Umbau und Aufstockung: Palais Oppenheim in Köln
Lamellenfassade statt Mansarddach
Nein, das Palais Oppenheim war nicht das Anwesen der Surrealistin Meret Oppenheim. Tatsächlich stammt das Haus bereits aus dem Jahr 1908 und war im Auftrag des Bankiers Emil Freiherr von Oppenheim errichtet worden. Nach Plänen von Renner Hainke Wirth Zirn Architekten (RHWZ) wurde die Villa umfassend saniert, umgebaut und aufgestockt. 2021, nach fast zwölf Jahren Planungs- und Bauzeit, war das Projekt abgeschlossen.
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Der Neorokoko-Bau samt kleinem Park und Rheinterrasse steht inmitten einer Villenkolonie und ist ein Entwurf des Pariser Architekten Charles Frédric Mewés. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Palais von den Nationalsozialisten konfisziert und zum NSDAP-Kreishaus umgenutzt. 1956 zog der ADAC ein, 1982 das Rheinische Studieninstitut für kommunale Verwaltung. 2009 übernahm schließlich ein Immobilienentwickler die Villa und plante einen Umbau – zunächst zum Bürostandort, später zu einem luxuriösen Mehrfamilienhaus.
Im umgebenden Park wurden die Bürogebäude aus den 1960er und 1970er Jahren durch zwei keilförmige Wohnbauten ersetzt, die das Grundstück heute rückwärtig abschließen. Obwohl RHWZ zunächst einen Wettbewerb für die Neugestaltung von Park und Bestand und für die Neubauten gewonnen hatten, wurde das Büro letztlich nur mit Umbau und Aufstockung des Palais beauftragt.
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Wohnen über der Beletage
Der historische Haupteingang befindet sich auf der dem Fluss abgewandten Seite. Zwischen den beiden Neubauten gelangt man erst in den umgebenden Park und trifft dort auf einen Portikus mit vier Säulen. Im dahinterliegenden Foyer führen zwei geschwungene Treppen in die sogenannte Beletage (Bel Etáge), dem repräsentativen Geschoss. Den großen Zentralsaal flankieren beidseitig zwei kleinere Säle, von denen einer ein Treppenhaus beherbergt. Zum Fluss hin folgt ein aus der Fassade vorspringender ovaler Rundsaal, an den links und rechts zwei weitere Säle anschließen. Dadurch erhält das Palais zum Ufer eine breite, reich befensterte Front, der zudem eine großzügige Terrasse vorgelagert ist.
In dem Geschoss über der Beletage sowie in der zweigeschossigen Aufstockung befinden sich insgesamt neun Wohnungen. Sie legen sich um den Luftraum über dem Zentralsaal, der mit einem Glasdach überdeckt als Lichthof fungiert. Zwei weitere Wohnungen befinden sich unter der Beletage, sprich im Erdgeschoss. Hier wurden außerdem Technik- und Kellerräume untergebracht sowie eine Fahrradgarage. Daneben, an der Nordwestfassade, befindet sich das besagte Treppenhaus mit einem Aufzug. Der zugehörige zweite Hauseingang ist von außen an einem freistehenden Glasdach zu erkennen.
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Fassade: Reparatur des Bestands
Die Außenwände des Palais sind als zweischaliges Mauerwerk ausgebildet, mit einem Kalkstein als äußere Schale. Es handelt sich dabei um Savonnières, benannt nach dem entsprechenden Steinbruch in Lothringen. Hell und mit kleinen Kügelchen gespickt – im Fachjargon oolithisch – nennt man ihn umgangssprachlich auch Schaumkalk. Er ist relativ leicht zu bearbeiten, aber aufgrund seiner Porosität auch anfällig für Verwitterung. Im unteren Fassadenbereich hatten zudem Granatsplitter und Einschüsse den Naturstein beschädigt. An zahlreichen Stellen wurde ausgebessert und repariert und die Fassade dann mit einer Lasur und einem abschließenden Anstrich harmonisiert.
