Zentrum für Virtuelles Engineering (ZVE) in Stuttgart

Forschungs- und Bürogebäude mit DGNB-Auszeichnung in Gold

Gallerie

Der südwestlich von Stuttgart gelegene Stadtteil Vaihingen hat sich als Standort der Universität und des Fraunhofer-Instituts längst einen Namen gemacht. Neu auf dem weitreichenden Areal ist das Zentrum für Virtuelles Engineering (ZVE), ein Forschungs- und Bürogebäude des Fraunhofer-Instituts und markanter Punkt an der Kreuzung von Allmandring und Nobelstraße. Die Räumlichkeiten dienen der Entwicklung und Erprobung von Virtual-Reality-Technologien, Arbeits- und Bürokonzepten; sie schließen direkt an das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) an. Die niederländischen Architekten von UN Studio planten und realisierten das Gebäude in Zusammenarbeit mit AS Plan aus Kaiserslautern.

Die organische Großform erscheint fließend, obwohl sie in ein zwei- und ein viergeschossiges Volumen untergliedert ist. Das niedrigere von beiden erstreckt sich entlang der Nobelstraße und schließt im Osten an den Bestand an. Einem Turm nicht unähnlich betont das viergeschossige Volumen auf der Westseite die Straßenkreuzung. Die von Fensterbändern durchbrochenen Fassaden aus weißem Aluminium passen sich dem IAO-Bestandsgebäude aus den 1980er-Jahren an.

Der Zugang zum ZVE erfolgt über eine außen liegende Rampe, die von der Nobelstraße ins erhöhte Eingangsfoyer führt. Von hier aus eröffnen sich erste Blickbeziehungen in den darüber liegenden Luftraum mit seiner vielfältigen, diagonalen Treppenführung. Der Bauherr wünschte für die rund 100 Angestellten ein flexibles Arbeitsumfeld, das kreative Arbeitsprozesse ermöglicht und die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern fördert. 

Labore, Einzel- und Doppelbüros verlaufen entlang der geschwungenen Fassaden und legen sich um das nach Südosten orientierte Atrium. Eine Mittelzone beinhaltet neben den Servicekernen Besprechungsräume, Großraumbüros und Aufenthaltsbereiche. Zu den Laboren gehören u.a. das 3D Interaction Lab, das Mobility Innovation Lab mit Fahrsimulator, das Digital Engineering Lab, das Urban Living Lab, das Workspace Innovation Lab und nicht zuletzt ein Projektionsraum für virtuelle Realitäten.

Das Herz des Gebäudes bildet das Atrium mit spannungsvoll inszenierten, einläufigen Treppen, die vom Multimedia-Foyer durch verschiedene Ausstellungsbereiche nach oben führen. Richtungswechsel in der Erschließung, unterschiedliche Blickbeziehungen und verschiedene Lichtsituationen sind Teil des öffentlich zugänglichen Weges, der die Besucher durchs Gebäude führt.

Nachhaltig Bauen
Bei der Planung des Gebäudes konzentrierten sich die Architekten vor allem auf den Aspekt der Effizienz, sei es im Hinblick auf das Tragwerk, die Umfassungsflächen, den Energieverbrauch oder die Energiegewinnung. Das Tragwerk ist so konzipiert, dass im Innenraum weder Unterzüge noch Stützen notwendig sind. Die Lastabtragung erfolgt über die Fassade und die innen liegenden Kerne. Relativ leichte Hohlkörperdecken überspannen eine Distanz von 12,00 m – im Beton sind luftgefüllte Kugeln eingebettet, die das Gewicht weiter reduzieren.

Die gerundete Form des Gebäudes wirkt sich nach Angaben der Architekten günstig auf die Umfassungsfläche aus: Diese sei um 7% kleiner als bei einer rechteckigen Variante. Mit einem Verglasungsanteil von etwa 32% lassen sich die Räume natürlich belichten, wobei das Tageslicht wegen fehlender Stürze und Unterzüge tief in die Räume eindringen kann. Tageslichtlamellen in den Jalousien sorgen für blendfreie Helligkeit; auch eine natürliche Belüftung ist möglich. Über die Betonkernaktivierung der sichtbaren Decken werden Spitzenlasten im Hinblick auf Wärme und Kälte reduziert.

