Mehrgeschossiger Holzbau in der Schweiz

Publikation zum Brandschutz im Tamedia-Neubau von Shigeru Ban in Zürich

Weltweit bekannt wurde Shigeru Ban durch die Konstruktion seiner Pavillons, Häuser und Kirchen aus Papprohren. Er kennt sich also aus mit der zeitgemäßen Verwendung eines zunächst nicht ideal erscheinenden, dafür nachwachsenden Baumaterials. Nun hat er mit dem Neubau für das Medienunternehmen Tamedia auf dem Zürcher Werd-Areal ein Bürogebäude geschaffen, das unter Zuhilfenahme alter japanischer Zimmermannstechniken neue Möglichkeiten im Holzbau auslotet: Die Tragstruktur aus Brettschichtholz ist durch ein Stecksystem verbunden, das ohne Schrauben und Nägel auskommt. Auch beim Brandschutz wurden die Grenzen des Machbaren ausgereizt, sodass das markante Holzskelett durch das siebengeschossige Gebäude sichtbar bleibt.

Gallerie

In einem Beitrag in der Schweizer Holzbauzeitschrift CH.Holzbau erläutert der Architekt und Brandschutzexperte Reinhard Eberl-Pacan die Besonderheiten des Brandschutzkonzepts beim Ban-Projekt. Die Ansprüche von Architekt und Bauherren waren hoch: Das Holztragwerk, für das 2.000 Kubikmeter Fichtenholz aus der Steiermark verbaut wurden, sollte nicht hinter Brandschutzverkleidungen verschwinden. Zudem sollte mit sieben oberirdischen Geschossen die mögliche Gebäudehöhe voll ausgeschöpft werden. Hinzu kamen „kleinere“ brandschutztechnische Herausforderungen wie ein großes Atrium, ein verglastes Fluchttreppenhaus und eine doppelte Glasfassade ohne horizontale Teilung.

Mithilfe eines objektbezogenen Brandschutzkonzepts (BSK) konnten die Brandschutzplaner nachweisen, dass die Schutzziele des Brandschutzes für das Gebäude in vollem Umfang erreicht werden. Abweichend von den Standardanforderungen und den Schweizerischen Brandschutzvorschriften der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) orientiert sich das BSK an den Vorgaben für Gebäude in Holzbauweise mit bis zu sechs Geschossen. Die Tragstruktur wurde auf der Basis von Abbrandberechnungen für eine Feuerwiderstandsdauer von 60 Minuten (R 60) dimensioniert. Durch einen Sprinkler-Vollschutz konnte auf eine EI-30-Verkleidung der tragenden Holzbauteile verzichtet werden. Zusätzlich sind die Treppenhäuser, Korridore, Technikräume und das Atrium von einer Brandmeldeanlage überwacht. Der für das Atrium ermittelte Rauch- und Wärmeabzug wurde durch eine Brandsimulation überprüft.

Der Beitrag beschreibt die gesamten Brandschutzmaßnahmen und enthält außerdem einen tabellarischen Überblick über die Brandschutzanforderungen an mehrgeschossige Holzbauten in der Schweiz. Er steht auf der Brandwende-Webseite des Autors Eberl-Pacan zum kostenlosen Download zur Verfügung (siehe Surftipps).

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