Erweiterungsbau der Kunsthalle Mannheim

Farbneutrale und reflexionsarme Verglasung hinter Metallnetz

Gallerie

Von außen ist dem derzeit größten deutschen Museumsbau seine Funktion nicht anzusehen. Äußerst schlicht in der Form und von einem bronzefarbenen Metallnetz umhüllt, verweisen lediglich die beiden Buchstaben k und M auf die angrenzende Kunsthalle Mannheim, als deren Erweiterung er dient. Geplant wurde das neue Ausstellungshaus von gmp Architekten, die sich bei ihrem Entwurf am rasterförmigen Stadtgrundriss der Quadrate orientierten. Als „Stadt in der Stadt“ statteten sie es mit sieben verschieden großen Ausstellungskuben aus, die über Brücken, Passagen und Galerien miteinander verbunden sind. Die Anbindung an den bestehenden Jugendstilbau von Hermann Billing erfolgt über einen niedrigeren Zwischenbau.

Mit einer Gesamtnutzfläche von rund 13.000 Quadratmetern ersetzt das neue Museum eine frühere Erweiterung von Lange, Mitzlaff, Böhm, Müller aus den frühen 1980er-Jahren. Diese hatte durch einen Wassereinbruch Schaden genommen und genügte auch den räumlichen Anforderungen nicht mehr. So war unter anderem die Eingangssituation unbefriedigend. Heute befindet sich der Eingang zwar an gleicher Stelle, ist aber deutlich großzügiger und einladender. Er führt direkt ins Herz des Hauses – das 21 Meter hohe und 700 Quadratmeter große Atrium, um das herum alle Ausstellungsräume organisiert sind.

Die Innengestaltung ist zurückhaltend: Weiß verputzte Wände und Decken, dazwischen flache Lichtfelder, auf dem Boden grauer Zement­estrich. In Szene gesetzt sind hingegen die Sichtachsen und Ausblicke, die sich auf dem Weg durch das Museum durch Wandöffnungen und Fenster ergeben. Die teils sehr großen Fensterflächen sind in der Außenansicht an einigen Stellen tagsüber nur schemenhaft hinter der Metallhülle sichtbar. Bei Dunkelheit dreht sich diese Wirkung um: dann verschwindet die netzartige Edelstahlfassade optisch und die Glasflächen erscheinen als strahlende Lichtflecken zwischen den dunkelgrauen Faserzementplatten, mit denen die Betonkonstruktion des Gebäudes verkleidet ist.

Glas
Die Anforderungen an das Glas hinter der prägnanten Metallhülle waren hoch: Es sollte beste wärme- und lichttechnische Eigenschaften aufweisen, selbst aber optisch in den Hintergrund treten. Die Planer entschieden sich für ein beschichtetes Isolierglas, das für einen ungehinderten Lichteinfall, freien Ausblick und unverfälschte Farbwiedergabe gleichermaßen sorgt. Es wurde überwiegend als Dreifachverglasung ausgeführt und sowohl für die Fassade als auch im Atriumdach eingesetzt.

Die Lichttransmission des Glases beträgt 64%, die Reflexion auf der Außenseite lediglich 15%. Fast wirkt es, als sei die Verglasung gar nicht vorhanden. Eine Überhitzung im Sommer steht dennoch nicht zu befürchten, da die Selektivität von knapp 1,9 den Wärmedurchgang wie bei einem sehr guten Sonnenschutzglas reduziert. -cwi

Bautafel

Architekt: gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg 
Projektbeteiligte: Schlaich Bergermann Partner, Berlin (Tragwerksplanung); IQ Haustechnik Giesen-Gillhoff-Loomans, Krefeld (TGA); DS-Plan, Stuttgart (Fassadenplanung); ag Licht, Bonn (Lichtplanung), hhp Berlin, Berlin (Brandschutz); W+P Gesellschaft für Projektabwicklung, Essen (Bauleitung); Rupert App, Leutkirch (Metallbau); Saint-Gobain Building Glass Europe, Stolberg (Glashersteller: Cool-Lite SKN 176, Cool-Lite SKN 176 II, Cool-Lite SKN Planitherm XNII)
Bauherr: Stiftung Kunsthalle Mannheim
Standort: Friedrichsplatz 4, 68165 Mannheim
Fertigstellung: 2018
Bildnachweis: Constantin Meyer Photographie, Köln; Marcus Bredt, Berlin

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