Sämtliche Installationen wie die Rohre für das Sprinklersystem und die Zuluft sind in aufgeständerten Fußböden untergebracht. Die Luftzufuhr erfolgt über den Boden, die Abluft wird durch vertikale Schächte in den Servicekernen abgeführt. Eine geothermische Anlage unterstützt die Kühlung und Heizung des Gebäudes.

Während die Gebäudehülle aus ebenen und gekrümmten Flächen besteht, weisen die Fensterbänder eine Sonderform auf: Im Horizontalschnitt betrachtet, besitzen sie eine sägezahnartige Struktur, in der sich Festverglasungen mit außen liegendem Sonnenschutz und öffenbare Sandwichpaneele abwechseln. Die Lüftungselemente sind so angeordnet, dass sie vor direktem Sonnenlicht geschützt bleiben. Auf diese Weise gelangt überwiegend kühle Luft ins Gebäude.

Das ZVE wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem Zertifikat Gold ausgezeichnet. Ob die Fassade aus Aluminium wirklich als nachhaltig zu bezeichnen ist, lässt sich allerdings hinterfragen. -cr

Objektinformationen

Architekten: UN Studio, Amsterdam mit AS Plan, Kaiserslautern
Projektbeteiligte: Ben van Berkel, Harm Wassink mit Florian Heinzelmann, Tobias Wallisser, Marc Herschel, Kristoph Nowak und Christiane Reuther, Aleksandra Apolinarska, Marc Hoppermann, Moritz Reichartz, Norman Hack, Marcin Koltunski, Peter Irmscher (Team UN Studio); Horst Ermel, Leopold Horinek, Lutz Weber, Stefan Hausladen, Jürgen Bär, Gunawan Bestari, Joachim Deis, Bernd Hasse, Marlene Hertzler, Michael Kapouranis, Vladislav Litz, Thomas Thrun (Team AS Plan); BKSI, Stuttgart (Statik); Rentschler und Riedesser, Filderstadt (Gebäudetechnik); Gänssle + Hehr,  Esslingen (Landschaftsarchitektur); Brüssau Bauphysik, Fellbach (Akustik- und Energieplanung); Halfkann + Kirchner, Stuttgart (Brandschutz)
Bauherr: Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung angewandter Forschung, München
Fertigstellung: 2012
Standort: Fraunhofer Campus, Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Bildnachweis: Christian Richters, Berlin

Objektstandort

Nobelstrasse 12
70569 Stuttgart

Artikel zum Thema

Gebäude mit Betonkernaktivierung in der Decke: Gebhard-Müller-Schule in Biberach von der Projektgemeinschaft Elwert Stottele Rädle aus Ravensburg

Konstruktionen/​Elemente

Bauteilaktivierung

Als thermische Bauteilaktivierung, oder auch Betonkerntemperierung (BKT), werden Heiz- oder Kühlsysteme bezeichnet, bei denen...

Nachweise/​Zertifikate

DGNB: Deutsches Nachhaltigkeitszertifikat

Seit Januar 2009 gibt es in Deutschland die Auszeichnung für die Nachhaltigkeit von Bauwerken. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des...

Sonnenschutzelemente sorgen für Lichtmuster im Wohnhaus in Stuttgart (Architekten Blocher Blocher Partners, Stuttgart)

Planungsgrundlagen

Licht und Behaglichkeit

Unser Helligkeitseindruck hängt von der Beleuchtungsstärke und den Reflektionen der angestrahlten Gegenstände ab. Eine gute...

Einführung

Was bedeutet nachhaltiges Bauen?

Die Ziele des nachhaltigen Bauens liegen in der Minimierung des Verbrauchs von Energie und Ressourcen. Berücksichtigt werden dabei...

Zum Seitenanfang

So sehen zukunftsfähige Bürogebäude aus

Büro

Bürogebäude Energybase in Wien

Solar optimiertes Passivhaus

Für die Planung und Realisierung arbeiteten Forscherteams aus sechs verschiedenen Instituten zusammen

Büro

House of Natural Resources auf dem Campus Hönggerberg der ETH Zürich

Bürogebäude als Praxistest diverser Forschungsprojekte

Teilansicht Nordost mit Eingang: Die Fassade ist weitgehend mit unbehandeltem Holz bekleidet

