House by the Temple bei Tokio
Wellblech – mintgrün und metallisch glänzend
Aufwachen mit Blick auf eine dreizehnstöckige, vier Meter hohe Steinpagode – das ist Programm im House by the Temple. Das von Kuma & Elsa entworfene und 2024 fertiggestellte Einfamilienhaus in der Präfektur Saitama, nördlich von Tokio, wirkt aus europäischer Sicht außergewöhnlich. Eingepasst wurde es in eine kleine Lücke von nur 12 x 20 Metern zwischen bestehender Wohnbebauung. Eine schmale Gasse grenzt die Häuser vom Parkgrundstück eines buddhistischen Tempels ab. Die Bauherrenfamilie – ein Landschaftsarchitekt und eine Therapeutin – hatte klare Vorstellungen: Wohnen und Arbeiten vor Ort, Sichtbezug zum Tempel und Privatsphäre sollten möglich sein, zugleich der Blick aus der Küche auf die im Hof spielenden Kinder.
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Wohnen hinterm Paravent
Das Grundstück umgibt eine Sichtschutzwand aus Wellblechen, die entfernt an einen Paravent erinnert. Neben dem Eingangstor ist eine kleine Hütte mit Satteldach in die Einfriedung integriert. Hierbei handelt es sich um einen 1,80 x 3,50 Meter kleinen Einraum, der dem Landschaftsarchitekten als Atelier dient. Zur Straße ist der Giebel geschlossen, die Hofseite nimmt eine zweiflügelige Glastür ein. Ein schmaler Betonpfad verbindet das Eingangstor und Atelier mit dem im hinteren Grundstücksteil platzierten Wohnhaus.
Der zweigeschossige Holzbau verfügt über einen viertelkreisförmigen Grundriss mit acht Metern Radius. Von der Attika verdeckt fällt das Dach flach geneigt zur Ecke des Viertels ab. Die nach Westen weisende, gebogene Außenwand ist genaugenommen polygonal. Aus fünf leicht abknickenden Abschnitten zusammengesetzt greift sie die Anmutung des Paravents auf. Im mittleren Segment befindet sich der Hauseingang. Links und rechts davon ist das Erdgeschoss vollflächig verglast und gibt den Blick frei in den bekiesten, sparsam bepflanzten Hof. Das Obergeschoss ist mit Wellblech verkleidet.
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Schöne Plätze im Viertelkreis
Hinter einem statisch wirksamen Windfang beherbergt das Erdgeschoss die gemeinsamen Wohnräume. Entlang der südöstlichen Hausrückwand verläuft die Küchenzeile mit einem Essplatz davor. Im Winkel des Kreissegments versteckt sich ein Sanitärbereich hinter einem gekrümmten Wellblech-Sichtschutz. An der nordöstlichen Rückwand, die kaum einen Meter vom Nachbargebäude abgerückt ist, führt eine einläufige Holztreppe ins Obergeschoss. Hier befinden sich das Elternschlafzimmer, zwei Kinderzimmer und ein WC.
Das Obergeschoss ist aber nicht nur funktionaler Rückzugs- und Ruhebereich, sondern zugleich Aussichtsplattform mit Blick auf den gegenüberliegenden Tempel und Reflexionsort zur Spiegelung der beiden Welten – hier der profane Alltag, dort der spirituell reine, geweihte Tempelbereich. Entlang der gekrümmten Fassade laden tiefe, schreibtischartige Fensterbänke ein, im Tageslicht Platz zu nehmen. Hier können Eltern und Kinder gleichermaßen arbeiten und meditieren.
Die Innenräume sind durchgängig geprägt von einer reduzierten Material- und Farbpalette. Sie umfasst Estrichböden im Erdgeschoss, holzsichtig belassene Tragstrukturen, mitgrünes Wellblech, Wandverkleidungen aus grün lasierten Zypressen-Sperrholzplatten sowie rote Akzente an Glasfassade und Treppenhandlauf.
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Fassade: Wellblech mit Zack
Vom Wohngebäude ist im Straßenraum fast nur das Obergeschoss der polygonalen Westfassade wirksam. Es handelt sich hier um eine Lochfassade, verkleidet mit liegend verbauten, mintgrünen Galvalume-Wellblechplatten – einem mit Zink-Aluminium-Legierung beschichteten Stahlblech. Die darunterliegende, hinterlüftete Tragkonstruktion ist außenseitig mit witterungsbeständigen Fassadenbauplatten hinter einer Bitumendachbahn und mit einer 100 Millimeter dicken Schicht Glaswolle gedämmt.
Die Außenwände des kleinen Ateliergebäudes sind identisch aufgebaut. Das Wellblech ist hier allerdings metallisch glänzend. Die Fassade wird beidseitig von der Einfriedung aus den leicht zickzackförmig angeordneten Sichtschutzelementen fortgesetzt. Sie nehmen die Atelier-Traufkante auf, ihre Stahlrahmen sind ebenfalls mit Galvalume-Wellblechen beplankt. An der Innenseite nehmen diese allerdings wieder das Mintgrün des Obergeschosses und der Trennwand des Sanitärbereichs im Wohnhaus auf. Hinter dem Sichtschutz ragen noch etwa 70 Zentimeter der Erdgeschossverglasung hervor. Es handelt sich hierbei um ein Aluminiumsystem mit Schiebeelementen.
Bautafel
Architektur: KUMA & ELSA, Paris / Bilbao / Fukuoka
Projektbeteiligte: Shohei Kuma, Elsa Escobedo (Projektteam); Kenichi Inoue Structural Engineers (Statik); Yuken M&E Design Office (TGA); Ikeda Koumuten, Utsunomiya (Generalunternehmer)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2024
Standort: in der Präfektur Saitama, Region Kantō, Japan
Bildnachweis: Shohei Kuma (Fotos); Elsa Escobedo (Skizzen); KUMA & ELSA (Pläne)
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