Bürogebäude Actelion in Allschwil

Gestapelte Raumbalken

Gallerie

Im schweizerischen Allschwil türmen sich seit Kurzem die imposanten, balkenartigen Strukturen des sogenannten Actelion Business Center, einem Bürogebäude für eine Biotechfirma. Das vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Gebäude bietet 350 Mitarbeitern ein ungewöhnliches Arbeitsumfeld. Die auf den ersten Blick zufällig wirkende Anordnung der übereinander gestapelten Baukörper schafft ungewohnte Durch- bzw. Ausblicke und bietet zugleich Erholungszonen in Höfen und Terrassen unterschiedlicher Größe.

Sämtliche Arbeitsplätze liegen in unmittelbarer Nähe zur Fassade. Damit ist eine Tageslichtversorgung und der Sichtbezug nach außen gewährleistet. Die Büros sind in Einzel-, Zweier- und überschaubaren Großraumbüros unterteilt. Verglaste Fassaden, transparente Trennwände und weiße Oberflächen prägen die Innenräume; graue Teppiche, helle Vorhänge und hölzerne Türgriffe lockern die Atmosphäre auf und sollen Wohnlichkeit vermitteln. Für das Restaurant entwarfen die Architekten Holztische.

Der Grundriss des Gebäudes erstreckt sich über 80 x 80 Meter; dabei ragt es über sechs Stockwerke (21 Meter) in die Höhe. Über eine leichte, unter das Balkengewirr führende, Absenkung erreicht man den Zugang zum Gebäude. Schräge Stützen vermitteln dem Betrachter eine Vorahnung auf die sich darüber auftürmende Struktur. Von der Mitte aus hebt sich der Boden leicht an; Holzbänke in den Schrägen laden zum Verweilen ein. In der Nähe finden sich Schulungsräume, eine Cafeteria, das Restaurant und Auditorien. Das gesamte Gebäude ist um einen mittigen Hof, der von den Bürobalken durchschnitten wird, konzentriert. Die vertikale Erschließung des Gebäudes erfolgt über vier Zonen in den Gebäudeecken.

Da kein Stockwerk dem anderen gleicht, scheinen die fünf bis sieben Balken pro Etage zufällig in alle möglichen Richtungen aufgeschichtet. Bei einer derartigen dreidimensionalen Stapelung ist der statische Lastabtrag eine besondere Herausforderung: 1500 Detailzeichnungen, 2.500 Tonnen Stahl und 3,8 Kilometer Fachwerkträger waren notwendig um den Lastabtrag zu realisieren. Dabei besteht die statische Struktur aus einer Stahlkonstruktion mit raumhaltigen, als offene Gitterstruktur ausgebildeten Kastenträgern. Aufgrund der extremen Spannweiten waren Stützen im Außenraum nicht vermeidbar. Diese stehen schlank, teilweise über fünf Stockwerke, frei im Raum. Das Gebäude hat keine Kerne, die die horizontale Aussteifung sicherstellen. Die meisten Stützen sowie die am direkten Lastabtrag beteiligten Fachwerkstäbe, wie Vierendeelpfosten und Diagonalstäbe, sind nicht lotrecht ausgerichtet. Die daraus resultierenden horizontalen Ablenkkräfte, aber auch die Erdbeben- und Windkräfte sowie das bezüglich des Reaktionszentrums entstehende Torsionsmoment müssen über die Fachwerke sowie Decken und Böden der Kastenträger ausgeglichen und abgetragen werden.

Das Energiekonzept des Gebäudes sieht eine kombinierte Nutzung von Strom, Erdgas und erneuerbaren Energien (Solarstrom) vor. Ziel war eine nahezu CO₂-neutrale Deckung des Energiebedarfs für die Wärme- und Kälteerzeugung. Eine maßgebende Rolle kommt dabei den 3-fach Isoliergläsern mit integrierten Sonnenschutzlamellen zu. Der Einsatz der Sonnenschutzlamellen wird entweder zentral entsprechend dem Sonnenstand oder vom Nutzer individuell gesteuert. Exponierte Glasflächen wurden dem einfallenden Sonnenlicht entsprechend nach unten, beschattete Flächen nach oben geneigt.

