Wohnhäuser Tappen in Stockholm

Verzinkte Stahlplatten an Fassade und Dach

Stockholm ist nicht nur die größte Stadt Schwedens, sondern ganz Skandinaviens. Auch hier ist der Bedarf an Wohnungen größer als das Angebot, sodass selbst weiter entfernte Vororte wie Annedal, das im Westen, unweit des Flughafens liegt, sich längst von einem ehemaligen Industrie- und Gewerbegebiet zu einem Wohnort wandeln. Hier hat das in der schwedischen Hauptstadt ansässige Architekturbüro Joliark mit dem Projekt Tappen insgesamt 44 Wohnungen realisiert, die insbesondere ein Angebot an Familien sind, aber auch eines an Alleinstehende, die den Kontakt mit Nachbarn eher suchen als scheuen.

Gallerie

Wichtiger als die stadträumliche Lösung war den Architekten die Konzeption des Wohnungsgrundtypus. Dieser ist zweigeschossig, schmal und tief, sodass der Kern ohne Tageslicht auskommen muss; hier liegen die Bäder und die interne Treppe. Die untere Ebene hat einen offenen Grundriss, auf dem diesseits des Kerns Eingang, Küche und Essplatz angeordnet sind und jenseits das Wohnzimmer. Oben befinden sich drei Schlafzimmer. Dieser Wohnungstypus wurde gereiht und gestapelt auf zwei Gebäuderiegel verteilt, von denen der eine sechs-, der andere viergeschossig ist. Über hofseitige Laubengänge werden die Wohneinheiten erschlossen.

In typischer Zeilenbauweise bleiben die Stirnseiten der Bauten geschlossenen und verbinden sich an der Blockecke nicht. Stattdessen setzten die Architekten in die Lücke einen freistehenden, verglasten Treppenhausturm, über den die Laubengänge erreicht werden. Unter beiden Gebäuden befindet sich eine Tiefgarage.

Während der höhere Baukörper eine Ost-West-Ausrichtung hat, weist der flachere eine Nord-Süd-Orientierung auf. In diesem befinden sich die Maisonette-Wohnungen nur in den beiden mittleren Geschossen. Im Erd- und im dritten Obergeschoss sind kleinere, eingeschossige Wohnungen angelegt worden. Die Laubengänge führen an den Küchen und Essplätzen vorbei und sollen mit dem begrünten Hof einen Ort für soziale Interaktion bilden. Von den Erschließungszonen abgewandt liegen die Wohn- und Schlafzimmer entweder zur Straße hin oder im jeweiligen Obergeschoss.

Fassade
Der Großteil der Fassaden nach Norden und zum Hof hin ist von einem schützenden Mantel aus verzinktem Stahl übergezogen. Das Metallkleid wirkt nicht eindeutig glänzend, aber auch nicht stumpf oder matt, changiert vielmehr je nach Sonnenlichteinfall und hat unregelmäßig diagonal verlaufende Schlieren. Dafür wurden die drei Millimeter starken Platten im Werk in flüssiges Zink getaucht, anschließend nicht gerade, sondern an der Ecke aufgehängt, sodass die dünne, vor Korrosion schützende Schicht Zink eine diagonal verlaufende Struktur ergab. Rückseitig sind die Bleche mit einem Gerüst verschweißt, das direkt mit der tragenden Betonwand verbunden ist, somit ist ihre Befestigung von außen unsichtbar.

Die Brüstungen der französischen Fenster wurden mit bündig platzieren perforierten Blechen versehen, die auch im nicht sichtbaren, flach ausgebildeten Dach zum Einsatz kommen, sodass die Begrünung hindurchdringen kann. Dachrinne und Fallrohre sind ebenfalls aus verzinktem Stahlblech gefertigt und bündig in die Fassadenebene integriert. Die wenig tiefen Fensterlaibungen tragen zur flächigen Erscheinung der Fassaden bei. Die knappen Fugen, die exakten Eckausbildungen sowie der ebenfalls mit den Stahlplatten verkleidete Übergang in den schrägen Dachbereich lassen die Häuser massiv und beinahe wehrhaft erscheinen. 

Die Westfassade unterscheidet sich in der Gestaltung stark von den anderen: sie ist nicht glatt und flächig, sondern stark strukturiert und dreidimensional, außerdem von den Materialien Beton und Holz geprägt. Ein großes Raster aus Sichtbeton bildet die Seitenwände und Boden- bzw. Deckenplatten für Balkone aus und zeichnet die zweigeschossige Dimensionen der dahinterliegenden Wohnungen nach. Die dadurch wie gerahmt erscheinenden Außenwände sind mit kontrastierenden, hellen Holzlatten verkleidet. Filigrane Metallstäbe als Balkonbrüstungen ordnen sich optisch unter und überlassen die gestalterische Wirkung den beiden Materialien Holz und Beton.

Bautafel

Architekten: Joliark, Stockholm
Projektbeteiligte: Per Johanson, Stina Johansson, Amanda Hedmann
Bauherr: Reinhold Gustafsson Förvaltnings, Västra Näshulta
Fertigstellung: 2015
Standort: Mariehäll, Stockholm, Schweden
Bildnachweis: Torjus Dahl für Joliark, Stockholm

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