Aufstockung: Licht, aber auch Schatten
Die Aufstockung ist anhand der umlaufenden Horizontallamellen gut zu erkennen, die die Form des historischen Mansarddachs nachbilden. Sie beginnt mit einer Fuge über den Natursteinbalustraden des Bestands. Gegenüber dem früheren Dach wurde knapp ein Meter Höhe gewonnen, sodass zwei Geschosse mit je drei Wohnungen von 110 bis 220 m2 Nutzfläche Platz fanden. Hinter den Lamellen befindet sich die eigentliche thermische Hülle, eine durchgehend verglaste Pfosten-Riegel-Fassade mit schlanken Holz-Aluminium-Profilen. Sie ist leicht zurückversetzt, sodass der entstehende Zwischenraum für eine umlaufende Dachterrasse bzw. Balkone ausreicht. Den oberen Abschluss bildet ein hellgraues Attikaband, hinter dem sich die Dachrinne und ein flachgeneigtes Blechdach verbergen.
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Die durchgängige Verglasung inklusive Ganzglasbrüstungen an den Balkonen schenkt den Wohnungen einen Ausblick auf den Dom, den Park oder die Severinsbrücke – erforderte aber zugleich einen ausgeklügelten Sonnenschutz. Zudem sollte die Form des alten Mansarddachs erkennbar sein. Abstände und Dimensionen der hängenden Lamellenfassade sind entsprechend so gewählt, dass sie möglichst geschlossen und nicht wie ein Gerippe erscheint.
Die Lamellen sind sechzig Zentimeter tief, der vertikale Abstand zwischen ihnen beträgt fünfzig Zentimeter. Ein Mensch passt aufrecht nicht hindurch, sodass zum Park hin drei gerahmte Rettungssausstiege die Fassade unterbrechen. Im Schnitt ähneln die Lamellen ein Flugzeugtragflächen: Ihre Vorderkante ist leicht nach unten gekrümmt und hält so die hochstehende Sonne ab. Gefüllt mit Schalldämmmatten und unterseitig perforiert, dämpfen sie außerdem den Lärm der vorbeiziehenden Autos, Straßenbahnen und Schiffe. Die Tragprofile sind alle drei Meter angeordnet.
Die Pfosten-Riegel-Fassade erhielt ebenfalls einen Sonnenschutz. Zum Einsatz kam der Metallbehang s_enn des Herstellers MHZ. Die Mikro-Lamellen verlaufen außen, vor der Glasebene – durch einen Öffnungsanteil von circa 21 % bleibt der Ausblick aber dennoch erhalten. Dank des kleinen Wickeldurchmessers ließ sich die Anlage unter den Balkonen bzw. hinter dem Attikaband des Metalldachs verstecken.
Bautafel
Architektur: Charles Frédric Mewès und Alfons Bischoff (Bestand 1908); RENNER HAINKE WIRTH ZIRN ARCHITEKTEN, Hamburg (Umbau 2021)
Projektbeteiligte: IDK Kleinjohann, Köln (Statik); Zech Bau, Frankfurt (Generalunternehmer); Forschung am Bau GbR, Köln (Historisches Gutachten); Thomas Lehmkuhl, Köln (Restaurator); Leding Hoch- und Tiefbau, Dormagen (Maurerarbeiten); Denkmalpflege Schorn, Köln (Sanierung der Natursteinfassade); Leonh. Hanbuch & Söhne, Mannheim (Sanierung der Natursteinfassade); Malerbetrieb Hepp, Lambrecht (Fassadenbeschichtung); Krebbers, Krefeld (Fassade Aufstockung); Jaeger Ausbau, Dortmund (Putzarbeiten); Heckenkamp & Epe Malerwerkstätten, Köln (Malerarbeiten); Stromberg Oberflächentechnik, Duisburg (Malerarbeiten); Fußboden Sauer, Weilburg (Estrich- und Parkettarbeiten); Colt International, Kleve (Hersteller Lamellenfassade); MHZ, Leinfelden-Echterdingen (Hersteller Metallbehang s_enn)
Bauherr*in: die developer, Düsseldorf
Fertigstellung: 2021
Standort: Gustav-Heinemann-Ufer 136-138, 50968 Köln
Bildnachweis: Jochen Stüber (Fotos); RENNER HAINKE WIRTH ZIRN ARCHITEKTEN (Pläne)
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