LKR Innovation House in Østbirk

Transformation statt Abriss

Im dänischen Østbirk verwandelte das Team von Praksis Arkitekter ein altes Lagerhaus in ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Mit dem 2025 fertiggestellten LKR Innovation House möchte der Fensterhersteller Velux ein Statement für nachhaltiges Bauen setzen. Das Akronym steht für Lars Kann-Rasmussen, den Sohn des Firmengründers. Er hatte die dreischiffige Holzhalle 1995 errichten lassen. 

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Statt das Gebäude nach 25 Jahren abzureißen, schrieb das Unternehmen einen Wettbewerb zur Transformation aus. Praksis Arkitekter überzeugte die Bauherrschaft insbesondere durch zwei architektonische Charakteristika: Zum einen fügten sie zwei große begrünte Innenhöfe in das mittlere Hallenschiff ein, zum anderen entwarfen sie eine Dachlandschaft aus hunderten von Fenstern für viel Tageslicht im Innenraum. In dem 14.000 Quadratmeter großen Innovationszentrum befinden sich nun Büros, Werkstätten, Testzentren und Labore. Nun entwickeln hier rund 500 Mitarbeitende neue Produkte für den Fensterhersteller.

Beim Eintreten in das im Osten gelegene Foyer fällt gleich einer der begrünten Innenhöfe ins Auge, dessen  großflächig verglaste Fassaden einen Ausblick in weite Teile des Gebäudes ermöglichen. Das Foyer dient als dynamische Fläche, zum Beispiel für Ausstellungen oder als Showroom, und bietet eine direkte Verbindung zu den Werkstätten, den Büroräumen und dem Auditorium. Die Werkstätten liegen im südlichen Hallenschiff, wo die Lieferzone angeordnet ist. Die meisten Büroräume befinden sich im nördlichen Hallenschiff.

Weitere Arbeitsplätze sind in Nischen und kleinen Zonen sowie in offenen Bereichen des Gebäudes zu finden. Bewegt man sich vom Eingang aus zweimal nach rechts, kommt man zum Forum – einem Schauplatz für Veranstaltungen, Vorträge und Konferenzen. Im Zentrum des Hauses, umgeben von den begrünten Innenhöfen, liegt die Kantine. Im Westen befinden sich die Forschungseinrichtungen.

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Ressourcenschonung und reduzierter CO₂-Fußabdruck

Die Projektbeteiligten hatten den Anspruch, möglichst viele Bestandmaterialien wiederzuverwenden. Auf diese Weise ließen sich 4.476 Tonnen Baumaterial einsparen. Der CO₂-Fußabdruck des Gebäudes erreicht einen Wert von nur 4,6 kg COe/m2/Jahr. Damit liegt es deutlich unter den derzeitigen dänischen Vorschriften für Bürogebäude und unterbietet zudem den ab 2029 geltenden Grenzwert von 6,1 kg COe/m2/Jahr.

Weitgehend erhalten blieben etwa die tragenden Brettschichtholzrahmen und -pfetten der flachen Satteldächer. Teile der Holzkonstruktion wurden für die neuen Innenhöfe entfernt und erhielten ein zweites Leben als Möbel oder beim Bau von Nebengebäuden. Die Holzfassade wurde vorsichtig demontiert, um die Außenwände nachträglich zu dämmen. Anschließend brachte man das ursprüngliche Fassadenholz wieder an. Die Beton-Bodenplatte blieb komplett erhalten, andere alten Betonteile wurden für neue Wände genutzt. Alte Betonreste verarbeitete man zu Pflastersteinen und Außenmöbeln für die Innenhöfe und Außenanlagen. Neu erstellen musste man jedoch die Aufzugschächte, um den statischen Anforderungen zu genügen.

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Thermische Optimierung und Dämmung

Ziel war es, Kategorie 2 nach EN 16798: Energetische Bewertung von Gebäuden zu erreichen. Das bedeutet, dass sich die Innentemperatur innerhalb eines gemäß der europäischen Norm definierten Komfortbereichs bewegt. Um das gewünschte Raumklima zu erreichen, war die thermische Ertüchtigung der Gebäudehülle durch Dämmung und neue, steuerbare Fenster von entscheidender Bedeutung.

