Mehrfamilienhaus in Regensberg

Gallerie

Einen ausgesprochen kühnen Neubau implantierte das junge Büro L3P Architekten mit ihrem Kollegen Frank Schäfer in ein denkmalgeschütztes Burgstädtchen des Zürcher Unterlandes. Alle Neubauten in Regensberg unterliegen strengen Auflagen: Die Gemeinde ist stolz darauf, dass sie seit ihrer Gründung im Jahr 1244 bis heute den einstigen Grundriss mit den drei Hauptteilen Schloss, Oberburg und Unterburg bewahrt hat.

Das fünfgeschossige Mehrfamilienwohnhaus folgt dem trapezförmig zulaufenden Hanggrundstück am westlichen Ende des Städtchens. Im Osten 3,50 m schmal und gegen Westen immer breiter (9 m) werdend, zieht sich der Neubau über eine Länge von 40 m hin. Ein mittig gelegenes, verglastes Treppenhaus teilt den Baukörper in zwei Hälften. Die Architektur wird einerseits durch die Lage des Grundstücks mit der Panoramasicht nach Süden und anderseits durch den historischen Bezug zum Burgstädtchen bestimmt. Auf der Nordseite gliedern zwei Risalite die Gebäudelinie und geben den Blick auf einen nahegelegenen Rundturm frei. Auf der Südseite gewähren großflächig verglaste Loggien und zwei Meter hohe, teilweise über Eck gezogene Bandfenster Fernsicht bis zu den Glarner Alpen. Der gen Osten abfallende Dachfirst überträgt die besondere Topografie des Ortes auch auf die Vertikale.

In jedem der beiden Hausteile sind übereinander drei Wohnungen angeordnet, die sich in Grundriss, Höhen und Proportionen unterscheiden. Jede der Wohnungen hat als Zentrum ein 3,40 Meter hohes Wohnzimmer, dessen raumhohe Verglasung nach Süden hin die Wiesenlandschaft rahmt und zu einem integralen Bestandteil der Architektur macht. Sind die Nebenräume eher eng, zum Teil verwinkelt gestaltet, verströmen die hohen, offenen Wohnzimmer eine weite und lichte Stimmung. Ein wesentliches architektonisches Mittel sind Höhenversätze, welche die Wohnungen vertikal gliedern. In den beiden Dachwohnungen wurden die Zimmer aufgrund der situativen Enge übereinander angeordnet und halbgeschossig zum Wohnraum versetzt.

Betont schlicht in der Form entfaltet der Neubau eine leise Extravaganz durch das Spiel mit den unterschiedlichen Fensteröffnungen. Während im Süden und Osten lange Bandfenster, verglaste Loggien und große Panoramafenster die Baukörper öffnen, geben sich diese nach Norden hin eher geschlossen: Der „burgige“ Charakter, der durch die geschlossene Fassade und die „Schießscharten“ ähnlichen Fenstern entsteht, soll - so die Architekten - eine Hommage an die historische Bausubstanz von Regensberg darstellen. Allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Bei der historischen Bebauung waren die zur Landschaft weisenden Fassaden aus Sicherheitsgründen geschlossen und nur mit wenigen kleinen Fenstern versehen. Die einzelnen Häuser bildeten so zusammen die Festungsmauer. Zum Stadtraum und zur Burg hin öffneten sich die Häuser hingegen mit größeren Fenstern und Öffnungen. Den heutigen Bedürfnissen entsprechend finden die Bewohner nun eher introvertierte Räume zur Stadt hin und Ausblicke zur umgebenden Natur im Süden.

Mauerwerk

Das Gebäude wurde entsprechend den jeweiligen statischen Erfordernissen als Mischkonstruktion errichtet: Wo immer möglich verwendeten die Architekten Backstein, wo dieser in seinen statischen Eigenschaften nicht ausreichte, kam Stahlbeton zum Einsatz. Die Wände wurden entsprechend aus 15 cm Swissmodul-Backstein oder aus 20 cm starkem Stahlbeton gefertigt, und anschließend um eine ausreichende Wärmedämmung zu gewährleisten mit 20 cm starken Polystyrolplatten beklebt. Der eingefärbte Außenputz erhielt einen zusätzlichen Farbanstrich, der verwendete grau-rosa Farbton wurde eigens vom Farbgestalter Beat Soller für dieses Objekt gemischt - er ist farblich abgestimmt auf die Oberburg von Regensberg.

Bautafel

Architekten: L3P Architekten, Martin Reusser  Markus Müller  Boris Egli, Regensberg und Frank Schäfer, Regensberg
Projektbeteiligte: Bauingenieure Bona + Fischer , Winterthur (Tragwerksplanung); Beat Soller, Schweizer, Zürich (Farbgestaltung); Schäfer Bau, Dielsdorf (Bauunternehmen); Sada, Urdorf (Steildacharbeiten); Süßdorf, Regensberg (Flachdacharbeiten)
Bauherr: Privat
Fertigstellung: 2008
Standort: Staldernstraße 9, Regensberg
Bildnachweis: Vito Stallone, Baar; L3P Architekten, Regensberg

Architektenprofil

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