Glas

Seitens der Architekten waren für die Fassade gläserne und transparente Glasbänder, ohne störende vertikale Pfostenprofile gewünscht. Dafür entwickelten sie Ganzglas-Fensterbänder mit vertikalen Glasstößen, deren Neigung bis zu 10° beträgt, bei einem Fassadenraster von 1,45 m. Die Verglasung wird durchlaufend oben und unten in thermisch getrennten Aluminium-Rahmenprofilen gehalten. Da aufgrund der Lichtbandkonstruktion vertikal tragende Rahmenprofile fehlen, übernimmt die Verglasung über die gesamte Raumhöhe (2,7 m) den Lastabtrag sämtlicher Einwirkungen (Windlasten, Absturzsicherung, etc.). Die vertikalen Stöße erhielten eine Silikon-Verfugung - ohne Deck- und Klemmleisten.

Speziell für die Bürobereiche wurden nach außen öffnende, etwa 90 cm hohe und manuell bedienbare Senk-Klapp-Ausstell-Flügel entwickelt, die dem Nutzer eine individuelle Lüftung des Arbeitsplatzes ermöglichen. Die lichte Öffnungsweite hierfür beträgt 12 cm. Die Stirnflächen der Decken sind vollflächig mit emaillierten Einscheiben-Sicherheitsgläsern verkleidet. Die Farbe der Emaille ist nicht komplett deckend, so das die Flächen transluzent wirken und gleichzeitig eine Tiefenwirkung erzeugen.

Aufgrund des hohen Glasanteils der Fassade bestanden hohe Anforderungen an den Wärmedurchgangskoeffizienten. Gefordert war ein mittlerer Fassaden-U-Wert von 0,9 W/m²K, der auch durch den verringerten Rahmenanteile und moderne Isoliergläser erreicht wurde. Durch den Einsatz einer in den Scheibenzwischenraum (SZR) integrierten Jalousie wurde der Sonnenschutz erfüllt. Die Wärmeschutzverglasungen besitzen einen Wärmedurchgangskoeffizienten von Ug =  0,6 W/m²K, einen Lichttransmissionsgrad von LT = 65% und einen Gesamtenergiedurchlassgrad von g = 47% (ohne Sonnenschutzlamellen). Die 3-fach Isolierverglasung besteht aus Weißglas - außen wurde VSG aus 2 x 12 mm TVG und innen 10 mm ESG-H eingesetzt. Die mittlere Scheibe besteht aus 6 mm ESG-H. Die äußere SZR (32 mm) ist mit Luft gefüllt und beherbergt die Jalousie. Der innere SZR ist mit Krypton gefüllt.

Objektinformationen

Architekt: Herzog & de Meuron, Basel
Projektbeteiligte: ARGE GP Headquarters Actelion, Basel und Herzog & de Meuron, Basel (Generalplaner); Emmer Pfenninger Partner, Münchenstein (Fassadenplaner); Frener & Reifer, Brixen und Frener & Reifer Schweiz, Basel (Ausführung Fassadenbau); WGG Schnetzer Puskas Ingenieure, Basel (Tragwerksplanung); Saint-Gobain Glass, Aachen (Glashersteller)
Bauherr: Actelion Pharmaceuticals, Allschwil
Fertigstellung: 2010
Standort: Gewerbestraße, Allschwil
Bildnachweis: Actelion Pharmaceuticals, Allschwil

Objektstandort

Gewerbestraße 16
4123 Allschwil
Schweiz

Artikel zum Thema

Bruchbild von Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG)

Funktionsgläser

Einscheibensicherheitsglas (ESG)

Das fälschlicherweise oft als gehärtetes Glas bezeichnete Einscheibensicherheitsglas (ESG) entsteht durch thermisches Vorspannen...

Sonnenschutzglas am Berliner Hauptbahnhof (von gmp Architekten)

Sonnenschutz

Gesamtenergiedurchlassgrad g-Wert

Der Gesamtenergiedurchlassgrad, kurz g-Wert genannt, erfasst die Energiedurchlässigkeit eines transparenten Bauteils, wie etwa...

Sanierungsarbeiten am Landratsamts Böblingen: Links die neue Pfosten-Riegel-Konstruktion, rechts die unsanierte Fassade

Glas-Flächenfüllelemente

Pfosten-Riegel-Fassaden

Eine Pfosten-Riegel-Fassade besteht aus tragenden Profilen und basiert auf einem Konstruktionsprinzip, das die Montage sämtlicher...

Repräsentatives Bruchbild von teilvorgespanntem Glas (TVG) nach DIN EN 1863

Funktionsgläser

Teilvorgespanntes Glas (TVG)

Teilvorgespanntes Glas wird im gleichen Herstellprozess wie Einscheibensicherheitsglas (ESG) hergestellt, jedoch langsamer...

