Wohnhaus in Schiedam

Massiver Holzbau mit Ziegelfassade im Aktivhaus-Standard

Beim Entwurf des eigenen Einfamilienhauses ließ sich Architekt Reimar von Meding vom niederländischen Büro KAW Architecten durch Wohnkonzepte der 1920er-Jahre inspirieren. Wichtig waren ihm ein möglichst geringer Energieverbrauch, das Vermeiden schadstoffhaltiger Baustoffe und ein angenehmes Raumklima. Der schlichte, zweigeschossige Flachbau in Schiedam westlich von Rotterdam fällt mit klaren Konturen und einer hellen Ziegelfassade auf.

Gallerie

Das Wohnhaus gehört zu einem jüngst erschlossenen, recht zentralen Wohnquartier auf einem ehemals durch ein Krankenhaus genutzten Areal. Der Neubau umfasst 223 Quadratmeter auf winkelförmigem Grundriss. Ein ursprünglich als Garage vorgesehener, südlicher Anbau erweitert nun den Wohnraum, da die Familie kein Auto mehr besitzt.

Zurückversetzt von der Straße, wird das Haus im Westen erschlossen. Geradlinige Rasen- und Kiesflächen unterstreichen die reduzierte Gestaltung. Auf der Gartenseite im Osten schafft eine großzügige Holzterrasse die Verbindung vom Wohnraum ins Freie. Das Erdgeschoss ist weiträumig und offen gestaltet. Zentral im Raum platziert ist der Treppenaufgang, der die Küche im Westen vom Wohnbereich trennt. Vis à vis zum Eingang befinden sich Garderobe und WC. Rechterhand (wo ursprünglich die Garage sein sollte) befindet sich ein großer Arbeitsraum mit Bibliothek. Im Obergeschoss liegen drei Kinderzimmer, ein Elternschlafraum und ein Bad an einem Flur einander gegenüber. Einbauschränke schaffen zusätzlich Stauraum.

Nachhaltig Bauen
Die handwerklich geformten Wasserstrichklinker der Fassade haben eine heterogene, unregelmäßige Oberfläche. Sie sind unterhalb der Attika im Zierverband angeordnet. Ziegel sind ein dauerhaftes und zeitloses Material. Dahinter ist das Gebäude als Massivbau aus Brettsperrholz errichtet. Der Rohbau besteht aus Vollholzelementen, auf die eine Wärmedämmung aufgebracht wurde, den äußeren Abschluss bildet die Vormauerschale. Die Brettsperrholzelemente der Wände und Decken können vollständig wiederverwendet oder recycelt werden. Anstelle eines zementgebundenen Bodenaufbaus kam ein Trockenbausystem zum Einsatz. Fichtenholz dominiert den Innenraum, es bekleidet Wände und Decken. Auch die Möbel bestehen teilweise daraus – so zum Beispiel Schreibtisch, Einbauschränke und Treppenstufen. Das Holz ist mit einer einfachen weißlichen Tünche behandelt. Es wirkt temperatur- und feuchteausgleichend, wirkt sich also günstig auf das Raumklima aus. Durch die Verwendung von Holz aus der Region für Konstruktion und Innenausstattung waren die Transportwege kurz und der Energieaufwand samt dem damit verbundenen CO2-Ausstoß gering. Der Boden ist mit hellgrauem Linoleum ausgestattet.

Die kompakte Bauweise und die Aufteilung der Räume stellen eine effiziente Flächennutzung dar; Hüllfläche und Volumen stehen in einem ausgewogenen, energetisch wirkungsvollen Verhältnis (siehe A/V-Verhältnis). Die großen Fensterflächen gen Westen und Osten ermöglichen passive solare Gewinne. Als Energiequelle zur Wärmeerzeugung dient eine Erdwärmepumpe; auf dem Dach wurden zusätzlich Solarkollektoren installiert. Das Haus ist mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Es gilt als „Aktivhaus“, was bedeutet, dass es mindestens soviel Energie erzeugt, wie es verbraucht. Nach einem Jahr Nutzungsdauer ließ sich ein Überschuss von 1.000 kWh feststellen. Technische Komponenten sind nicht in einem separaten Technikraum untergebracht, sondern im ungenutzten Zwischenraum des Bades oder einem Einbauschrank. So ließ sich Wohnfläche gewinnen.

Bautafel

Architekt: KAW, Rotterdam
Projektbeteiligte:
Bloem Installatieadvies, Rotterdam (Installationen); Brak und Eijlers, Gouda (Bauberater); Ekoflin, Bavel (Binderholz); Deppe Backstein-Keramik, Uelsen-Lemke (Backsteinfassade), Forbo, Paderborn (Linoleumboden)
Bauherr:
privat
Fertigstellung:
2016
Standort:
Juliana van Stolbergstraat 1d, Schiedam
Bildnachweis: Ossip van Duivenbode, Rotterdam

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