Büro

Gemeindezentrum in Zwevegem

Licht und Luft für ein Bürogebäude der 1960er-Jahre

Die Fassade aus Recyclingmetall lässt zunächst nicht auf einen Holzbau schließen

Büro

Life Cycle Tower One in Dornbirn

Modulare Holz-Hybridbauweise

Blick von der Kreuzung Allmandring/Nobelstraße

Büro

Zentrum für Virtuelles Engineering (ZVE) in Stuttgart

Forschungs- und Bürogebäude mit DGNB-Auszeichnung in Gold

Hinter den farbigen Sonnenschutzelementen sind die Feuchtbiotope und die Glasfassade kaum zu sehen

Büro

Pixel Building in Melbourne

Regenwassernutzung, Grauwasserfilterung, Windturbinen und Biogas

1 Bligh Büroturm in Sydney

Büro

Büroturm 1 Bligh in Sydney

Green Star für das ökologische Konzept eines gläsernen Hochhauses

Frontalansicht

Büro

Deutsche Börse in Eschborn

LEED-Zertifikat Platin für deutsches Hochhaus

Das Bürogebäude wird über die Fahrrad- und Fußgeherbrücke Winzersteig erschlossen

Büro

Bürogebäude Rivergate in Wien

Reduzierter Primärenergiebedarf und schonender Umgang mit Ressourcen

Eine breite Holztreppe mit Sitzstufen führt ins kommunikative Zentrum des historischen Gebäudes (Nutzung durch Vic Urban)

Büro

Bürogebäude Goods Shed North in Melbourne

Green Star für ein denkmalgeschütztes Gebäude

Großzügige Fensterflächen, Betonbänder und Ziegel prägen die Fassade

Büro

Umbau eines Hofgebäudes in Zürich

Innenausbau mit Lehm

Der Büroneubau wirkt als Kopf eines neu entstandenen Ensembles aus Wohn- und Verwaltungsgebäuden

Büro

Bürogebäude LTD­ 1 in Hamburg

1. Gebäude in Hamburg mit Gütesiegel für nachhaltiges Bauen in Gold

Ansicht Verwaltungsneubau auf dem Werksgelände

Büro

Verwaltungsgebäude in Weinheim

Auszeichnung mit dem Gütesiegel Nachhaltiges Bauen in Silber

Das sanierte Gebäude fällt durch seine transluzente Fassade auf

Büro

Sanierung des Betriebs- und Verwaltungsgebäudes der Remscheider Entsorgungsbetriebe

40% geringere Investitionskosten als für einen Neubau

Blick auf den Neubau

Büro

Neues Regionshaus in Hannover

Ausgezeichnet mit dem DGNB-Gütesiegel in Gold

Die Firmenzentrale hat einen prestigeträchtigen Standort

Büro

Firmenzentrale in Hamburg

Licht spielt die zentrale Rolle

Das Architekturbüro nutzt eine ehemalige Werkhalle als Büro

Büro

Wiederbelebung einer alten Werkhalle in Amsterdam

Nachhaltige Umnutzung für ein Architekturbüro

Die großzügige Glasfassade schafft eine enge Verbindung zum grünen Hof

Büro

Bürogebäude in Heidenau bei Dresden

Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen in Bronze

Nachtansicht des Verwaltungsgebäudes mit Haupteingang

Büro

Verwaltungszentrale in Konstanz

Integrales Zusammenspiel ökologisch nachhaltiger Elemente

Die Treppe zur Beletage, bedeckt vom Teppich mit Schafherde

Büro

Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin

Heizen mit Abwärme der Server

Büro

Umweltbundesamt in Dessau

Modellprojekt ökologischen Bauens

Büro

Niedrigenergiehaus in Koblenz

Verzicht auf fossile Brennstoffe

Luftbild der Anlage

Büro

Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde

Potenziale passiver Klimatisierung genutzt

Glaslamellen als Sonnenschutz und zur Tageslichtoptimierung

Büro

Forum Chriesbach in Dübendorf

Maßstäbe in der Entwicklung des nachhaltigen Bauens

Das Etrium ist eines der ersten Bürobauten, das mit dem Deutschen Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen ausgezeichnet wurde

Büro

Firmenzentrale Etrium in Köln

Ausgezeichnetes Energiekonzept

Neue Seiten, neue Tools

Der Dämmstoff-Spezialist ROCKWOOL hat seine Webseiten neu gestaltet

Partner