Fellows Pavilion der American Academy in Berlin

Gläsernes Gartenhaus mit Dachtragwerk aus Stahl

Gallerie

Mit dem Ziel, den wissenschaftlich-kulturellen Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zu fördern, wurde Mitte der 1990er Jahre die American Academy in Berlin gegründet. Sie vergibt Stipendien an junge amerikanische Schriftsteller, Künstler, Musiker, Politik- und Rechtswissenschaftler, die für ein paar Monate nach Berlin kommen, um hier an einem Projekt ihrer Wahl zu arbeiten. Für die notwendige Ruhe sorgen allein schon die Räumlichkeiten der Akademie in einer denkmalgeschützten Villa auf einem parkähnlichen Grundstück direkt am Wannsee. Günstige Rahmenbedingungen wie diese mögen zum großen Erfolg der Forschungs- und Kultureinrichtung beigetragen haben, deren Arbeitsräume schließlich knapp wurden. Der Platzmangel erwies sich letztendlich als Glücksfall, denn er führte zum Bau des Fellows Pavilion nach Plänen von Barkow Leibinger.

Angelehnt an die Ästhetik der klassischen Moderne entwarfen die Berliner Architekten einen leicht anmutenden Baukörper aus Glas und Stahl mit einer sichtbaren Konstruktion und fließenden Übergängen zwischen innen und außen. Er ersetzt ein zuletzt leer stehendes Badehaus an der Gartenmauer des Anwesens, die zum See führt. Auf rund 85 Quadratmetern bietet der Pavillon Platz für sieben Studierzimmer und eine kleine Küche, mittig verläuft ein Flur. Die jeweils rund sieben Quadratmeter kleinen Räume sind mit allem Notwendigen ausgestattet; die Wand zum Flur ist verglast. Auf den Böden liegen Eichenholzdielen, die auch den umlaufend überdachten Austritt vor der Glasfassade bedecken. Bei gutem Wetter lassen sich riesige Schiebetüren zum Garten hin öffnen, Vorhänge sorgen auf Wunsch für Privatheit. Eine Mehrscheibenisolierverglasung, die gut gedämmte Boden- und Dachkonstruktion sowie die Fußboden- und Wandheizung stellen sicher, dass sich in den Räumen ganzjährig gut arbeiten lässt.

Über dem einfach geformten Baukörper scheint die zweifach gekrümmte Dachfläche aus weißen Stahlträgern gleichsam zu schweben. Sie wird von vier Stahlstützen getragen, die das Dach mit der podestartig erhöhten Bodenkonstruktion verbinden und gleichzeitig der Ableitung von Regenwasser dienen. Die Dachform folgt laut Architekten, „einer regelmäßigen Geometrie, die aus zweidimensional zueinander versetzten und gedrehten Geraden vier hyperbolische Paraboloide erzeugt“. In der Ansicht ergeben sich daraus vier giebelständige Fassaden, die den Bezug zur historischen Villa erkennen lassen.

Glas
Die umlaufend etwa 120 Quadratmeter große Fassade des Pavillons besteht im unteren Bereich aus einem Hebeschiebetürensystem, das mit Isoliergläsern ausgefacht ist. Die Glasformate betragen zwischen 1,40 und 2,30 Metern in der Breite und rund 2 Metern in der Höhe. Die Dreifachverglasung besteht aus jeweils 6 mm starken Einzelscheiben aus Weißglas (Floatglas). An der Innenseite der Außenscheibe (Position 2) ist eine Sonnenschutzbeschichtung aufgebracht, an der Außenseite der Innenscheibe (Position 5) eine Wärmeschutzbeschichtung. Der Scheibenzwischenraum ist mit Luft gefüllt; der Wärmedurchgangskoeffizient beträgt 0,7 W/(m²K).

Über den Schiebetüren sind – ebenfalls umlaufend – festverglaste Oberlichter angeordnet. Die Scheiben der dafür eingesetzten Zweifach-Isolierverglasung sind Sonderanfertigungen, bedingt durch die außergewöhnliche Dachform. An der Unterseite sind sie mittels Punkthaltern auf der Stahlkonstruktion befestigt, im oberen Dachbereich verschieblich gelagert. Wie die Glasausfachungen der Schiebelemente bestehen die Einzelscheiben aus 6 mm dickem Floatglas aus Weißglas. Hier ist der Scheibenzwischenraum mit einem Gemisch aus Luft und dem Edelgas Argon gefüllt; der Wärmedurchgangskoeffizient beträgt 1,0 W/(m²K). Die Trennwände und Glastüren zum Flur bestehen aus 16 mm starken Verbundsicherheitsgläsern mit einer speziellen Schallschutzfolie im Glasverbund.

Objektinformationen

Architekten: Barkow Leibinger, Berlin
Projektbeteiligte: Capatti Staubach, Berlin (Landschaftsarchitekten); BAL Bauplanungs- und Steuerungsgesellschaft, Berlin (Ausschreibung und Bauleitung); Hörnicke-Hock-Thieroff, Berlin (Tragwerksplanung); Müller-BBM, Berlin (Bauphysik); Guardian, Thalheim (Glashersteller); Schüco Stahlsysteme Jansen, Bielefeld (Hebeschiebetürensystem); Ela - mechanische Sicherheitstechnik, Beelitz (Fassadenbau)
Bauherr: American Academy, Berlin
Fertigstellung: 2015
Standort: Am Sandwerder 17, 14109 Berlin
Bildnachweis: Stefan Müller, Berlin und Simon Menges, Berlin

Objektstandort



Architektenprofil

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