Komplexe Fassadengeometrie
Einrüstung eines Wohn-Hochhauses in München
Wer mit der Bahn nach München reist, kommt an so mancher außergewöhnlichen Fassadengestaltung des Architekturbüros allmannwappner vorbei. So sind etwa die markanten weißen Erker der Wohnhäuser Friends an der Friedenheimer Brücke ein bekannter Blickfang. Nun kann sich in die Reihe erhoffter Landmarken ein weiteres Bauwerk des Büros einreihen, diesmal wieder an einer Bahnlinie gelegen: Die Meiller-Gärten gehören zu einem privaten Investitionsprojekt des Familienunternehmens F. X. Meiller Fahrzeug- und Maschinenfabrik. Dieses will auf seinem ehemaligen Firmen- und Produktionsgelände in der Nähe des Moosacher Bahnhofs im Westen von München ein Wohnquartier errichten. 580 Wohnungen, und damit weniger als die Hälfte des potentiellen Volumens, sind bereits realisiert.
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Hochpunkt mit Sockelbau
80 Wohnungen entfallen auf das markante Projekt
Meillenstein, das als Eingang in das Quartier fungiert. Elf
Geschosse beziehungsweise 35,5 Meter ragt der Hochpunkt mit der
getreppten Schauseite in die Höhe, seitlich schließt ein
viergeschossiger Sockelbau an. Während der niedrige Gebäudeteil
nach Norden zur Untermenzinger Straße hin und nach Süden eine
bündige Fassadenfläche aufweist, löst sich die Fassade des
Hochhauses in einem charakteristischen Zickzack-Muster auf. Dabei
wechseln sich Erker und Balkone in einer komplex verschachtelten,
kleinteiligen Struktur ab.
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Um das Gebäude errichten zu können, entstand eine zur Fassadengeometrie passgenaue Gerüstlösung. Dabei konnten die Ingenieur*innen von Peri gemeinsam mit dem in der Region angesiedelten Unternehmen Schäfer Gerüstbau sowie der bauausführenden Firma Josef Hebel ein Konzept auf Basis des Baukastensystems Peri Up anwenden. Die in Summe laut Hersteller wirtschaftliche Lösung schloss sowohl die Rohbauerstellung als auch die Hilfskonstruktion für die folgenden Ausbaugewerke ein.
An die Fassadengeometrie geschmiegt
Trotz scheinbar regelmäßiger Gliederung sind die Vor- und Rücksprünge pro Geschoss unterschiedlich angeordnet, um eine gewisse Rotationswirkung zu erzeugen. Dies stellte die Ausführenden vor Herausforderungen sowohl in der Fachplanung als auch in der Gerüstmontage. Das Fassadengerüst basiert auf einem 1,00 x 1,00 Meter großen Raster, das mit 2 und 3 Meter Feldlängen sowie 33 Zentimeter breiten Innenkonsolen kombiniert wurde. Dadurch konnte sich die in zwei Lagen vorlaufend montierte Konstruktion eng an die komplexe Bauwerksgeometrie anschmiegen. Das rund 40 Meter hohe Gerüst wurde nach der erfolgreichen Rohbauerrichtung im Zuge der Fertigstellung der Fassade von oben nach unten sukzessive rückgebaut.
Metrisches System mit vielen Richtungswechseln
Die komplexe Einrüstung ließ sich auch ohne Modulgerüst realisieren. Hierbei half laut
Hersteller die modulare Stielbauweise des Peri-Up-Fassadengerüsts,
das über einen sogenannten Easy Stiel verfügt. Der in den
Stiel integrierte Gerüstknoten erlaubt in Verbindung mit dem
metrischen Systemraster die flexible Anpassung an die
außergewöhnliche Kubatur. Dies soll weitestgehend auch ohne
Rohr-Kupplungsarbeiten möglich sein. Beim Münchner Projekt waren
die Gerüstbeläge teilweise schachbrettartig angeordnet, was durch
den im System möglichen Richtungswechsel der Beläge bedingt war.
Auch die zahlreichen Innen- und Außenecken ließen sich trotz
Innenkonsolen mithilfe von standardisierten Systembauteilen
ausbilden. Neben einem reduzierten Montageaufwand führt der
Hersteller eine sichere Arbeitsumgebung mit stolperfreien
Belagsebenen als Vorteile der Lösung auf.
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Um die markante Fassade zu errichten, kamen rund 300 Tonnen Gerüstmaterial zum Einsatz. Dazu gehören mehr als 10.000 Gerüstbeläge mit 33 Zentimetern Breite und einem Meter Länge, also 650 Einzelstücke je Gerüstlage. Die Wiederverwendung der kurzen Beläge samt Horizontalriegel ist bereits für Folgeprojekte eingeplant, da sie insbesondere bei Traggerüstlösungen universell nutzbar sind. Am Eingangsbau zu den Münchner Meiller-Gärten wird sich die außergewöhnliche Konstruktion nun bald wieder verändern: Eine umfassende Fassadenbegrünung legt sich im Lauf der Zeit über die weiße, verschachtelte Gebäudehülle.
