Gutshaus Akola Manor in Ii
Behutsame Renovierung eines Baudenkmals mit Holzböden
In der kleinen Gemeinde Ii im Norden Finnlands verwandelte der Architekt Teemu Kurkela ein denkmalgeschütztes Gutshaus in ein privates Ferien- und Kunst-Retreat. Beim Besuch des Akola Manor offenbart sich ein vielschichtiges Zusammenspiel aus regional verwurzelten Bautraditionen, eigens entworfenen Möbeln und behaglichen Holzböden. Das Gebäude liegt abgelegen im Nordwesten Finnlands zwischen Feldern und Wäldern – eine knappe Stunde entfernt von Oulu, der größten Stadt in der Region. Das denkmalgeschützte Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert befindet sich seit 1910 im Besitz der Familie von Teemu Kurkela, einem der Gründer des in Helsinki ansässigen Architekturbüros JKMM Architects.
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Komplexe Sanierung
Für Kurkela ist es ein Ort mit persönlicher Geschichte: Hier verbrachte er die Sommer seiner Kindheit, kennt die Umgebung und seine Bewohner*innen, schätzt die Traditionen. Das 710 Quadratmeter große Anwesen im gustavianischen Stil war über die Jahre zunehmend verfallen, bis sich Kurkela für eine umfassende Renovierung entschied. Das Vorhaben erwies sich als komplex: Das Dach musste vollständig erneuert, eine natürliche Belüftung entwickelt, eine Heizungsanlage integriert und das mundgeblasene Flachglas der rund 200 Jahre alten Fenster instand gesetzt werden. Trotz des hohen Aufwands bezeichnete der Architekt das Projekt als ein „therapeutisches Gegengewicht“ zu seiner Arbeit an großmaßstäblichen Gebäuden wie Krankenhäusern und Museen.
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Lokale Bau- und Handwerkstraditionen
Beim Umbau des dreistöckigen Gebäudes ging es Kurkela nicht allein darum, einen privaten Rückzugsort zu schaffen. Er wollte das Haus auch für gemeinschaftliche Nutzungen öffnen und Impulse für die abgelegene Region setzen. Der respektvolle Umgang mit lokalen Bautraditionen zeigt sich in vielen Details, wobei der Erhalt und die Reparatur historischer Bauelemente wie Türen, Fenster, Kamine und Tapeten im Zentrum der Arbeiten standen. Sie wurden von Spezialist*innen und Handwerksbetrieben aus der Region umgesetzt. Die Spuren der Zeit blieben dabei bewusst sichtbar. So wurden im Obergeschoss mehrere Tapetenschichten bis hin zum Lehmputz freigelegt. Stellenweise sind noch Zeitungen aus den 1940er-Jahren zu erkennen, die einst als Dämmmaterial dienten. Darüber hinaus entwarf Kurkela sämtliche Möbel für das Haus selbst – darunter Tische, Sofas und Betten –, die von lokalen Betrieben aus Fichtenholz gefertigt wurden. Die klaren, zurückhaltenden Entwürfe werden durch ausgewählte Designobjekte und Kunstwerke ergänzt.
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Natürlicher und haptischer Boden
Der Zugang zum Haus führt durch einen Windfang, von dem aus sich ein kompakter Flur öffnet. Zur linken Seite liegt die Wohnküche, deren Mittelpunkt ein Küchenblock aus Naturstein und Holz bildet. Ergänzt wird der Raum durch einen Holzschrank für Küchenutensilien, einen großen Esstisch sowie einen historischen Kamin. Die verwendeten Materialien zeichnen sich durch ihre natürlichen Oberflächen aus und prägen die Atmosphäre des Innenraums. Dazu gehören insbesondere auch die breiten, massiven Holzdielen, die Behaglichkeit ins Interior bringen, sehr haptisch wirken und für einen einheitlichen Raumeindruck sorgen. Dazu gesellen sich abgepasste Teppiche aus Papiergarn in zurückhaltenden Farben.
Im angrenzenden Raum wird Kurkelas Affinität zu Japan sichtbar: Ein japanischer Onsen dient hier dem entspannten Baden. Wie in der Küche kommt auch hier traditioneller Kalkstein aus Öland zum Einsatz, der dem Raum eine ruhige, beinahe klösterliche Anmutung verleiht. Die Räume im Erdgeschoss sind enfiladenartig miteinander verbunden, entsprechend der typischen Grundrissorganisation von Gutshäusern aus der Zeit, als Finnland Teil des Königreichs Schweden war.
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Lichte und helle Innenraumgestaltung
Die helle Farbpalette und der Einsatz von Holz für die Böden und die (Einbau-)Möbel sorgen dafür, dass die Innenräume auch während der langen, dunklen Wintermonate licht und offen wirken. Durch die Holzsprossenfenster öffnet sich der Blick auf Rasenflächen, Birkenbestände und den Fluss Iijoki, der das Grundstück begrenzt und im Sommer als Badestelle genutzt wird. Während das Erdgeschoss um neue Funktionsbereiche wie Küche, Flur, Badezimmer, Treppenhaus und technische Installationen ergänzt wurde, blieb das Obergeschoss weitgehend im historischen Zustand erhalten. Die sichtbaren Zeitschichten der Wände verleihen den Räumen eine besondere Tiefe und bilden einen Kontrast zur heutigen Nutzung, die neben mehreren Schlafzimmern auch einen modern ausgestatteten Konferenzraum umfasst. Akola Manor dient Kurkela nicht nur als privater Aufenthaltsort, sondern auch als Treffpunkt für Kreative. Das Haus wird zudem an Unternehmen und befreundete Geschäftspartner vermietet. „Die Gäste sollen den Komfort eines guten Hotels erleben, zugleich aber das Gefühl haben, sich in einem echten Zuhause aufzuhalten“, so der Bauherr.
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Architektonische Experimentierfreude
Gemeinsam mit dem slowakischen Trenčín ist Oulu im Jahr 2026 Europäische Kulturhauptstadt. Nur rund 40 Kilometer von der Großstadt entfernt beteiligt sich Kurkela mit der „Experimental Farm“, wie er das Akola Manor bezeichnet, an diesem Großereignis. Neben kulturellen Dialogen soll auf dem Gelände das „House of Sound“ entstehen – ein von Kurkela entworfenes Bauwerk, das der Klangkunst gewidmet ist. „Die Struktur besteht aus massivem Holz aus der Region und soll selbst wie ein großes Instrument funktionieren“, erklärt Kurkela. -csh
Bautafel
Architektur: denkmalgeschütztes Gutshaus (1796); Teemu Kurkela/JKMM Architects, Helsinki (Renovierung)
Projektbeteiligte: Teemu Kurkela/JKMM Architects, Helsinki (Innenarchitektur und Möbeldesign); Dinesen, Jels (Dielen Hersteller); Woodnotes, Helsinki (Teppich Hersteller)
Bauherr*in: Teemu Kurkela, Helsinki
Fertigstellung: 2021
Standort: Akola Manor, Ii, Finnland
Bildnachweis: Marc Goodwin, Teemu Kurkela (Fotos), JKMM Architects (Pläne & Grundrisse)
