Nachhaltige Baustellen
Überarbeitete Zertifizierung der DGNB
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ist eine feste Größe, wenn es um die Bewertung und Zertifizierung von nachhaltigen Gebäuden und Quartieren geht. Die Gütesiegel in Platin, Gold, Silber oder Bronze sind dabei etablierte Indikatoren für die ökonomischen und ökologischen Qualitäten von neuen oder sanierten Bauwerken und Stadträumen. Für eine umfassende Nachhaltigkeitsbetrachtung können jedoch auch weitere Phasen im Lebenszyklus von Gebäuden relevant sein, so auch die Baustelle. Nachhaltiges Engagement auf der Baustelle lässt sich demnach ebenfalls zertifizieren – wenn auch ohne Edelmetall-Prädikat.
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Bereits 2021 schuf das DGNB die erste Version eines Zertifizierungssystems für nachhaltige Baustellen. Dabei werden Nachhaltigkeitspotenziale und die Qualitätssicherung im Bauprozess von Hoch- und Tiefbauprojekten betrachtet. In die nun erfolgte Überarbeitung des Systems flossen die Erfahrungen aus mehr als 250 Projekten ein, die das Zertifizierungsprogramm zuvor erfolgreich eingesetzt hatten. Begleitend ist ein neues Schulungsangebot eingerichtet worden, durch das die Qualifikation zum DGNB Koordinator Baustelle erlangt werden kann.
Kriterien und Synergien
Bereits seit der Erstversion setzt sich die Gesamtbewertung aus fünf Kriterien zusammen: Baustellenorganisation, Ressourcenschutz, Gesundheit und Soziales, Kommunikation sowie die Qualität der Bauausführung. Im Bereich Spezialtiefbau entfällt das Kriterium Kommunikation. Ein DGNB-Zertifikat für nachhaltige Baustellen erhalten jene Projekte, die mindestens 65 Prozent der Kriterien erfüllen. Dabei gehören rund die Hälfte zu den Mindestanforderungen, die zwingend erfüllt sein müssen, so etwa die Indikatoren der Baustellenorganisation. Um die geforderten mehr als zwei Drittel Prozentpunkte zu erreichen, kommen Maßnahmen aus den weiteren Kriterien hinzu, die sich variabel und damit projektindividuell ergänzen lassen.
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Neben den Erfahrungen aus bereits zertifizierten Projekten trugen zur Überarbeitung auch Anmerkungen bei, die im Rahmen einer dreimonatigen Kommentierungsphase aus der Praxis bei der DGNB eingegangen waren. Auch sollte das Zertifizierungssystem weiter an regulatorischen Anforderungen, etwa die der EU-Taxonomie, angeglichen werden. Dadurch würde das Programm zukunftstauglicher werden und Synergien ausschöpfen, so die DGNB selbst. Das Zertifizierungssystem solle außerdem auch als Planungs- und Managementtool dienen, um „Prozesssicherheit zu stärken und Risiken zu minimieren“.
Skalierbare Prozesse und notwendige Koordinatoren
Das System soll Auftraggebende für Einzelprojekte wie auch große Unternehmen ansprechen. So ließen sich etwa die Kriterien zu einem Prozessstandard für zahlreiche Baustellen etablieren. „Grundlage hierbei ist die Erstellung eines Basiszertifikats mit entsprechendem Pflichtenheft, wodurch die Einzelzertifizierungen weniger aufwendig und kostengünstiger werden.“ Auch könnten öffentliche Auftraggebende die Kriterien für Ausschreibungstexte nutzen.
Mit einher geht auch die Schulung für die notwendige qualifizierte Person, die die entsprechende Zertifizierung durchführt. Der DGNB Koordinator Baustelle muss fortan Baustellenprojekte auf dem Weg zum Nachhaltigkeitszertifikat begleiten. Die modulare, digital durchführbare Fortbildung und jährlich verpflichtende Weiterbildungen bietet die DGNB Akademie an. Zur Zielgruppe zählen die Gesellschaft Bauleitende, Sicherheits- und Gesundheitskoordinator*innen (SiGeKo) sowie Bauingenieur*innen im Hoch- und Tiefbau und der Verkehrsinfrastruktur. Hinzu kämen etwa Umweltingenieur*innen, Stadt- und Regionalplanende, Architekturschaffende oder Nachhaltigkeitsmanager.
