Neuer Staudamm für den Grimselsee
Bogengewichtsmauer Spittallamm im Berner Oberland
Vor über 150 Jahren entstand in der Schweiz die erste Staumauer Europas, die aus Beton gebaut wurde. Die gewaltigen Bauwerke – allein in der Schweiz sind es inzwischen rund 200 an der Zahl – zeugen von einer konstruktiven Meisterleistung, von der Widerstandsfähigkeit des Materials und dem fast symbolträchtigen Kontrast zwischen kraftvoller Naturlandschaft und dem Eingriff des Menschen in dieselbe.
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Die Staumauer Spitallamm am Grimselsee im Berner Oberland ist eines dieser Relikte der Schweizer Bau- und Industriegeschichte. In den 1930er Jahren fertiggestellt, geriet die Konstruktion bereits ab der Hälfte des letzten Jahrhunderts an ihre Grenzen. Im Lauf der Zeit hatten sich ein Horizontalriss unterhalb der Mauerkrone sowie eine Bauwerkstrennung zwischen dem Vorsatzbeton zum Stausee hin und dem Massenbeton zum Tal hin gebildet.
Zehnjährige Planungs- und Bauzeit für den
Ersatzneubau
Eine Sanierung der massiven Bogengewichtsmauer – eine hybride
Bauform aus Gewichtsstaumauer und Bogenstaumauer – wäre zu
aufwendig und risikoreich gewesen. Daher plante das
Betreiberunternehmen Kraftwerke Oberhasli KWO ab dem Jahr 2015
einen Ersatzneubau. Um die Stromproduktion durchgängig
gewährleisten zu können, entstand die neue Talsperre nur wenige
Meter vor der historischen Staumauer. 2019 begannen die
Bauarbeiten, die nun im Sommer 2025 mit dem Fluten der alten Mauer
ihre letzte Etappe erreichten.
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Beim Neubau handelt es sich um eine doppelt gekrümmte
Bogenstaumauer, die mit 113 Metern Höhe ziemlich genau die der
alten Talsperre aufgreift. Aufgrund der Lage in rund 1.900 Meter
über Meer war die Bautätigkeit in den vergangenen sechs Jahren auf
die schneefreien Monate Mai bis Oktober beschränkt. Die kurze
Bauperiode bedingte daher auch eine ausgeklügelte Logistik,
Betoniervorgänge im Akkord und kurze Wege für die Materialien und
Betonproduktion.
Spezieller Beton unter laufender Qualitätskontrolle
Für den Bau der neuen Staumauer wurde ein spezieller Beton
verwendet, der in einer eigens errichteten Betonanlage in
unmittelbarer Nähe zum Bestimmungsort hergestellt wurde. Zum
Einsatz kam Gestein aus dem Umfeld der Baustelle, etwa aus für den
Bau der Staumauer gesprengten oder abgetragenen Felsen. Darüber
hinaus wurde Deponiematerial aus vorherigen Brüchen für Stollen
oder Kraftwerksbau der Region verwendet. Die Gesteinskörnung mit
bis zu 125 Millimeter Durchmesser stellt laut Verantwortlichen eine
Besonderheit dar. Verschiedene Arbeitsschritte gingen der
Gesteinsgewinnung in ausreichender Qualität voraus. Der notwendige
Zement, die Flugasche und Betonchemie wurden aus dem Tal in das
Betonwerk transportiert und beigemischt. In einem der Mauerstollen
befand sich ein Baustellenlabor, in dem mehrmals täglich die
Betonqualität geprüft werden konnte.
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Betonage im Akkord
Rund 500 Kubikmeter Beton verbaute das Team pro Tag in der Mauer.
Das entspricht einem Block mit drei Metern Höhe. Zunächst wurden
die sogenannten Vorläufer-Blöcke neun bis zwölf Meter vorgebaut und
betoniert. Diese waren allseitig geschalt, wobei die folgenden
Nachläufer-Blöcke lediglich eine wasser- und luftseitige sogenannte
Paramentschalung erhielten, wie der Bauführer der ausführenden
Unternehmens Implenia in einem Interview erklärt. Rund 100 Menschen
arbeiteten gleichzeitig in mehreren Schichten an dem Koloss. Ab 6
Uhr morgens wurde geschalt, 10 Stunden später begann der
Betoniervorgang, der bis 3 Uhr nachts dauerte. Sobald der Beton für
einen der Blöcke erhärtet war, wurde die Schalung mit
einem Kran drei Meter nach oben versetzt. Die stets präzise
Ausmessung der Blockposition war dabei Pflicht, um die gewünschte
Krümmung zu erzielen. Für die gleichmäßige Aushärtung des Betons
sorgte außerdem eine Kühlung mit Wasser aus dem Stausee, das durch
rund 40 Kilometer lange Leitungen in der neuen Staumauer floss und
anschließend sedimentfrei wieder in den See eingeleitet wurde.
