlin

Gestapelte Betonboxen mit Fassadenrelief

Zur Stadt hin zeigt sich das Museum mit seiner Betonblüten-Fassade, hier liegt auch der Eingang

Kultur

Vorarlberg Museum in Bregenz

Betonblüten aus Plastikflaschenböden

Der zweigeschossige Museumsbau befindet sich auf einer Landzunge am Ufer des Flusses Calder

Kultur

Hepworth Wakefield Museum

Verschachtelte Betonskulptur

Dem Hemdenfabrikanten Aage Damgaard ist es zu verdanken, dass der Museumsbau realisiert werden konnte

Kultur

Museum of Contemporary Art in Herning

Weißer Sichtbeton mit Textilstruktur

Gesamtansicht: rechts der Eingang ins Ägyptische Museum, links in die Hochschule für Fernsehen und Film

Kultur

Ägyptisches Museum und Filmhochschule in München

Glaskörper auf gestocktem Betonsockel

Wie Flammen umzüngeln die Einschnitte den eingeschossigen Baukörper

Kultur

Musée Jean Cocteau in Menton

Wellenförmige Wandscheiben aus Beton als Tragpfeiler

Hinter dem gläsernen Vorhang ist der Theatersaal und die nach oben breiter werdende Spiraltreppe sichtbar

Kultur

Theater in Gütersloh

White Cube aus 7.500 m³ Beton

Die Erweiterung des Museums öffnet sich mit fünf Fingern zur Landschaft

Kultur

Museum für moderne Kunst in Lille

Fein gemusterte Sichtbetonfassaden

An der Ostfassade des Ostflügels sind historische und ergänzte Fassadenteile ablesbar

Kultur

Museum für Naturkunde in Berlin

Monolithische Betonfertigteile

Kultur

Steinskulpturenmuseum in Bad Münster

Holzfachwerk trifft Sichtbeton

Der Weiße Kubus ist der einzige Neubau des Museums

Kultur

Walther Collection in Burlafingen

Roher Sichtbeton im Kunstkubus

Kultur

Museo Can Framis in Barcelona

Umbau einer ehemaligen Fabrik zum Museum

Edelstahlgewebe umhüllt den Bau

Kultur

Haus für Musik und Musiktheater in Graz

Frei geformtes Raumtragwerk

Nach Osten neigt sich der schräge Zylinder, öffnet sich dem Betrachter und bietet Einlass über einen Durchgang zum Innenhof

Kultur

Abrahams Gebäude auf der Raketenstation Hombroich

Betonfestung für Künstler

Kultur

Museum Liaunig in Kärnten

Betonröhre im Metallkleid

Ehemaliger Reichsbunker Friedrichstraße

Kultur

Hochbunker in Berlin

Wohnen und Kunst in blauem Beton

Zusachauertribüne

Kultur

Naturtheater in Reutlingen

Holz, Aluminium und Sichtbeton

Das Museum bei Nacht

Kultur

Museum der bildenden Künste in Leipzig

Raumkontinuum in Sichtbeton

Ansicht zur Stadt

Kultur

Staatstheater in Darmstadt

Sanierung in Weißbeton

Außenansicht

Kultur

Ordrupgaard Museum in Charlottenlund

Schwarzer Sichtbeton

Ein stählerner Keil durchbohrt die schwere Natursteinfassade des Kopfbaus der Kongresshalle

Kultur

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Begehbare Skulptur aus Stahl, Glas und Beton

Ansicht

Kultur

Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz

Grün-schwarzer Basaltbeton, poliert

Klassische Formen in zeitgenössischer Bautechnik interpretiert

Kultur

Literaturmuseum der Moderne in Marbach

Klassische Themen in zeitgenössischer Bautechnik

Außenansicht

Kultur

Erweiterung des Deutschen Historischen Museums in Berlin

Architekturbeton für die Raumskulptur

Ansicht Langen Foundation mit künstlich angelegtem Spiegelteich

Kultur

Langen Foundation auf der Raketenstation Hombroich

Betonriegel im Glasmantel

Beton auf der BAU 2017

Ob innovativer 3-D-Druck mit Beton oder
Sichtbeton mit berührungssensitiven
Oberflächen – das InformationsZentrum
Beton zeigt die Vielfalt des Baustoff

Partner