Højvangen-Kirche in Skanderborg
Ohne Vorder- und Rückseite
In einer Zeit, in der vielerorts Kirchen geschlossen werden, ist die Højvangen-Kirche in Skanderborg eine Besonderheit: Sie ist das erste neue Gotteshaus der dänischen Gemeinde seit mehr als 500 Jahren. Entworfen vom Kopenhagener Architekturbüro Henning Larsen in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Architekten Espen Surnevik, wurde der Neubau am ersten Advent 2024 eingeweiht. Das rund 1.500 Quadratmeter große Gebäude liegt am Rand der Stadt und ergänzt ein bestehendes Gemeindezentrum, an das es über einen teilweise unterirdischen Verbindungsgang angeschlossen ist.
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Raum und Licht
Die Architektur löst sich von den tradierten und liturgischen Vorstellungen eines geosteten Kirchenraums mit Altarachse und gegenüberliegendem Haupteingang. Stattdessen öffnet sich der eingeschossige Baukörper mit annähernd quadratischer Grundfläche in alle Richtungen. Mittig wird der Raum durch einen geschosshohen, laternenartigen Aufbau mit aufgefächerten Wandflächen erhöht. Das Taufbecken bildet den Mittelpunkt und somit eine zentralistische Organisation des Innenraums. Von hier aus bestehen Sichtbezüge zum Wald, zum Friedhof, zum Turm der alten Kirche und zum Gemeindezentrum. Die flexibel nutzbare Fläche dient neben Gottesdiensten auch Konzerten, kulturellen Veranstaltungen und alltäglichen Begegnungen.
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Die gegeneinander versetzen Wandscheiben des Aufbaus filtern das einfallende Licht und lassen eine bisweilen transzendente Atmosphäre entstehen. Das hat der Entwurf mit historischen Kirchenbauten gemein: Raumhöhe und Licht(führung) werden selbst zum spirituellen Ergebnis bzw. tragen maßgeblich dazu bei.
Die Landschaftsarchitektur mit Park und Innenhof erweitert das Gebäude um gemeinschaftlich nutzbare Außenräume. In die rückwärtige Gebäudeseite sind geschützte Sitznischen integriert, die Rückzug und Begegnung gleichermaßen ermöglichen.
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Monolithisches Ziegelmauerwerk
Die Materialwahl knüpft an die dänische Bautradition an: Ziegel, Eiche und Messing prägen das äußere und innere Erscheinungsbild der Kirche. Das helle, gräulich-cremefarben bis hellbraun changierende Ziegelmauerwerk mit gleichfarbigem Fugenmörtel verleiht dem Baukörper aus der Ferne eine beinahe monolithische Wirkung. Aus der Nähe zeigt sich, dass die im schleppenden Läuferverband erstellte Verblendschale aus Ziegeln mit deutlich sichtbaren, handwerklich wirkenden Herstellungsspuren erstellt wurde. Dies wiederum wirkt archaisch, demonstriert Beständigkeit und ist ein schöner Kontrast zur klaren, geradlinigen Formensprache.
In das Volumen sind gebäudehohe Fenster mit getönten Glasscheiben und dunklen, bronzefarbenen Rahmen eingeschnitten. Die zur Straße Skolestien orientierte Fassade wurde sogar vollflächig verglast. Die dunklen Gebäudeöffnungen stellen einen vielfältigen Kontrast zum hellen Mauerwerk dar: Hell trifft auf Dunkel, Rau auf Glatt und Offen auf Verschlossen.
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Materialkontraste im Innenraum
Der Innenraum wird ebenso wie die Fassade durch massive, gegeneinander versetzte Wandscheiben aus Ziegelmauerwerk gegliedert. Dieses Motiv der Fächerung wiederholt sich an der Decke durch die freiliegenden Träger aus Eichenholz. Zierliche Messingleuchten und ein grauer, glatter Fliesenboden ergänzen das gestalterische Konzept.
Die Højvangen-Kirche ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie eine jahrtausendealte Bauaufgabe und ein traditioneller Baustoff mit einer zeitgemäßen Architektursprache und einem modernen Verständnis von Kirche zusammengehen.
Bautafel
Architektur: Henning Larsen, Kopenhagen; Espen Surnevik, Norwegen
Projektbeteiligte: Schul Landskab & Planlægning, Kopenhagen (Landschaftsarchitektur); Rambøll, Kopenhagen (Ingenieurplanung)
Bauherr*in: Kirchengemeinde Skanderborg
Standort: Mallinggårdsvej 3, 8660 Skanderborg, Dänemark
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Rasmus Hjortshøj (Fotos); Henning Larsen (Pläne)
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