Alternative Flucht- und Rettungswege für Standardbauten
Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Berufsfeuerwehren und des Deutschen Feuerwehrverbandes 2026-01
Die zunehmende städtische Nachverdichtung stellt neue Herausforderungen an den vorbeugenden Brandschutz. Insbesondere bei Dachgeschossausbauten, Hinterhofbebauungen und innerstädtischen Ergänzungsbauten lassen sich herkömmliche zweite Rettungswege häufig nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht realisieren. Fehlende Aufstellflächen für Drehleitern oder beengte Grundstücksverhältnisse erschweren die Umsetzung der Anforderungen der Musterbauordnung zusätzlich.
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Mit der im März 2026 veröffentlichten Empfehlung 2026-01 Alternative Flucht- und Rettungswege für Standardbauten reagiert der Fachausschuss Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz der deutschen Feuerwehren auf diese Entwicklung. Die gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF bund) und dem Deutschen Feuerwehrverband erarbeitete Publikation beschreibt alternative Rettungswegkonzepte für Wohn- und Verwaltungsgebäude unterhalb der Hochhausgrenze.
Trotz vereinfachter baulicher oder technischer Anforderungen sollen diese ein vergleichbares Schutzniveau gewährleisten. So soll der Spielraum für die Schaffung von Wohnraum erweitert werden, ohne die Schutzziele des Brandschutzes aufzugeben.
Ein Schwerpunkt der Empfehlung liegt auf Sicherheitstreppenräumen. Unterschieden werden innenliegende und außenliegende Sicherheitstreppenräume. Letztere werden über offene Gänge im freien Luftstrom erschlossen. Dadurch soll verhindert werden, dass Rauch und Feuer in den Treppenraum eindringen. Nach Auffassung der Autoren stellt diese Variante insbesondere unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine interessante Lösung dar, da auf aufwendige Druckbelüftungsanlagen verzichtet werden kann.
Innenliegende Sicherheitstreppenräume basieren auf dem Prinzip der Druckbelüftung; es werden detaillierte Anforderungen an Druckbelüftungsanlagen formuliert. Diese müssen im Brandfall automatisch auslösen und innerhalb kurzer Zeit wirksam arbeiten, damit der Treppenraum dauerhaft rauchfrei bleibt.
Darüber hinaus behandelt die Publikation alternative Rettungswege über Notleitern, Notstufenleitern und Spindeltreppen. Hintergrund ist die zunehmende Schwierigkeit, Rettungsgeräte der Feuerwehr in verdichteten innerstädtischen Situationen wirksam einzusetzen. Für Gebäude bis einschließlich Gebäudeklasse 4 werden Notleitern nach DIN 14094 als geeignete Lösung angesehen. Bei Gebäuden über GK 4 (bis zur Hochhausgrenze) sind Notstufenleitern mit geschossweisen Podesten und begrenztem Steigungswinkel eine Möglichkeit. Auch Spindeltreppen werden als platzsparende Alternative beschrieben, sofern eine ausreichende Laufbreite für Einsatzkräfte gewährleistet bleibt.
Die Fachempfehlung besitzt zwar keinen unmittelbaren Rechtscharakter, dürfte jedoch erheblichen Einfluss auf Genehmigungs- und Abstimmungsprozesse haben. Erstmals liegt damit eine bundesweit abgestimmte Grundlage für alternative Rettungswegkonzepte im Standardbau vor. Gerade für Projekte der urbanen Nachverdichtung eröffnen sich neue Möglichkeiten, wirtschaftliche und brandschutztechnische Anforderungen besser miteinander zu verbinden.
Die 13-seitige, farbig illustrierte Publikation steht auf den Webseiten der AGBF bund als PDF zum Download kostenfrei zur Verfügung (siehe Surftipps).
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