Biokohlebasierter Beton in der Praxis
Baufabrik in Tauernfeld
In Tauernfeld, im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, entsteht derzeit die neue Baufabrik der Firmengruppe Max Bögl. Das Unternehmen nutzte das Projekt, um neue Betonrezepturen unter realen Bedingungen zu erproben. Bei einer Ortbeton-Bodenplatte kam ein Beton zum Einsatz, der biogenen Kohlenstoff dauerhaft bindet und damit rechnerisch seine CO2-Bilanz ausgleicht. In diesem Zuge konnte geprüft werden, ob die mit Biokohle modifizierte Betonmischung ohne Anpassungen in den gewohnten Bauablauf integrierbar ist – vom Pumpen über den Einbau bis zur Verdichtung.
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Die Baufabrik dient Max Bögl künftig als Produktions- und Entwicklungsstandort für industrielle Vorfertigung. In der rund 15.000 Quadratmeter großen Halle entstehen unter kontrollierten Bedingungen unter anderem Komponenten für Hybridtürme von Windenergieanlagen, Fundamente, Turmteile sowie Elemente der technischen Gebäudeausrüstung. Gleichzeitig nutzt das Unternehmen den Standort als Versuchsfeld für neue Betonrezepturen, Hochleistungsbauteile und Produktionsverfahren. Der Einsatz biokohlebasiert modifizierter Betone ist Teil dieses Ansatzes, mit dem sich Prozesse von der Baustelle in die industrielle Fertigung verlagern lassen.
Biokohle als Betonzusatz
Das Pilotprojekt setzten Max
Bögl gemeinsam mit dem Berliner Start-up ecoLocked um, das den
biokohlebasierten Zuschlagstoff eLM
Zero beisteuerte. Das Start-up entwickelt
CO2-negative Zusatzstoffe auf Basis von Biokohle, die
sich als sogenannte Drop-in-Materialien ohne Änderungen an
bestehenden Betonprozessen einsetzen lassen. In Tauernfeld wurde
dieser Ansatz unter realen Produktions- und Einbaubedingungen
überprüft.
Die Rezeptur kombinierte einen Zement mit reduziertem Klinkeranteil vom Typ CEM III/A mit einem Zuschlagstoff auf Basis von Biokohle. Diese entsteht, wenn Biomassereststoffe wie Holz- oder Agrarabfälle unter Sauerstoffausschluss per Pyrolyse thermisch umgewandelt werden. Der dabei gebundene Kohlenstoff liegt in stabiler Form vor und kann über lange Zeiträume gespeichert werden. Wird die Biokohle dem Beton beigemischt, lässt sich rechnerisch mehr Kohlendioxid binden, als bei Herstellung und Verarbeitung des Baustoffs freigesetzt wird.
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Insgesamt verbaute man in Tauernfeld rund 135 Kubikmeter Beton mit Biokohlezusatz. Mehr als sieben Tonnen des Zuschlagstoffs kamen dabei zum Einsatz, wodurch im Bauteil etwa 15 Tonnen CO2-Äquivalent gebunden sind. Das Treibhausgaspotenzial des Betons soll somit eine ausgeglichene Bilanz aufweisen.
Testfeld für die Verarbeitung
Für die Baupraxis standen nicht allein die Klimawerte im Fokus. Entscheidend war, wie sich der Beton auf der Baustelle verhält. Die Mischung floss gleichmäßig, zeigte kaum Entmischung und wies ein gegenüber konventionellen Rezepturen leicht reduziertes Eigengewicht auf. Pumpfähigkeit, Einbau und Verdichtung entsprachen den üblichen Anforderungen, ohne dass sich die Arbeitsabläufe ändern mussten. Ob und in welchen Bauteilen sich der Ansatz künftig breiter anwenden lässt, hängt vor allem von Normierung, Verfügbarkeit und wirtschaftlicher Skalierung ab.
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