Wohnhaus LysP8 in Basel
Fassade mit wiederverwendeten Klappläden und Dachziegeln
Lässt sich ein Mehrfamilienhaus heute komplett aus wiederverwendeten Elementen errichten? Das Zürcher Büro Loeliger Strub Architektur scheint dieses Ziel zumindest avisiert zu haben. Für die Stiftung Habitat entstand im Quartier Lysbüchel Süd, unweit der Basler Ringstraße, ein sechsgeschossiges Haus mit 27 Wohnungen, zwei Gewerberäumen, Büro und Gemeinschaftsraum. Zahlreiche Bauteile, Materialien und Einrichtungsgegenstände erhielten dabei ein zweites Leben.
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Die Blockrandecke mit fünf Hauptgeschossen plus Staffelgeschoss unterteilen die Architekten in ein Langhaus mit sechs Achsen und ein nordwestlich gelegenes Punkthaus. Dazwischen platzieren sie den Hofeingang und ein Treppenhaus, an das die hofseitigen Laubengänge anschließen. Straßenseitig kragen dagegen zwei Gemeinschaftsbalkone aus.
Die Grundrisse sind effizient organisiert. Ein Großteil der Wohneinheiten sind durchgesteckte Studios, die man über den Küchenteil betritt. Die innenliegenden Nasszellen können durch raumbreite Doppeltüren geschlossen werden, die zugleich als Türen für die Küchen und den Wohnteil dienen. Die wenigen, etwas größeren Wohnungen bieten auch Blickbeziehungen über die Diagonale. Sie lassen sich teilweise durch Vorhänge unterteilen, besitzen aber – im Unterschied zu den Studios – separate Türen für Bäder und Individualräume. Die Tragkonstruktion besteht weitgehend aus Holz: Doppelbalken und -stützen aus Leimholz sind sowohl in den Wohnungen als auch an den Laubengängen sichtbar.
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Gesammelte Bauteile
Die Fachplanung und die Suche nach wiederverwendbaren Bauteilen übernahm das auf Re-Use-Projekte spezialisierte Büro Zirkular. 400 Quadratmeter Brettschichtholz-Elemente für die Geschossdecken stammen etwa von einem temporären Rennsportpavillon, 260 Quadratmeter Gehwegplatten aus einer psychiatrischen Anstalt. Bei verschiedenen Abbrüchen barg man je rund 30 Küchenzeilen, Ablufthauben, Spüleneinsätze, WC-Becken und Toilettenpapierhalter, aber auch zehn Spülmaschinen und 15 Küchenarmaturen.
Gesammelt wurden außerdem 22 Deckenleuchten aus einem Altenwohnstift, 40 Meter Handläufe aus einer Kaserne, Waschbecken aus einem Hotel, Spiegel aus einem Krankenhaus und Gitterroststufen aus einer Fabrik. Die fast 100 Quadratmeter Welleternit stammen von einem Silogebäude eines Dämmstoffherstellers.
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Herausfordernd war die Koordination von Bauablauf und Materialbeschaffung: Oft musste bei der Beschaffung der wiederverwendeten Materialien jedoch spontan umgeplant werden, weil es bei den entsprechenden Abbruchvorhaben zu Terminverzögerungen gekommen war. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Ingenieurs- und Managementschule HEIG-VD werden die Maßnahmen dokumentiert und hinsichtlich ihrer Emissionseinsparungen ausgewertet. Angaben des Architekturbüros zufolge ließen sich durch die Wiederverwendung 132 Tonnen CO2-Emissionen einsparen.
Fassade: erkennbar wiederverwendet
Recycling und Re-Use sind an der Fassade deutlich zu erkennen: Die 112 in der Höhe geteilten, weinroten Metallklappläden stammen aus einer Siedlung im Kanton Zürich. Sie erhielten lediglich neue Beschläge und schlagen nun gegen schräg ausgestellte, mit blaugrau gestrichene Laibungen. Hingegen sind die bodentiefen, übereinander angeordneten Fenster wegen Bedenken der Auftraggeber*innen neu. Ursprünglich waren hier gebrauchte Fenster aus einer Zürcher Siedlung vorgesehen.
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Die geschlossenen Wandflächen zwischen den Fensterachsen verkleiden Dachziegel aus drei verschiedenen „Minen“. Somit unterscheidet sich auch ihre durch Verwitterungen, Auswaschungen und Flechten entstandene Patina. Im Erdgeschoss wurden rote Flachmuldenziegel von einer Halle aus Winterthur verwendet, in den darüberliegenden Geschossen zwei Typen von bräunlichen Flachschiebeziegeln (Reformziegeln) aus Zürich und Arlesheim bei Basel.
Hofseitig kamen rote und graue Fassadenplatten zum Einsatz, bei denen es sich um Restposten eines Schweizer Faserzementherstellers handelte. Bei den Gipsfaserplatten für die Innenwandbekleidungen wurden 1600 Quadratmeter Verschnitt– teils nur etwa 40 Zentimeter lange Stücke – auf die Unterkonstruktion geschraubt und überstrichen. Die Gitterroste der Laubengangbrüstungen und der Eingangstore bestehen stammen von Gefängnisbetten aus Zürich. Beim Flachdach erhielt die temporäre Brandwanddämmung des Nachbargebäudes ein zweites Leben.
Bautafel
Architektur: Loeliger Strub Architektur, Zürich
Projektbeteiligte: Tenzin Dawa Tsamdha, Zhiyu Zeng, Johannes Walterbusch, Fanni Müller (Architekturbüro, Mitarbeit Wettbewerb), Tenzin Dawa Tsamdha, Fabienne Ulrich, Yeshi Wang, Lea Frauenfelder, Flurin Studer (Architekturbüro, Mitarbeit Planung/Ausführung), Eitel & Partner, Basel (Baumanagement), Zirkular, Basel (Fachplanungsbüro für zirkuläres Bauen), Pirmin Jung Schweiz, Sursee (Tragwerksplanung Holzbau, Brandschutz, Bauphysik), vonAh, Liestal (Tragwerksplanung Massivbau), HeiVi, Basel (HL-Planung), Gemperle S-Plan, Basel (Sanitärplanung), Pro Engineering, Basel (Elektroplanung)
Bauherr*in: Stiftung Habitat, Basel
Fertigstellung: 2025
Standort: Weinlagerstrasse 33, 4056 Basel, Schweiz
Bildnachweis: Federico Farinatti, Zürich (Fotos); Loeliger Strub Architektur, Zürich (Fotos und Pläne)
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