Institutsgebäude 0505 der TU München

Fassadensanierung mit wellenförmiger Vormauerschale aus dunklem Klinker

Gallerie

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Alten Pinakothek hat die Technische Universität München seit ihrer Gründung 1868 ihren Stammsitz. Nach erheblichen Kriegszerstörungen der ursprünglichen Neorenaissance-Gebäude, nach Wiederaufbau, Um- und Neubau und Expansion der Hochschule auch an wichtige weitere Standorte ist die Bebauung des Stammgeländes heute recht heterogen. In einem L-förmigen Gebäude aus dem Jahr 1963 an der Luisen-, Ecke Theresienstraße, damals entworfen von dem  Münchner TU-Professor für Hochbaukonstruktion Franz Hart, war hier seitdem das Institut für Maschinenwesen ansässig. Inzwischen entsprach der Sichtbetonbau mit vorgehängter Fertigteilfassade im Hinblick auf Energieverbrauch und Brandschutzauflagen den heutigen Anforderungen längst nicht mehr und sollte grundlegend saniert werden. Den 2007 ausgelobten Wettbewerb entschied das Münchner Büro Hild und K für sich.

Die sichtbarste und stadträumlich wirksamste Sanierungsmaßnahme ist die neue Außenhaut des Gebäudes. Die Architekten ersetzten die vorgehängten Betonfertigteile durch eine Vormauerschale aus titangrauem Klinker, der farblich und strukturell sowohl die Nähe zu den benachbarten Sichtmauerwerksbauten der 1960er- und 70er Jahre sucht, als auch zu den neueren Aluminiumfassaden. Die Beziehung zum Bestandsgebäude ist damit auch weniger im konkreten Material zu finden, als vielmehr in der jeweils spezifischen Konstruktion. Dabei gilt zunächst: Vorgehängt ist vorgehängt  – ob ehedem Beton oder jetzt Klinker als hinterlüftete Vormauerschale. Im Detail aber bezieht sich der wellenförmige Verlauf der neuen Fassade sehr wohl auf die konstruktiven Eigenarten des Bestandsbaus, dessen große ebenerdige Halle außen vorgelagerte Pfeiler hat und ein eingestelltes Stahlbetongitter, während das Stahlbetongerüst der drei darüberliegenden Geschosse leicht hinter der Baulinie zurückbleibt.

Die Fassade gliedert sich nun in ein Relief aus gebäudehohen Pfeilern im gleichmäßigen Achsmaß der vorhandenen Stützen. Dazwischen sind in einer leicht zurückliegenden Ebene flächenbündig Fenster mit massiven Brüstungen gesetzt. Die Pfeiler schwingen – als Reaktion auf die bestehende Stahlbetonkonstruktion – ab dem 2. Obergeschoss leicht zurück, um ganz oben an der Attika schließlich in der Wandebene glatt auszulaufen. Ganz im Sinne einer Wellenformation bewegen sich die Pfeiler zueinander versetzt und in gewissem Rahmen frei und erzeugen ein recht lebhaftes Schattenspiel auf der eigentlich streng rhythmisierten Fassade.

In einem zweiten Bauabschnitt haben die Architekten auch den vormals zurückgesetzten Haupteingang an der Ecke Luisen- und Theresienstraße saniert und an die vordere Baulinie verlegt. Er mündet jetzt in einen haushohen Luftraum, der durch farbige, aus dem Bestand übernommene Glasbilder inszeniert wird.

Im Inneren der Gebäude wurde der sanierungsbedürftige Bestand bis auf die prägnante Stahlbetonkonstruktion zurückgebaut, das frei gelegte Skelett gesandstrahlt und partiell ausgebessert. Nach dem Abschluss der Sanierung ist in das Institutsgebäude die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften eingezogen.
 
Mauerwerk
Die neue Vormauerschale aus Klinker betont durch das wellenförmige Relief die konstruktive Eigenart des Bestandbaus und erfüllt mit Hinterlüftung und Dämmschicht gleichzeitig den hohen, heute an einen Neubau gestellten Wärmedämmstandard. Der Ziegelhersteller hat für das Projekt einen speziellen Vormauerziegel in Titangrau mit mattglänzender Glasur und metallisch schimmernder Oberfläche entwickelt und in einem flachen Sonderformat von 240 x 115 x 40 mm produziert.

Die Außenschale wurde traditionell vor Ort in einem regelmäßigen Läuferverband mit Halbstein-Überdeckung bei den Pfeilern und mit Viertelstein-Überdeckung im Bereich der Fensterbrüstungen gemauert. Der unterschiedliche Wellenverlauf der insgesamt fast 60 Pfeiler ist auf vier unregelmäßig wiederholte Typen reduziert und wurde von den Handwerkern freihändig ohne Schablonen hergestellt. Sie steht vor einer 90 mm dicken Luftschicht und einer 160 mm Wärmedämmung aus Mineralwolle vor der ebenfalls 160 mm dicken Stahlbetonwand, woran sie auf Abfangkonsolen mit Edelstahlankern befestigt ist. Die Hinterlüftung erhält ihre Zuluft hier nicht über offene Stoßfugen, sondern über vorgefertigte Lüftungssteine aus Beton, die im unteren Bereich in die Fassade integriert sind. Oben tritt die Luft hinter der Attika wieder aus.

Im Inneren wurde in den Fluren das Mauerwerk aus Kalksandsteinen unverputzt belassen und nur gestrichen; in den Büros hingegen glatt verputzt.

Objektinformationen

Architekten: Hild und K Architekten, München (Sanierung); Franz Hart und Werner Eichberg, München (Altbau von 1957 – 1963)
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro rb - Bauplanung, München (Tragwerksplanung); Sailer Stepan und Partner, München (Tragwerksplanung Ziegelfassade); Bloos Däumling Huber, München (Haustechnikplanung HLS); Planungsbüro für Elektrotechnik J. Schnabl, Oberpframmern (Haustechnikplanung Elektro); PGA,  Keller & Damm, München (Freiflächenplanung); GIMA Girnghuber, Marklkofen (Klinkerhersteller)
Bauherr: Freistaat Bayern, Staatliches Bauamt München 2
Fertigstellung: 2013
Standort:
Theresienstraße 90, Ecke Luisenstraße, München
Bildnachweis: GIMA-Ziegel (Fotograf: Michael Heinrich, München); Hild und K Architekten, München

Objektstandort



Architektenprofil

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