Thermografie-Aufnahme einer Altbaufassade, deutlich erkennbar sind die roten Stellen in den Fensterbereichen

Wärmeschutz

Wärmefluss durch Isolierglas

Aus wärmetechnischer Sicht sind Glasflächen die Schwachstellen eines Gebäudes. Im Vergleich zu früher konnte die Wärmedämmung von...

Zum Seitenanfang

Wie schon bei der unweit entfernt gelegenen Markthalle gehen auch die Meinungen über das Timmerhuis weit auseinander

Büro/​Verwaltung

Timmerhuis in Rotterdam

Kolossaler Kistenstapel aus Isolierglas

Westansicht der neuen Konzernzentrale von JTI mit dem Bahnhof Genève-Sécheron im Vordergrund

Büro/​Verwaltung

Hauptsitz des Tabakkonzerns JTI in Genf

Closed Cavity-Fassade mit absturzsichernder Verglasung

Der Gebäudekomplex bietet auf über 54.000 Quadratmetern ausreichend Platz für 1.200 Mitarbeiter

Büro/​Verwaltung

Internationaler Strafgerichtshof in Den Haag

Sprengwirkungshemmende Fassadenverglasung

Einzig die Spitze der Mole Antonelliana ist ein wenig höher als das neue Bürohaus - alle anderen Gebäude der Stadt Turin überragt es bei Weitem

Büro/​Verwaltung

Hauptsitz der Intesa Sanpaolo Bank in Turin

Hochhaus mit doppelschaliger Glasfassade

Das Parlamentsgebäude ist von einer Glasfassade mit unregelmaßiger Wabenstruktur umschlossen

Büro/​Verwaltung

Parlament der französischen Gemeinschaft in Brüssel

Structural-Glazing-Vorhangfassade aus unregelmäßigen Glaswaben

Westflügel mit Kornhaus, gläsernem Treppenhaus und Turmruine

Büro/​Verwaltung

Sanierung und Erweiterung Schloss Grimma

Filigrane Ganzglaskonstruktionen in historischem Gemäuer

An der Munke-/Ecke Ebertstraße zeigt sich die Klinkerfassade mit horizontalen Gesimsbändern und schmalen, stehenden Fensterformaten (Ostansicht)

Büro/​Verwaltung

Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen

Backsteinexpressionismus trifft auf moderne Glasarchitektur

Wie ein leichtes Flechtwerk zieht sich die Glasfassade über den Neubau an der Mühlenstraße

Büro/​Verwaltung

Mercedes-Benz Vertriebszentrale in Berlin

Zickzackförmig gefaltete Fassade aus Verbundsicherheitsglas

Die Vorhangfassade besteht ausschließlich aus geklebten Glasscheiben, kein sichtbares Profil stört das Erscheinungsbild

Büro/​Verwaltung

Verwaltungsgebäude der Junta de Castilla y León in Zamora

Structural Glazing-Fassade aus Weißglas

Der Baukörper erhebt sich siebengeschossig auf U-förmigem Grundriss

Büro/​Verwaltung

Lighthouse Düsseldorf

Fensterbänder aus Dreifach-Isolierverglasung

Überlagerung von öffentlichen und privaten Verkehrswegen

Büro/​Verwaltung

Zentrale der Aachen Münchener Versicherung in Aachen

Gläsernes Stadtimplantat

Das vorgelagerte Geflecht aus weißen Edelstahlprofilen bedeckt Fassade und Dach gleichermaßen

Büro/​Verwaltung

Kulturstiftung des Bundes in Halle an der Saale

Glasfassade im Metallkleid

Das verschachtelte Bauwerk wurde früher vom Ministerium für Straßenbau genutzt, rechts im Bild das neue Eingangsgebäude

Büro/​Verwaltung

Eingangsgebäude der Bank of Georgia in Tifilis

Seilverspannter Ganzglaswürfel

Ein gläserner Polyeder ziert das Dach des ehemaligen Industriegebäudes

Büro/​Verwaltung

Diane von Furstenberg Studio in New York/USA

Heliostatische Belichtung über gläsernen Dachdiamanten

Ostansicht: Der kompakte, siebengeschossige Baukörper vereint mehrere Liegenschaften des Zolls

