Wohnturm Cielo in Nagpur
Betonroste als feststehender Sonnenschutz
Im Herzen Indiens, im Bundesstaat Maharashtra, befindet sich die Stadt Nagpur. Im östlichen Teil der Millionenmetropole ragt seit Anfang 2026 ein neues Wohnhochhaus aus dem Häusermeer. Das 45 Meter hohe Gebäude mit dem Namen Cielo (spanisch für „Himmel“) wurde von Sanjay Puri Architects aus Mumbai entworfen. Riesige, perforierte Betonschalen verleihen dem Turm eine skulpturale Präsenz und zugleich einen wirkungsvollen Sonnenschutz.
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Städtebaulicher Kontext
Das Wohnhochhaus steht auf einem 900 m2 großen, von einer Mauer umschlossenen Grundstück, das an einen Park sowie an Gewerbe- und Industriebauten grenzt. Um das Gebäude herum führt eine Vorfahrtsschleife, durch die man direkt vor dem Haupteingang an der Ostfassade abgesetzt werden kann, bevor der Fahrer das Auto parkt. Dort gelangt man zunächst in einen kleinen Empfangs- und Aufenthaltsbereich, an den das Haupttreppenhaus anschließt. Nebenan, über die Südfassade erschlossen, befindet sich ein Fitnessraum.
An der Süd- und Nordseite ist ein sogenanntes Pit-Park-Sytem installiert. Je drei Autos werden hier mittels einer Hebebühne gestapelt. Motorräder können in einem separaten Bereich abgestellt werden. Das Haupttreppenhaus an der Westfassade verfügt über eine gegenläufige U-Treppe sowie zwei Aufzüge. Im Brandfall bietet ein Fluchttreppenhaus an der Ostfassade einen schnellen Rettungsweg.
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Raumorganisation und Belüftung
Die zwölf Obergeschosse bieten jeweils rund 270 m2 Nutzfläche. Auf jeder Etage ist eine einzige, großzügige Vierzimmerwohnung untergebracht. Drei der Schlafzimmer sowie die geräumige Küche sind an den Gebäudeecken angeordnet, wo über Eck angeordnete Fenster eine effektive Querlüftung ermöglichen. Jedes Schlafzimmer verfügt zudem über ein eigenes Badezimmer. Zentral gelegen bietet sich der Wohn- und Essbereich als sozialer Mittelpunkt der Wohnung an.
Anpassung an das lokale Klima
Nagpur liegt im geografischen Zentrum Indiens und ist von langen, heißen Sommern geprägt. Acht Monate pro Jahr steigen die Temperaturen auf über 40 °C. Um diesen klimatischen Bedingungen zu begegnen, öffnet sich jeder Wohnraum an zwei Seiten nach außen – zu einem offenen und einem abgeschirmten Balkon. Damit erhielt jede Nutzungseinheit einerseits geschützte, begrünbare Außenräume. Andererseits spenden die Überstände und Gitterroste Schatten und sollen so die Wärmeeinträge deutlich reduzieren.
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Fassadengestaltung mit regionalem Bezug
Bei den perforierten, feststehenden Verschattungselementen an der Fassade handelt es sich um riesige Betonscheiben. Der untere Bereich der Elemente fungiert jeweils als Überkopfverschattung, der mittlere wirkt als Filter gegen starke Sonneneinstrahlung und der obere Bereich bildet die Balkonbrüstung im darüberliegenden Geschoss. Gefertigt aus Porenleichtbeton (auch Schaumbeton genannt), bestehen die Elemente zu 80 % aus recycelten Materialien wie Glas und Kunststoff und werden mit minimalem Wasser- und Energieeinsatz hergestellt.
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Die gekrümmten Bauteile sind versetzt auf Stahlträgern in der Gebäudehülle verankert, wodurch ein dynamisches und lebendiges Fassadenbild entsteht und das Gebäude seine charakteristische skulpturale Erscheinung erhält. Zugleich erinnern die Gitterstrukturen an Jali – perforierte Stein- oder Holzplatten, die in der regionalen Architektur verbreitet sind. Sie schützen traditionell Innenräume vor direkter Sonneneinstrahlung und ermöglichen durch ihre feinen Öffnungen zugleich eine natürliche Belüftung und Kühlung.
Die auf Querlüftung ausgelegten Grundrisse und die verschattende Fassadenstruktur reduzieren den Bedarf an Klimatechnik. Darüber hinaus verfügt das Gebäude über ein Solardach und ein System zur Regenwassernutzung und -aufbereitung. All das soll dazu beitragen, den CO2-Ausstoß im Betrieb zu minimieren.
Bautafel
Architektur: Sanjay Puri Architects, Mumbai
Projektbeteiligte: Sanjay Puri, Ruchika Gupta, Nikita Dusing, Krishna Leela, Neha Wadodkar, Diganta Gujaran, Chanchari Malviya (Entwurfsteam); Patankar Consultants (Tragwerksplanung); Flexstone (Fassadenplanung)
Bauherr*in: Prestige Builders
Fertigstellung: 2026
Standort: Nagpur, Maharashtra, Indien
Bildnachweis: Vinay Panjwani (Fotos); Sanjay Puri Architects (Pläne)
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