Klimt in Nahaufnahme
Begehbares Gerüst im Wiener Burgtheater
Selten freut man sich über Baustellen und die damit verbundenen Einschränkungen. Warum nicht das Nützliche mit dem Schönen verbinden, dachte sich das Wiener Burgtheater. Für Besuchende wird eine temporäre Beeinträchtigung, die durch notwendige Sanierungsarbeiten in den historischen Treppenhäusern eingetreten ist, zur attraktiven Nebenbühne. Das Raumgerüst, mithilfe dessen bedeutende Deckengemälde einer Künstlergruppe rund um Gustav Klimt restauriert wurden, kann im Rahmen von Sonderführungen betreten werden. Damit lassen sich die Kunstwerke aus nächster Nähe betrachten, wenige Monate bleibt dafür noch Zeit.
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Die heutige Spielstätte des Burgtheaters an der Wiener Ringstraße entstand bis 1888 nach Plänen von Gottfried Semper für den Hochbau und Karl Freiherr von Hasenauer für die Innenräume. Das Bauwerk im Stil der Neorenaissance birgt bis heute auch einen wertvollen Kunstschatz. Von 1886 bis zur Fertigstellung des Hauses schuf die Künstlergruppe, zu der neben dem berühmten Wiener Jugendstilvertreter Gustav Klimt auch dessen Bruder Ernst Klimt sowie deren beider Freund Franz Matsch gehörten, eine Reihe von Deckengemälden. Diese befinden sich beidseitig des Foyers in den festlichen Treppenhäusern – österreichisch Stiegenhäuser genannt.
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Sanierung nach Wasserschaden
Sogar den Zweiten Weltkrieg hatten die Gemälde sowie Teile des Foyers überstanden, obwohl das Theaterhaus selbst infolge eines Bombenangriffs im April 1945 größtenteils ausbrannte. Bis 1955 erfolgte der Wiederaufbau des Hauses im ursprünglichen Stil. Die jüngste Herausforderung für die Ölmalereien auf Putz ergab sich im September 2024 infolge eines Starkregens. Der Wasserschaden zog die Dämmung hinter der Putzschicht in Mitleidenschaft, wodurch die Kunst gefährdet wurde. Die Sanierung der Kaiserstiege im südlichen, dem Volksgarten zugewandten Teil des Bugtheaters, erfolgte bereits in der letzten Spielzeit ab November 2024. Dem nördlichen repräsentativen Treppenhaus mit Namen Erzherzogstiege widmeten sich die Restauratoren in der noch laufenden Spielzeit ab Oktober 2025.
Kunstbetrachtung in 14 Metern Höhe
Trotz abgeschlossener Arbeiten ist das Raumgerüst noch
aufgebaut. Bis Ende Juni 2026 können Besucherinnen und Besucher den
Deckengemälden näherkommen. Unter den Darstellungen berühmter
Theaterszenen ist auch ein Selbstporträt Gustav Klimts zu
entdecken, dem wohl einzigen, das der Künstler je gemalt haben
soll.
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Die rund anderthalbstündige Führung endet mit dem Aufstieg vom obersten Treppenpodest über eine kurze Gerüsttreppe bis auf die vorletzte Ebene des Gerüsts. Versetzt zur obersten Arbeitsplattform in 14 Metern Höhe ragt diese fast bis zur Decke. Mit gesonderter Freigabe darf das Gerüst von Besuchenden betreten werden, entsprechend ist die Gruppengröße auf 10 Personen begrenzt. Die Sonderführung kommt auch an der fertigsanierten Kaiserstiege vorbei und besucht eine Ausstellung der nur zufällig wiederentdeckten und geretteten Originalskizzen der Künstler.
