Sozialwohnungsbau 2104 in Palma de Mallorca

Zyklopenbeton mit Recycling-Gesteinskörnung

Längst ist bekannt, dass der größte Teil aller Abfälle auf den Baustellen anfällt. An einer Straßenecke in Palma de Mallorca wurde der Schutt nicht einfach entsorgt, sondern als Ressource betrachtet: Das katalanische Büro Harquitectes ließ aus ihm die Betonblöcke des Sozialwohnungsbaus 2104 fertigen. 2024 war das Urban-Mining-Projekt vollendet.

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Seit einigen Jahren erhält der soziale Wohnungsbau auf den Balearischen Inseln auch in Deutschland viel Aufmerksamkeit (siehe Surftipps und Bauwerke zum Thema). Hinter den Projekten steht das Instituto Balear de la Vivienda (IBAVI), eine Einrichtung des Balearischen Verkehrs- und Bauministeriums. Das Institut setzt seit 2017 verstärkt auf lokale Materialien und Bauweisen, dazu faszinieren die technikarmen Klimatisierungskonzepte. Nicht zuletzt entspricht die minimalistisch-mediterrane Ästhetik, die die Bilder übermitteln, dem aktuellen Zeitgeist. 

Die 25 neuen Wohnungen im Viertel Camp d’En Serralta bieten Menschen über 65 Jahren sowie Menschen mit geistiger Behinderung ein Zuhause. Als IBAVI vor vielen Jahren auf das Eckgrundstück aufmerksam wurde, befand sich dort eine leerstehende Schule. Zunächst war ein Umbau angedacht, der letztlich aber nie zustande kam, sodass das Gebäude weiter verfiel. 2021 lobte das Institut dann einen Wettbewerb aus, der die Architekturbüros aufforderte, den Bestand dennoch zu nutzen – und zwar als Baustoffmine. Beauftragt wurden schließlich zwei Büros: ein lokales, das den Abbruch durchführte, und Harquitectes, die sich um den Neubau kümmerten.

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Eintritt durch die Ecke

Der L-förmige Baukörper schließt am einen Ende an ein Nachbargebäude an, während das andere Ende eine fensterlose Front zeigt, gemauert aus sandgrauen, fleckigen Betonblöcken. Der Stadt begegnet das Gebäude viergeschossig, wobei das Dachgeschoss so weit zurückversetzt ist, dass es fast ganz hinter der Attika verschwindet. An der abgeschnittenen Ecke ist der Haupteingang platziert, flankiert von ebenso reich texturiertem Mauerwerk.

Die Stirnseiten der dicken Wohnungstrennwände und die dünnen Deckenplatten erzeugen annähernd quadratische Fassadenfelder. Im Erdgeschoss deuten einige Metallgittertore auf Garagenplätze hin. Oben hängen Wickelrollos über den Geländern französischer Balkone. Im abgesenkten Hof wirkt das Gebäude deutlich höher: Hier kommt neben der Rückseite des Dachgeschosses auch ein Souterrain dazu. In der hofseitigen Ecke liegen Treppenhaus und Aufzug, wo die Laubengänge anschließen.

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Wohnen in drei Zonen

Durchbrochene Schotten bilden das Tragwerk. Die sonst schwierige Eckstelle wurde mit einem Paar L-förmiger Wände gelöst. Hier befinden sich im Erdgeschoss ein Empfangsraum und in den zwei darüberliegenden Geschossen Wohnungen mit einem zweiten Schlafzimmer für eine persönliche Pflegekraft. Alle anderen Wohnungen messen gerade einmal 42 m², sind dafür aber beidseitig belichtet und somit auch gut zu durchlüften. 

In den Hauptgeschossen folgen die Grundrisse jeweils demselben Muster: Vom Laubengang kommend laden raumhohe Glastüren ins Wohnzimmer ein. Ein offener Durchgang verbindet es mit der nächsten Zone, in der rechts eine Küchenzeile und links ein kompaktes Bad liegen. Hinter einer Schiebetür liegt schließlich das Schlafzimmer, mit raumhohen Fenstern zur Straße. Diese letzte Zone fehlt im Souterrain und im obersten Geschoss. Stattdessen sind hier Kellerabteile und die Zentralheizung untergebracht bzw. Dachterrassen angelegt.

Die Dicke des Mauerwerks hat statische Gründe und bietet zugleich reichlich Masse, um zwischen Tages- und Nachtklima zu vermitteln. Die Schotten und Deckenplatten laufen von innen nach außen durch, Dämmschichten setzten die Architekt*innen sehr gezielt und sparsam ein. So blieb die erdige Farbpalette der Konstruktion sichtbar: Zwischen Holzdecken und glatten Estrichböden treten die spröden, hellbraun gesprenkelten Oberflächen der Wände hervor. Die Mauerwerksblöcke zeigen große Brocken und feine Splitter, die aus dem Abbruch des Vorgängerbaus gewonnen wurden.

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Beton: Zyklopen aus Sandstein

Entgegen ursprünglicher Annahmen, bestand das Tragwerk der alten Schule jedoch nicht vollständig aus Beton, sondern zu großen Teilen aus Marès. 160 m³ des auf Mallorca verbreiteten, porösen Sandstein bilden die XXL-Gesteinskrönung im sogenannten Zyklopenbeton der tragenden Wände. Bei den Außenwänden des Souterrains wie auch bei den Fundamenten kam Stahlbeton mit Recycling-Gesteinskörnung zum Einsatz. Hier brachte man insgesamt 140 m³ Keramik- und Betonabbruch ein. Die alten Dachpfannen erhielten in einem anderen IBAVI-Projekt ein zweites Leben. Letztlich wurden mehr als 95 Prozent des Abbruchmaterials recycelt.

