Erweiterung Schulzentrum Davos Platz
Grüne, selbsttragende Holzfassade mit Kupferbändern
„Eine hohe Baukultur für Europa“ – dieser Anspruch, 2018 am Rande des Weltwirtschaftsforums formuliert, ist auch am Schulzentrum Davos Platz erkennbar. Ein grüner Holzbau wurde über einen alten Zwischentrakt gestülpt und rüstet ihn für den Ganztagsbetrieb. 2024 war die von CURA Architekten vollzogene, ungewöhnliche Erweiterung abgeschlossen.
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Die zentral im dicht bebauten Ortskern gelegene Schulanlage ist nur 600 Meter vom Kongresszentrum, dem Veranstaltungsort des Weltwirtschaftsforums entfernt. Lediglich der Kurpark und das Sportzentrum liegen dazwischen. Der Schulcampus aus den 1960er-Jahren ist geprägt von zwei kompakten, vier- und fünfgeschossigen Waschbetonkuben in Hanglage mit rund 20 Metern Kantenlänge. Je zwölf Klassen werden im Primarschulhaus im Nordosten sowie im Oberstufenschulhaus im Südwesten unterrichtet.
Zwischen den beiden, gut vierzig Meter voneinander entfernten Baukörpern befand sich ein schmaler, zwei- bis dreigeschossiger Riegel. In diesem Gebäudeteil war die von beiden Stufen genutzte Talentschule für Musik und Sport untergebracht, die – wie auch Schulleitung und Verwaltung – dringend mehr Platz benötigte. Zudem sollte die Schule um Räume für die Ganztagsbetreuung von 160 Schüler*innen inklusive Mensa und Küche erweitert werden.
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Um 60 Prozent gewachsen
Das Hochbauamt der Gemeinde hatte 2022 einen offenen Wettbewerb ausgelobt. Vorgesehen waren 1.200 m2 für die Talentschule, 350 m2 für Mensa, Küche und Ganztagsbetreuung (in der Schweiz Tagesstruktur genannt) sowie 250 m2 für Schulleitung und Verwaltung. Die Interventionen sollten sich auf den Zwischentrakt konzentrieren, Primar- und Oberstufenhaus nur geringe, für die Erzeugung von Synergien notwendige Anpassungen erfahren. In der Auslobung war dargestellt, dass sich die Gemeinde einen Ersatzneubau wünschte. Zwei Büros schlugen dagegen einen Umbau vor, darunter CURA Architekten, die letztlich den Zuschlag erhielten.
Nach ihren Plänen wurde der Bestand um ein viertes Geschoss aufgestockt und beidseitig verbreitert. Infolgedessen wuchs der Baukörper um 60 Prozent. Da der größere Teil der Baumasse im Nordwesten, also bergseitig hinzukam, wurde aus dem ursprünglichen Einbünder quasi eine Art Zweibünder.
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Vermittelndes Atrium
Das Atrium vermittelt aber nicht nur zwischen den Geschossen von Bestand und Erweiterung, sondern erleichtert auch die Klimatisierung. Mittels Querlüftung und Öffnung des Oberlichtbandes über dem Luftraum entsteht ein natürlicher Kamineffekt. Das Holz der Neubauteile dominiert im Atrium, während hinter den weißen Oberflächen das Betontragwerk schlummert. Heller Terrazzo bildet den Bodenbelag der Galerien, an deren Stirnseiten Geländer aus grünen Flachstäben montiert sind.
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Aufstockung und Erweiterung
In den zwei Obergeschossen des nordwestseitigen Anbaus befinden sich die Besprechungs-, Sitzungs- und Arbeitsräume der Lehrkräfte. Auf Höhe der Aufstockung befindet sich auf der Nordwestseite eine Dachterrasse, gerahmt von der nach oben hin fortgeführten Fassade. So schließt der Baukörper mit einer einheitlichen Attika ab. Zugleich dient die Terrasse als Ausbaureserve.
Im Erdgeschoss nimmt die Mensa die Nordwesthälfte ein. Sie lässt sich sowohl mit Vorhängen unterteilen als auch durch Faltwände mit den weiteren Räumen der Tagesschule verbinden, sodass eine große Aula entsteht. Im Südosten lassen sich Glastüren zu einer neu geschaffenen Terrasse mit Blick auf den Schulplatz öffnen. Darunter wurde das Untergeschoss ausgegraben, um die Duschen und Umkleiden von außen zu erschließen. Die Primar- und Oberstufenschulhäuser sind durch gedeckte Plätze auf beiden Seiten des erweiterten Mitteltrakts angebunden.
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Fassade: grün und selbsttragend
Für die Neubauteile wurde ein weitgehend vorgefertigtes System aus Baubuchenträgern, Brettstapeldecken mit Schafwolleinlagen und einer selbsttragenden, mattgrün gefassten Holzständerfassade entwickelt. Vertikal aufgeschraubte Kanthölzer imitieren die Optik einer Deckleistenschalung. Der Bau ist horizontal gegliedert durch Fensterbänder mit grünen Brüstungen.
Die Klassenräume verfügen über dreigeteilte Festverglasungen und seitliche Öffnungsflügeln mit vorgeschraubten, rautenförmig perforierten, grünen Blechen zur Absturzsicherung. Die Achsen des Konstruktionsrasters sind in hellerem Grün markiert. Mit Kupferblechen an Attika, Fensterbrüstungen und Deckenkanten sind filigrane Akzente gesetzt worden. Gelbe Senkrechtmarkisen dienen als außenliegender Sonnenschutz.
Bautafel
Architektur: CURA Architekten, Wörthsee
Projektbeteiligte: Baulink, Davos (Bauleitung LPH 8); Kuster + Partner, Chur (Bauphysik); Conzett Bronzini Partner, Chur (Tragwerksplanung); Bachofner, Frümsen (Brandschutz)
Bauherr*in: Gemeinde Davos, Hochbauamt
Fertigstellung: 2024
Standort: Schulstrasse 4, 7270 Davos, Schweiz
Bildnachweis: Daisuke Hirabayashi, Basel (Fotos); CURA Architekten, Wörthsee (Pläne)
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