Büro/​Verwaltung

Hauptzollamt Hamburg-Stadt

Glasstreifen in der Ziegelfassade

The Crystal liegt als Solitär im Zentrum eines kleinen Platzes

Büro/​Verwaltung

Bankgebäude The Crystal in Kopenhagen

Doppelfassade aus beschichtetem und bedrucktem Isolierglas

Die Firmenzentrale befindet sich am Strandkai neben dem Kreuzfahrtterminal

Büro/​Verwaltung

Unilever-Zentrale in Hamburg

Fassade aus Sonnenschutzglas und ETFE-Folie

Das Büro- und Geschäftshaus ist von gläsernen Lamellen umhüllt

Büro/​Verwaltung

Bürogebäude CC 01 in Hamburg

Gläserne Lamellenfassade mit selbstreinigender Beschichtung

Außenansicht des Actelion Business Center

Büro/​Verwaltung

Bürogebäude Actelion in Allschwil

Gestapelte Raumbalken

Das Bürobebäude liegt an einer viel befahrenen Ausfallstraße

Büro/​Verwaltung

KfW Westarkade in Frankfurt a.M.

Geschwungene Glasfassade mit farbigen Klappöffnungen

Das Bürohaus liegt am nördlichen Ufer der Themse

Büro/​Verwaltung

Riverbank House in London/GB

Structural Glazing-Konstruktion in knalligem Gelb

Ansicht der Hauptverwaltung des Kosmetikherstellers Channoine Cosmetics

Büro/​Verwaltung

Hauptverwaltung eines Kosmetikkonzerns in Vaduz

Glaskristall aus 112 Prismen

Mittelpunkt des neuen Quartiers bildet die Q1 genannte Firmenzentrale

Büro/​Verwaltung

Firmenzentrale Thyssen Krupp in Essen

Filigrane Seilnetzkonstruktion als Landschaftsfenster

Das Bürohochhaus markiert den Eingang ins neue Stadtquartier

Büro/​Verwaltung

Bürohochhaus in Wien

Fassade aus ebenen und zylindrisch gebogenen Glasscheiben

Das neungeschossige Bürogebäude liegt an einer der Haupteinfahrtstraßen nach Danzig

Büro/​Verwaltung

Unternehmenszentrale in Danzig

Gläserne Lichtskulptur

Straßenansicht

Büro/​Verwaltung

Büro- und Geschäftsgebäude in Tiflis/GE

Fassade nach dem Prinzip des Kastenfensters

Isolierglas im Wechsel mit weißen Aluminiumpaneelen

Büro/​Verwaltung

Verwaltungsgebäude in Kopenhagen/DK

Dreieckförmige Glasflächen

Außenansicht

Büro/​Verwaltung

Atrium eines Büro- und Geschäftshauses in Padova/I

Ganzglasfassade aus Weißglas

Die Glaslamellen strukturieren die Außenfassade

Büro/​Verwaltung

Forum Chriesbach in Dübendorf/CH

Nullenergiehaus mit Glaslamellen

Hochhaus mit markanter Glasecke

Büro/​Verwaltung

Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart

Weißglas mit punktueller Glashalterung

Gesamtansicht des Gebäudes

Büro/​Verwaltung

Lenné Eins in Berlin

Schuppenfassade aus VSG

Seitenansicht

Büro/​Verwaltung

Hauptverwaltung Gelsenwasser in Gelsenkirchen

Klarer Glaskubus

Gesamtansicht der Seilnetzfassade zwischen den beiden Türmen

Büro/​Verwaltung

Time Warner Center in New York

Seilnetzfassade

Außenansicht

Büro/​Verwaltung

Ernst-Blickle-Innovation-Center in Bruchsal

Isolierglas im Überkopfbereich

Boehringer Ingelheim Center

Büro/​Verwaltung

Boehringer Ingelheim Center in Ingelheim

Halle und Seilfassade mit punktgehaltenem Glas

Blick nach Süden im Innenhof

Büro/​Verwaltung

DZ Bank in Berlin

Schalentragwerk aus Dreiecksmaschen mit Isolierverglasung

Glasfassade mit minimiertem Tragwerk, im Hintergrund links die Friedrichwerdersche Kirche von Schinkel

Büro/​Verwaltung

Erweiterungsbau Auswärtiges Amt in Berlin

Farbig reflektierende Glasfassade

Ansicht

Büro/​Verwaltung

Post Tower in Bonn

Transparente Weißglashülle

Gläserner Bogen

Büro/​Verwaltung

Berliner Bogen in Hamburg

Brandschutzkonzept in der Glasparabel

Transluzentes Designglas

Mit Tiefenwirkung: Fluid von Saint-
Gobain Glass ist ein 3-D-Glas für
Fassaden, Türen und Trennwände

Partner