Kletterhalle in Bruneck

Dach als fünfte Fassade

Hell und kantig zeichnet sich die Kletterhalle vor der bewaldeten Südtiroler Gebirgslandschaft ab – der polygonale Baukörper mit ansteigendem Dachverlauf erscheint als das abstrahierte Miniaturmodell der umgebenden Topografie. Das Gebäude aus Sichtbeton und Glas steht am südwestlichen Rand von Bruneck, der größten Gemeinde im Pustertal. Es entstand als Ergebnis eines EU-offenen Planungswettbewerbs, den die Architekten Stifter + Bachmann aus dem nahen Pfalzen für sich entscheiden konnten. In der Boulder- und Kletterhalle findet der Sportunterricht parallel für mehrere Schulklassen statt.

Gallerie

Die Architekten konzipierten einen bandartig gewundenen Baukörper aus verschieden großen, der Höhe nach ansteigenden Segmenten. Diese umschließen einen Innenhof, der im Nordwesten offen bleibt, um die Eingangssituation zu schaffen. Nach außen ist die Kletterhalle gänzlich geschlossen, die Hoffassaden hingegen sind vollständig verglast. Sie bilden die Schauseiten des Hauses, dessen Hof mit breiten Sitzstufen zur Tribüne wird: An der Nordseite führt sie hinab und eröffnet Ausblick zur höchsten Kletterwand, da das Gebäude teilweise im Erdreich vergraben liegt.

Der Eingang an der Südostseite des Hofes führt in ein helles, großzügiges Foyer mit Kasse, Bar und Ausleihe der Kletterausrüstung. Zur Rechten werden die Kletterhallen über eine Treppe erschlossen, zur Linken erstreckt sich eine Besuchergalerie, die dem Barbetrieb zugeordnet ist. Die Kletterhallen liegen auf tieferem Niveau als das Foyer und die Galerie, sodass sich von dort interessante Einblicke ergeben. Durch die Absenkung aller Hauptnutzbereiche konnten die Erschließungsflächen samt Umkleiden und Nebenräumen zentral unterhalb des Innenhofs angeordnet werden. Ein zusätzlicher Lichthof versorgt die Serviceräume der tiefer liegenden Ebene mit Tageslicht. So sind die Aktivitäten in der Kletterhalle nicht nur über die Hoffassaden und aus dem Foyer einsehbar, sondern auch über verglaste Innenwände entlang der unteren Erschließungsebene.

Innen dominiert Weiß und unterstreicht die helle, luftige Wirkung des Gebäudes. Einen farbigen Kontrast dazu bilden die Haltegriffe an den Kletterwänden. Die Einbaumöbel im Foyer, wie Kasse, Bar und Ausleihe, sind geradlinig in hellem Holz ausgeführt. Sie haben wohnlichen Charakter und nehmen den weißen Flächen die Strenge. Sämtliche Gebäudebereiche einschließlich der Außenanlagen sind barrierefrei ausgeführt. Die Kletterhallen sind mit weichen Fallschutzböden ausgestattet. Neben einer angenehmen Akustik legten die Architekten Wert auf eine gute Ausleuchtung und entwickelten spezielle LED-Lichtdecken für das Gebäude. Eine Kombination aus kontrollierter Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Bauteilaktivierung und natürlicher Nachtauskühlung sorgt über die Jahreszeiten für ein angenehmes Raumklima. Die jährliche Energiebilanz soll weniger als 30 kWh/m² betragen.

Flachdach
Wenige Materialien und einfache Details erzeugen die homogene, skulpturale Gesamtwirkung des Baukörpers. Die massive Gebäudehülle wurde fugenlos in Ortbeton mit gestockter Oberfläche und natürlichen Zuschlägen aus örtlichem Kalkgestein hergestellt. Dem Dach kommt als fünfte Fassade eine wichtige Rolle zu; es bleibt frei von technischen Aufbauten. Der Dachaufbau besteht aus der tragenden Betonschale, mit teils vorgespannten Ortbetondecken und Bauteildicken von 30-45 cm und einer Innendämmung aus 16 cm dickem Schaumglas. Als Dachabdichtung dient eine Flüssigabdichtung aus Kunststoff. Eine Herausforderung lag in der Arbeitsvorbereitung für das Aufbringen der Flüssigabdichtung: Um eine gelungene Dachaufsicht zu erzielen, mussten möglichst glatte und ebene Betonflächen hergestellt werden. Der Farbton der Flüssigabdichtung wurde auf den der Sichtbetonwände abgestimmt, um einen einheitlichen Eindruck zu erzeugen.

Bautafel

Architekt: Stifter + Bachmann, Pfalzen
Projektbeteiligte: Bergmeister, Bruneck (Tragwerksplanung); KuB Fassadentechnik, Schwarzach (Fassadenplanung); Foamglas, Rotkreuz (Dämmung); Triflex, Minden (Abdichtung)
Bauherr: Autonome Provinz Südtirol, Amt für Hochbau/West
Fertigstellung: 2015
Standort: Josef-Ferrari-Straße 36, 39031 Bruneck, Bozen, Italien
Bildnachweis: Rene Riller, Mailand

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Prägend für die Mediathek mit organisch gewundenem Grundriss ist ein umlaufend weißes Fassadenband, das über der Glasfassade wellenartig hinauf- und hinabschwingt (Südansicht)

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Die signifikante Dachfläche des Manetti Shrem Museums umfasst 5.000 Quadratmeter und überspannt den neuen Kunstcampus vollständig – in weiten Teilen allerdings als lichte, luftige Pergola (Westansicht)

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Das berühmte „Dutch Light“ dringt durch Verglasungen im Nordosten und Südwesten, vor allem aber durch die allseits auskragende, ungewöhnliche Metalldachkonstruktion in das Innere des Museum Voorlinden (Südansicht)

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Blick aus nordöstlicher Richtung auf die prismenförmigen, unterschiedlich hohen Baukörper mit der Villa Florida im Hintergrund; der Eingang zur Bibliothek befindet sich links neben der Treppe

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Das Gebäude ist in zwei Teile gegliedert: einen zweigeschossigen, geschlossenen Bereich mit Mehrzweckraum, Bühne und Serviceräumen sowie einen weiträumigen, verglasten Bereich mit Foyer und Veranstaltungshalle (Südansicht)

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Das Obergeschoss kragt weit über das verglaste Erdgeschoss auf dem Sockel aus

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Die langen Flachbauten scheinen über dem Boden zu schweben

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