Bundesamt für Sport bei Biel

Spätmoderne-Denkmal mit Weitblick und betriebseigener Feuerwehr

In atemberaubender Lage, auf den Juraterrassen oberhalb der Stadt Biel und des Bielersees, sitzt der kleine Luftkurort Magglingen. Hier wurde 1944 im hoch auf der Hangkante thronenden Grand Hotel das Bundesamt für Sport, BASPO, als Eidgenössische Turn- und Sportschule gegründet. Im Jahr darauf wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus welchem ein Masterplan hervorging, der eine lose Verteilung der geplanten Bauten und Sportplätze auf dem Hochplateau von Magglingen vorsah.

Gallerie

In den 1970er Jahren wurde die Anlage durch drei neue Bauten des Bieler Architekten Max Schlup ergänzt. Schlup war ein Vertreter der sogenannten „Solothurner Schule", die stark vom Beispiel der US-amerikanischen Moderne beeinflusst war und vor allem deren Prinzipien des Bauens mit Stahl sowie der Vorfertigung umzusetzen suchte. Beide Ansätze wandte der Architekt beim neuen Hauptgebäude des BASPO mit Bravour an. Kurz darauf entstanden in Magglingen außerdem die Großsporthalle „End der Welt" und die Jubiläumsturnhalle.

Der Neubau des Hauptgebäudes war in unmittelbarer Nachbarschaft des prominenten Grand Hotel geplant, ebenfalls an der Hangkante, sollte aber ein mehr als doppelt so großes Raumprogramm aufnehmen. Um die Wirkung des bekannten Hotels in der Landschaft zu erhalten, teilte Schlup das neue Gebäude in zwei Teile. Den größeren Teil bildet ein viergeschossiger, in den Hang eingegrabener Sockelbau, dessen begehbares Dach als großflächige Erweiterung des Vorplatzes vor dem Hotel dient. Ein wesentlich kleinerer, dreigeschossiger Baukörper steht frei auf dieser Terrasse. Beide Gebäudeteile werden bestimmt von der ablesbaren, klaren Stahlstruktur mit einem Tragraster von 7,20 x 14,40 Metern. Auf Stützen aus Breitflanschprofilen liegen Fachwerkträger, die oberhalb der abgehängten Decke verschwinden. Ebenso prägend ist die Fassade aus horizontal durchgängigen, raumhohen Verglasungen sowie einer Cortenstahl-Verkleidung im Deckenbereich, beide vertikal unterteilt von Lisenen, ebenfalls aus Cortenstahl, im Raster von 1,20 x 1,20 Metern.

Der kleinere Solitär beherbergt in den oberen Etagen eine zweigeschossige Aula und eine Bibliothek mit Leseräumen. Auf der Ebene der Terrasse gelangt man in einen verglasteS Foyer, das unter den oberen Teil zurückspringt. Von hier führt eine Treppe in einem großzügigen Luftraum zu den in den Sockelgeschossen liegenden Büros, Lehr- und Hörsälen sowie Medienstudios. Ganz unten ist ein 25-Meter-Schwimmbecken mit Sauna untergebracht.

Ende der 1990er Jahre war eine grundlegende Sanierung des Grand Hotel sowie des Hauptgebäudes notwendig geworden. Die ursprünglichen Qualitäten des Stahlbaus, die großen, flexibel nutzbaren Flächen, offene Verkehrszonen und die Verbindung zum Außenraum, waren durch über die Jahrzehnte immer wieder hinzugefügte Einbauten nicht mehr wahrnehmbar. Außerdem zeigten sich Verschleiß und Abnutzung der Oberflächen, und schließlich stand auch eine energetische Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes an. Einen im Jahr 2002 ausgelobten Wettbewerb gewann das Bieler Architekturbüro Spaceshop Architekten. Neben der Sanierung der Gebäudehülle, der Modernisierung der Haustechnik und der Verbesserung des Brandschutzes verfolgten die Architekten das Ziel, die ursprüngliche, offene Raumstruktur wieder freizulegen, dabei möglichst schonend mit der Bausubstanz umzugehen und möglichst viele Originalbauteile zu erhalten.

