Neuer Staudamm für den Grimselsee

Bogengewichtsmauer Spittallamm im Berner Oberland

Vor über 150 Jahren entstand in der Schweiz die erste Staumauer Europas, die aus Beton gebaut wurde. Die gewaltigen Bauwerke – allein in der Schweiz sind es inzwischen rund 200 an der Zahl – zeugen von einer konstruktiven Meisterleistung, von der Widerstandsfähigkeit des Materials und dem fast symbolträchtigen Kontrast zwischen kraftvoller Naturlandschaft und dem Eingriff des Menschen in dieselbe. 

In der Schweiz ist dies zum ersten Mal seit einigen Jahrzehnten am Grimselpass zwischen Berner Oberland und dem Oberwallis der Fall.
Zwei gewaltige Mauern stauen rund 94 Millionen Kubikmeter Wasser am Grimselsee, darunter die rund 90 Jahre alte Staumauer Spitallamm, deren Aufgabe nun ein unmittelbar vorgesetzter Ersatzneubau übernimmt.
Die Höhe der Mauerkrone beträgt im Neu- wie Altbau rund 113 Meter, die Kronenlänge des neuen Stauwerks rund 212 Meter.

Die Staumauer Spitallamm am Grimselsee im Berner Oberland ist eines dieser Relikte der Schweizer Bau- und Industriegeschichte. In den 1930er Jahren fertiggestellt, geriet die Konstruktion bereits ab der Hälfte des letzten Jahrhunderts an ihre Grenzen. Im Lauf der Zeit hatten sich ein Horizontalriss unterhalb der Mauerkrone sowie eine Bauwerkstrennung zwischen dem Vorsatzbeton zum Stausee hin und dem Massenbeton zum Tal hin gebildet.

Zehnjährige Planungs- und Bauzeit für den Ersatzneubau 
Eine Sanierung der massiven Bogengewichtsmauer – eine hybride Bauform aus Gewichtsstaumauer und Bogenstaumauer – wäre zu aufwendig und risikoreich gewesen. Daher plante das Betreiberunternehmen Kraftwerke Oberhasli KWO ab dem Jahr 2015 einen Ersatzneubau. Um die Stromproduktion durchgängig gewährleisten zu können, entstand die neue Talsperre nur wenige Meter vor der historischen Staumauer. 2019 begannen die Bauarbeiten, die nun im Sommer 2025 mit dem Fluten der alten Mauer ihre letzte Etappe erreichten.

Beim Neubau handelt es sich um eine doppelt gekrümmte Bogenstaumauer, die mit 113 Metern Höhe ziemlich genau die der alten Talsperre aufgreift. Aufgrund der Lage in rund 1.900 Meter über Meer war die Bautätigkeit in den vergangenen sechs Jahren auf die schneefreien Monate Mai bis Oktober beschränkt. Die kurze Bauperiode bedingte daher auch eine ausgeklügelte Logistik, Betoniervorgänge im Akkord und kurze Wege für die Materialien und Betonproduktion.

Spezieller Beton unter laufender Qualitätskontrolle 

Für den Bau der neuen Staumauer wurde ein spezieller Beton verwendet, der in einer eigens errichteten Betonanlage in unmittelbarer Nähe zum Bestimmungsort hergestellt wurde. Zum Einsatz kam Gestein aus dem Umfeld der Baustelle, etwa aus für den Bau der Staumauer gesprengten oder abgetragenen Felsen. Darüber hinaus wurde Deponiematerial aus vorherigen Brüchen für Stollen oder Kraftwerksbau der Region verwendet. Die Gesteinskörnung mit bis zu 125 Millimeter Durchmesser stellt laut Verantwortlichen eine Besonderheit dar. Verschiedene Arbeitsschritte gingen der Gesteinsgewinnung in ausreichender Qualität voraus. Der notwendige Zement, die Flugasche und Betonchemie wurden aus dem Tal in das Betonwerk transportiert und beigemischt. In einem der Mauerstollen befand sich ein Baustellenlabor, in dem mehrmals täglich die Betonqualität geprüft werden konnte.

Betonage im Akkord 
Rund 500 Kubikmeter Beton verbaute das Team pro Tag in der Mauer. Das entspricht einem Block mit drei Metern Höhe. Zunächst wurden die sogenannten Vorläufer-Blöcke neun bis zwölf Meter vorgebaut und betoniert. Diese waren allseitig geschalt, wobei die folgenden Nachläufer-Blöcke lediglich eine wasser- und luftseitige sogenannte Paramentschalung erhielten, wie der Bauführer der ausführenden Unternehmens Implenia in einem Interview erklärt. Rund 100 Menschen arbeiteten gleichzeitig in mehreren Schichten an dem Koloss. Ab 6 Uhr morgens wurde geschalt, 10 Stunden später begann der Betoniervorgang, der bis 3 Uhr nachts dauerte. Sobald der Beton für einen der Blöcke erhärtet war, wurde die Schalung mit einem Kran drei Meter nach oben versetzt. Die stets präzise Ausmessung der Blockposition war dabei Pflicht, um die gewünschte Krümmung zu erzielen. Für die gleichmäßige Aushärtung des Betons sorgte außerdem eine Kühlung mit Wasser aus dem Stausee, das durch rund 40 Kilometer lange Leitungen in der neuen Staumauer floss und anschließend sedimentfrei wieder in den See eingeleitet wurde.

Fachwissen zum Thema

Zu den jüngsten Hochwasserschutzmaßnahmen in Zeitlarn gehört eine 1.900 Meter lange und bis zu 4 Meter hohe Schutzwand aus Stahlbeton.

Zu den jüngsten Hochwasserschutzmaßnahmen in Zeitlarn gehört eine 1.900 Meter lange und bis zu 4 Meter hohe Schutzwand aus Stahlbeton.

Baustellenberichte

Hochwasserschutz in Sichtbetonqualität

Errichtung des Staudamms Foz Tua mit einer flexiblen Träger-Wandschalung und einer Kletterschalung

Errichtung des Staudamms Foz Tua mit einer flexiblen Träger-Wandschalung und einer Kletterschalung

Ingenieurbau

Wasserbau – Sperrenbauwerke / Schleusen

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Schalungen und Gerüste sponsored by:
PERI | Kontakt 07309 / 950-0 | www.peri.de