Die Außenwände wurden nach Demontage der Holzfassade mit Mineralwolle, Glaswolle, Holzfaserdämmung und Hanffaser-Dämmmatten ausgefacht. Im Anschluss brachte man die alte Wetterschale wieder an, sodass der Charakter des Gebäudes bewahrt blieb. Bei der Dämmung der Dachkonstruktion verwendete man Mineralwolle und Hanf, während bei der Bodenplatte EPS- und XPS-Dämmung, Mineralwolle und Schaumglas zum Einsatz kamen. Insgesamt zeigen die U-Werte der Gebäudehülle eine deutliche Verbesserung: So haben die Dächer nun einen U-Wert von 0,17  W/m2K und die Außenwände von 0,19 W/m2K. Die Fenster liegen bei 0,8 bis 1,4 W/m2K.

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Tageslicht und Wärmeschutz durchs Fenster

Der Erfolg des Unternehmens basiert auf einem Dachfenster mit Kippfunktion, das Firmengründer Villum Kann Rasmussen 1941 für Schulen entwickelte, um die Nutzung des Dachbodens als Klassenraum zu ermöglichen. Entsprechend spielen auch beim Innovationszentrum Fenster eine wichtige Rolle. Mehr als 400 dreifachverglaste Dachfenster verteilen sich über die Dachflächen, darunter elektrisch betriebene Schwingfenster, modulare Oberlichtbänder und Flachdachfenster. Das sorgt nicht nur für viel Tageslicht im Innern, sondern dient auch der Produktpräsentation.

Zusätzlich sind die Dachfenster ein zentrales Element des Klimakonzepts: Das Gebäude verfügt über ein intelligentes natürliches Belüftungssystem, das die Fenster über 400 zentral und zonengesteuerte Kettenantriebe bewegt. Das Innenraumklima wird über diese dynamische Steuerung und die außenliegenden Hitzeschutz-Markisen sowie innenliegende Rollos reguliert. Die Fensteranordnung ermöglicht eine automatisierte Querlüftung, die die thermische Last reduziert und den Bedarf an mechanischer Kühlung minimiert.

Für den sommerlichen Hitzeschutz sind alle Fenster mit automatisierten außenliegenden Hitzeschutz-Markisen ausgestattet. Die elektrische Steuerung der Fenster ermöglicht zudem eine automatische Nachtlüftung. Hierfür öffnet das System die Fenster in den Nachtstunden, um die Gebäudemasse zu kühlen. Das reduziert deutlich den Bedarf an mechanischer Klimatisierung am Tag. Für winterlichen Wärmeschutz sorgen neben der Dämmung die Dreifachverglasung der Fenster, die die Transmissionswärmeverluste minimiert. Auf diese Weise werden durch die Kombination dieser Elemente die Betriebskosten und der Energiebedarf für Heizung, Kühlung und künstliche Beleuchtung signifikant gesenkt.

Bautafel

Architektur: Praksis Arkitekter, Svendborg (Dänemark)
Projektbeteiligte: Søren Jensen Rådgivende Ingeniørfirma (Tragwerksplanung und & HKL-Planung); BRIQ (Innenarchitektur); Det Blå Landskab (Landschaftsarchitektur); Oculight Dynamics (Tageslichtplanung); KG Hansen & Sønner (Generalübernehmer)
Bauherr*in: VELUX Gruppe
Standort: Ryvej 37, 8752 Østbirk, Dänemark
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Velux / Adam Mørk (Fotos); Praksis Arkitekter (Pläne)

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Das LKR Innovation House entstand aus einer ehemaligen Lagerhalle aus Holz.

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Büromitarbeiter und Besucher gelangen vom Parkplatz aus kommend das Foyer im Verwaltungsbau über den östlich gelegenen Vorplatz

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Die vorgehängte Fassade besteht aus einem speziell entwickelten Mineralkunststoff

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Das Rathaus nach der Sanierung mit neuer energieoptimierter Fassade und vorgehängten Aluminiumkassetten (Südostansicht Hauptgebäude, Teil A)

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