Wohn- und Geschäftshaus Mercado in Groningen
Smaragdgrün glasierte, begrünte Glas-Keramik-Fassade
Schwarzer Hund und Rotes Waisenhaus – diese Kombination mag die Phantasie anregen, in der Realität steht sie für das Wohn- und Geschäftshaus Mercado in Groningen. Das in der Rode Weeshuisstraat stehende Gebäude plante das Büro De Zwarte Hond zusammen mit Loer Architecten. 2023 wurde es fertiggestellt.
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Der Schwarze Hund war zum Namensgeber für eines der beiden Architekturbüros geworden, nachdem ein Künstler einen Auftrag mit einem großen Teerpapier-Hund bezahlt hatte. Die Rode Weeshuisstraat, benannt nach einem alten Waisenhaus, war Ort und Gegenstand eines innerstädtischen Transformationsprojekts. Zusammen mit der Stalstraat bildete sie die nördliche und westliche Rückseite eines großen Einzelhandelskomplexes aus der Nachkriegszeit, der einen ganzen Block dominiert hatte.
Der achtgeschossige Neubau ersetzt ein Lagergebäude der Kaufhauskette V&D – eine abweisende, viergeschossige Box mit grauer Profilblechverkleidung. Insgesamt 41 Wohnungen befinden sich in den terrassierten Obergeschossen. Das sechs Meter hohe Erdgeschoss ist als Geschäftszone ausgelegt, im Untergeschoss sind eine Tiefgarage und Fahrradabstellplätze untergebracht. Der Name Mercado verweist noch auf die anfangs geplante Markthalle. Nun belebt ein Gastronomiebereich die schmalen Seitenstraßen, auch in den Abendstunden.
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Staffelung in die Tiefe
Um Licht in die tiefen Grundrisse zu bringen und um zur ursprünglich zwei- bis dreigeschossigen Umgebungsbebauung zu vermitteln, wurde das Gebäude von der Nordwestecke aus nach oben hin unregelmäßig zurückgestaffelt. Nach Osten steigt das Volumen bis auf die Höhe des benachbarten Kaufhauses an und überragt somit die umliegenden Traufkanten wie auch den Vorgängerbau deutlich.
Die Wohnungsgrößen differieren, wobei insbesondere in den oberen, zurückspringenden Geschossen offene Grundrisse überwiegen. Unter dem Gebäude wurden Brunnen für die Wärme- und Kältespeicherung (WKSP) gebohrt, die in Kombination mit Wärmepumpen zum thermischen Energiesystem des Gebäudes gehören.
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Fassade: Keramik in Smaragdgrün
Mit Ausnahme des ersten Obergeschosses wurden bodentiefe Verglasungen mit dunklen Aluminiumprofilen eingebaut. Sie werden von einem geschosshohen Raster aus profilierten keramischen Fassadenelementen wie in einem Bilderrahmensystem zusammengefasst. 1.400 Quadratmeter smaragdgrün glasierte Terrakottaplatten verleihen dem Bau eine individuelle und hochwertige Anmutung.
Acht verschiedene Typen von profilierten Formteilen erzeugen im Zusammenspiel die Tiefenwirkung der Fassade. Die semitransparente Glasur wurde in zwei Brennvorgängen auf die Plattenoberfläche und die Schnittkanten aufgetragen. Eine prozessbedingt variierende Auftragsdicke der Glasur sorgt für ein lebendiges Erscheinungsbild. Die als Rahmen für Fenster und Balkontüren dienenden Terrakottaplatten wurden vertikal und horizontal auf Aluminiumschienen befestigt.
Im ersten Obergeschoss zieht sich ein schmales, bepflanztes Brüstungsband über die Nord- und die Westfassade. An der Südseite sind Balkone mit integrierten Pflanztrögen vorgehängt. Auch die zahlreichen Dachterrassen, die durch die Rücksprünge entstanden, sind umfassend begrünt. Die insgesamt 3.800 Pflanzen auf Balkonen, Dachterrassen und an der Fassade werden computergesteuert über die Brunnen unter dem Gebäude bewässert. Südseitig sind cremefarbige Senkrechtmarkisen als außenliegender Sonnenschutz vor die Verglasungsebene gehängt.
Bautafel
Architektur: De Zwarte Hond, Groningen/Rotterdam/Keulen/Berlin; Loer Architecten, Rotterdam
Projektbeteiligte: Henk Stadens, Jurjen van der Meer, Bas Frieling (Team De Zwarte Hond); Frank Loer Jess Macias, Tijs Niessen, Jan Loerakker, Rianne Vossen (Team Loer Architecten); Dijkhuis Ingenieurs, Groningen (beratende Bauingenieure); ABT Wassenaar, Groningen (Gebäudetechnik); Noorman Bouw- en milieuadvies, Groningen (Bauphysik); Areaal / Sempergreen, Odijk (Fassaden- und Balkonbegrünung); NBK Keramik, Emmerich am Rhein (Fassadenkeramik); Bijlbouw, Alblasserdam (Fassadenbauer)
Bauherr*in: MWPO, Groningen, ’s-Hertogenbosch / Beauvast, Groningen
Fertigstellung: 2023
Standort: Rode Weeshuisstraat 4 – 6, 9712 Groningen, Niederlande
Bildnachweis: Sebastian van Damme, Rotterdam und Marcel IJzerman, Rotterdam (Fotos); De Zwarte Hond & Loer Architecten (Pläne)
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