Da die Wettbewerbsausschreibung auch eine kurze Bauzeit forderte, schlugen Harquitectes vor, die Betonblöcke direkt auf der Baustelle zu fertigen, noch während der Abbrucharbeiten. Dazu ließen sie mehrere nebeneinander liegende Schalungen bauen, die jeweils 4 x 4 m große Platten ergaben. Den gesammelten Marès brach man in Brocken von bis zu 30 cm Durchmesser. Dazu wurde Marès-Kies und -Sand (Pacadís genannt) aus einem lokalen Steinbruch mit in die Schalung gegeben und schließlich alles mit einem Beton übergossen, der 5 % Zement und 1 % Kalk enthielt.

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Nach zehn Tagen schalten die Handwerker die Platten aus und zersägten sie zu rund 3.000 Blöcken. Auf diese Weise kamen Sandstein und Kies wieder zum Vorschein – wie Mandelsplitter in Nougat. Ein Kran hob die Blöcke dann an und setzte sie auf Holzkeilen ab. Anschließend wurde die Lagerfuge ausgemörtelt.

Bei den Schotten weisen die Blöcke eine Länge von etwa 135 cm, eine Höhe von 42 cm und eine Breite von 64 cm im Erdgeschoss und bis 34 cm im 3. Obergeschoss auf. Durch diese Verjüngung entstanden die Vorsprünge, auf denen sich die Brettschichtholzdecken lagern ließen. 13 cm breit sind die Blöcke bei den Innenwänden und den Wänden des Treppen- und Aufzugkerns.

Bautafel

Architektur: HARQUITECTES, Barcelona (David Lorente, Josep Ricart, Xavier Ros, Roger Tudó)
Projektbeteiligte: Anna Burgaya, Ángeles Torres, Montse Fornés, Cynthia Rabanal, Victor Jorgensen (Mitarbeitende Planung); Xavier Suárez (Vermessungsingenieur); DSM-arquitectes (Tragwerksplanung); M7 enginyers (Ingenieurbüro); Societat Orgànica (Umweltberatung); MC acústica (Akustik); Joan Ramon Rosell (Kalkbauexperte)
Auftraggeber*in: Instituto Balear de la Vivienda (IBAVI), Palma de Mallorca
Fertigstellung: 2024
Standort: Calle Lope de Vega 3, 07013 Palma de Mallorca, Spanien
Bildnachweis: Adrià Goula (Fotos); HARQUITECTES (Baustellenfotos und Pläne)


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Roh belassene Oberflächen und großformatige Fenster prägen die Betonhülle der 32 Logements-Cathédrale in Dijon, entworfen von Sophie Delhay und ihrem Team.

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Mit hellgrau verputzten Wänden und Details in Rosa, Blau und Gelb thronen zwei Mehrfamilienhäuser über der Leimbachstraße in Zürich.

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Das Escenario Shirokane, ein Geschosswohnungsbau mit einem Restaurant auf Straßenniveau und Büroräumen unter dem Dach, liegt am Rand einer der nobelsten Wohngegenden Tokios.

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In dem Geschosswohnungsbau The Line, geplant vom ortsansässigen Büro Orange Architects, befinden sich 72 Wohneinheiten.

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Das Wohnheim Rosalind Franklin mit integrierten Parkdecks entstand nach einem Entwurf des Architekturbüros Bruther aus Paris in Kooperation mit dem Brüsseler Atelier Baukunst.

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In Farrapa in Vale de Cambra steht der Gewerbebau mit sechs Wohneinheiten, entworfen und geplant vom Architekturbüro Summary.

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Auf der Grundlage von Forschungsergebnissen wurden nach dem Entwurf von Florian Nagler auf einem ehemaligen Kasernengelände in Bad Aibling drei Mehrfamilienhäuser mit je acht Wohnungen  errichtet.

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Das Wohn- und Geschäftshaus besetzt eine Baulücke in der Basler Klybeckstraße.

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Das Wiener Quartier Florasdorf am Anger sitzt auf einem dreieckigen Grundstück zwischen der Stadtautobahn A22 und der vielbefahrenen Prager Straße.

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Auf einem dreieckigen Grundstück an der Züricher Kornhausstraße errichteten Armon Semadeni Architekten eine Blockrandbebauung mit Wohn- und Gewerbeeinheiten

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Da das Bauernhaus im Emmental als erhaltenswert eingestuft ist, durfte die Hülle nicht wesentlich verändert werden

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Geschosshohe Verglasungen auf der Nordwestseite des von Jorliak Architekten geplanten Neubaus öffnen sich zur nahen Bucht

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Das Apartmenthaus ist eines der ersten Gebäude im Antwerpener Stadteil „Nieuw Zuid"

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Ein feines Lochrelief in der Fassade lässt den Beton weich, fast samtig erscheinen

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Die Studentenwohnanlage besteht aus zwei Häusern und bietet Platz für insgesamt 300 Studenten

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Zwischen zwei niedrigen Wohnhäusern erhebt sich der Sichtbetonbau in die Höhe

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Die L-förmigen Baukörper setzen sich aus einem achtgeschossigen Turm und einem dreigeschossigen Anbau zusammen

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An der Züricher Röntgenstraße zeigt sich das Gebäude als markanter Kopfbau

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Ensemble aus abwechslungsreich gestalteten Einzelelementen

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Harmonia 57 liegt inmitten der Metrople Sao Paulo

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Wie aus einem schwarzen Block geschnitten erscheint das L40 genannte Gebäude

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Zur Straße öffnen sich die beiden Baukörper mit großen Fensterflächen

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Mehrfamilienhaus in Berlin

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Gesamtansicht

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Gesamtansicht vom Donaukanal

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Schmale Baulücke in der Bäumleingasse

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Außenansicht

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Außenansicht von Nordosten

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