Wohnhaus in Pavilosta
Archetyp mit Schwung
Nahe der Ostseeküste entwarfen MADE arhitekti ein Wohnhaus, dessen Konturen von Wind und Meer geformt scheinen. Als sei das traditionelle Langhaus passend in die Kurve gebogen, welche das Grundstück zur Straße hin begrenzt. Der Neubau aus Holz mit geschwungenem Schieferdach erweitert ein bestehendes Anwesen mit verschieden langen, archetypischen Häusern. Die Anlage befindet sich in Pavilosta ganz im Westen von Lettland – der Strand ist fußläufig erreichbar.
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Archetyp mit Schwung
Mit einem großen Wohnbereich und vier Schlafräumen ist das Gebäude für Gäste, gemeinsames Essen, Feiern und andere Zusammenkünfte gedacht. In Form und Materialität zeigt die schlichte Architektur eine traditionelle Ausdrucksweise. Die schwungvoll abgeschrägte 90°-Wendung verleiht ihr eine zeitgemäße Ausprägung, ebenso wie die Fenster – teils kreisrunde Öffnungen – und Verglasungen in minimierten Rahmen. Das Gebäude fügt sich sowohl in den örtlichen Kontext als auch in die weite Landschaft selbstverständlich ein, in der lediglich Dünen den Blick begrenzen.
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Licht und Luft im Gemeinschaftsraum
Der nach Norden weisende, breitere und kürzere Gebäudeflügel umfasst den Wohnraum mit angegliederter Küche. Eine breite Glasfront markiert den Hauseingang in der gerundeten Außenwand und ist durch Lager- bzw. Abstellräume flankiert. Wer das Gebäude betritt, steht im Gemeinschaftsbereich, der sich über zehn Meter breite und raumhohe Glasschiebeelemente zu Terrasse und Garten hin öffnet.
Die Schlafräume im westlichen Gebäudeflügel sind paarweise organisiert, sodass jeweils zwei von ihnen einen Eingangsbereich teilen. Zwischen den Gästezimmern sind schmale Bäder als Pufferzone angeordnet. Eine verglaste Fenstertür führt straßenseitig ins Freie.
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Gewundenes Dach mit Altdeutscher Schieferdeckung
Das Dach wandelt sich in der Ausformung der Kurve vom Satteldach zum Pultdach (s.a. Lageplan Abb. 26). Der parallel zur Straße positionierte Gebäudeflügel hat ein Satteldach mit 30°-Neigung. Über dem Wohnbereich ist das Pultdach schließlich um etwa 20° geneigt. Weil Dachdeckung und Traufhöhe umlaufend fortgeführt werden und sich die Firstlinie nach außen verlagert, ist die Ostfassade im oberen Bereich mit Schiefer gedeckt – hier wird die Dachschräge zur Vertikalen.
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Wind- und wetterfester Naturstein in vielen Formaten
Die Schieferdeckung bewirkt ein einheitliches Gesamtbild, die silbergrauen Nuancen des Natursteins bilden einen angenehmen Kontrast zu der vorvergrauten Holzlattung der Fassade. Es handelt sich um eine Altdeutsche Schieferdeckung mit Decksteinen von hoher Qualität, die langfristig wind- und wetterbeständig bleiben. Die Formate variieren bei dieser handwerklich anspruchsvollen Deckart; teilweise werden die Schiefer an Ort und Stelle passend behauen. Grundsätzlich sind die Decksteine entlang der Traufe, wo viel mehr Regenwasser ankommt, größer als am First.
Die Schiefer sind auf einer Holzschalung vernagelt, oberhalb einer Lattung mit Konterlattung, welche die Hinterlüftung herstellen. Eine robuste, 1,5 cm starke, nahtselbstklebende Bitumenbahn dient als Unterdeck- bzw. Unterdachbahn. Sie ist nicht diffusionsoffen. Als Trägerlage dient ein Kunststofffaservlies auf der Ober- und Unterseite. -us
Bautafel
Architektur: MADE arhitekti, Riga
Projektbeteiligte: Mikelis Putrams, Linda Krumina, Mara Starka, Krists Lukins (Projektteam Architekturbüro); SIA Dach, Kaspars Celms, Riga (Dachdeckerbetrieb); Bauder, Stuttgart (Bitumen-Unterdachbahn Bauder Top UDS 1,5)
Bauherr/in: privat
Standort: Pavilosta, Lettland
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Janis Veveris
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