Gelungen ist das beispielsweise bei den charakteristischen Fassadenelemente aus Cortenstahl: Sie wurden demontiert und nach der Dämmung des Fassadenzwischenraums wieder eingebaut. Die Fenster erhielten möglichst ansichtsgleiche Wärmeschutzverglasungen. Nachträglich hinzugefügte Einbauten in den Verkehrszonen wurden entfernt und damit der Blickbezug zur Landschaft wieder hergestellt. Die Treppen sowie die ursprüngliche Möblierung von Aula, Hörsälen und öffentlichen Bereichen wurden aufgearbeitet. Als einzigen großen baulichen Eingriff schufen die Architekten einen neuen 28,4 x 4,4 Meter großen Luftraum über die beiden tiefen Bürogeschosse im Sockel und leiteten dadurch zusätzliches Tageslicht aus in der Terrasse verteilten quadratischen Oberlichtern ins Gebäude. Dadurch entstand eine großzügigere Kommunikationszone für die Büros, welche durch den Gewinn an Licht vergrößert werden konnten. Die Materialpalette des Gebäudes wurde ergänzt durch einen hellgrauen, fugenlosen Gummigranulatboden, der den ursprünglich grünen Nadelfilzteppichboden ersetzt, sowie eine abgehängte Decke aus weißen Holzwolleplatten mit darin bündig eingelassenen energieeffizienten Leuchten. Insgesamt wirkt dadurch das Gebäude nach der Sanierung, für die Spaceshop Architekten den Nationalen Denkmalpreis der Schweiz erhielten, heller, offener und großzügiger.

Brandschutz
Die filigrane Stahlstruktur, die mit ihrem schwarzbraunen Anstrich im Kontrast zu den anderen Bauteilen steht und überall im Gebäude sichtbar ist, konnte durch ein spezielles Brandschutzkonzept vor dem Verschwinden hinter Brandschutzplatten bewahrt werden. Auch eine Unterteilung der offenen Verkehrszonen in Brandabschnitte konnte verhindert und die offene, sieben Geschosse verbindende Treppenanlage erhalten werden.

Dabei spielte das Vorhandensein einer betriebseigenen Feuerwehr mit einer dementsprechend kurzen Interventionszeit eine entscheidende Rolle. Zusätzlich sorgen eine Sprinkler- sowie eine Brandmeldeanlage im Falle eines Brandes für eine schnelle Branderkennung und eine Verhinderung von dessen Ausbreitung. Außerdem kommt eine Evakuierungsanlage zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Sprachalarmanlage, die durch die Wiedergabe vorgefertigter Texte vor Gefahren warnt und gezielte Anweisungen zur Selbstrettung geben kann. Als Ausgleich für die fehlende, quer durch das Gebäude verlaufende brandschutztechnische Trennung wurden sogenannte Zellenbrandabschnitte gebildet. Dazu mussten sämtliche Trennwände zwischen Büros oder Unterrichtsräumen und den Verkehrsflächen mit einer Feuerwiderstandsdauer von 30 Minuten ausgebildet werden. -sm

Bautafel

Architekt: Spaceshop Architekten und Planer, Biel (Umbau und Sanierung); Max Schlup, Bern/Biel (Bestandsgebäude)
Projektbeteiligte: Reto Mosimann, Beno Aeschlimann, Stefan Hess, Olaf  Dolfus; Bauleitung, Biel (Bauleitung); Tschopp Ingenieure, Bern (Tragwerksplanung); Roschi + Partner, Bern (Haustechnik); Bering Elektroengineering, Bern (Elektroplanung); Sutter + Weidner, Biel (Fassadenplanung); Leuthe Bauphysik, Biel (Bauphysik); Aplied Acoustics, Gelterkinden (Akustik); HPB Consulting, Bern (Schadstoffuntersuchung)
Bauherr: Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, Bern
Nutzer: Bundesamt für Sport BASPO, Magglingen
Standort: Hauptstraße 247, Magglingen
Fertigstellung: Oktober 2010
Bildnachweis: Spaceshop Architekten und Planer, Biel; Fotos: Yves André, Vaumarcus/Rolf Siegenthaler, Bern

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