Stadthaus Delagoplatz in Bozen

Gestockte Sichtbetonfassade

Ein leicht asymmetrisches Satteldach und Sichtbetonwände mit putzartiger Oberflächenstruktur sind die prägenden Merkmale des neuen Wohn- und Geschäftshauses am Maria-Delago-Platz in Bozen. Das fünfgeschossige Gebäude ersetzt einen deutlich niedrigeren Bau mit Walmdach aus den 1950er-Jahren, der etwas plump zwischen den Nachbarhäusern saß. Der Neubau hingegen orientiert sich an den Traufhöhen der Umgebung und rahmt die Nordseite des Platzes in stadträumlich angemessener Form. In ihrem Entwurf nahmen die ortsansässigen Architekten Andreas Lengfeld und Pavol Mikolajcak den L-förmigen Umriss des Vorgängerbaus auf und erhielten einen bestehenden Treppenturm, der die oberen Geschosse sowie die Tiefgarage des Stadthauses Delago erschließt.

Gallerie

Die äußere Erscheinung des Neubaus ist ebenso ansprechend wie dezent: Das Zeitgenössische wird weder verleugnet, noch über Gebühr inszeniert. Die Lochfassade mit den französischen Fenstern wirkt klassisch und irritiert allenfalls auf den zweiten Blick dadurch, dass die Öffnungen minimal versetzt zueinander angeordnet sind. Sie lassen sich manuell mit Schiebeelementen aus gebeiztem Lärchenholz verschließen, die in der Außenwand verschwinden, wenn sie nicht gebraucht werden. Balkone, Dachterrassen und Loggien sind so verteilt, dass jede Wohnung über einen oder mehrere private Freiräume verfügt.

Während die gewerblichen Nutzungen im Erdgeschoss jeweils über einen eigenen, zur Straße oder zum Platz ausgerichteten Eingang verfügen, gelangen die Nutzer bzw. Bewohner über den außenliegenden Treppenturm auf der Rückseite des Gebäudes in die oberen Etagen. Im ersten Obergeschoss sind Büroräume untergebracht, darüber auf drei weiteren Stockwerken jeweils zwei Wohnungen. Sie orientieren sich mit zweiflügeligen Fenstern aus dunklem Lärchenholz jeweils nach drei Seiten. Bodenbeläge und Türen sind aus Eiche gefertigt, die Wände innen verputzt und weiß gestrichen.

Beton
Das Wohn- und Geschäftshaus ist ein Stahlbetonskelettbau mit gemauerten Ausfachungen im Bereich der Außenwände und einer 20 cm starken Sichtbetonfassade. Geschalt wurde mit herkömmlichen 330 cm hohen und 30, 45, 90 oder 120 cm breiten modularen Schalplatten. Die Betonierabschnitte reichten in der Regel jeweils bis zu den Unterkanten der Öffnungen.

Für die Decken verwendete man einen Beton der Festigkeitsklasse C25/30, für die Stützen und die Fassaden einen C30/37. Dem mit Hochofenzement hergestellten Sichtbeton wurden unter anderem Giallo Mori, Basalt, Dolomitgestein sowie 0,8 kg/m³ ockerfarbenes Pigment beigemischt, durch das die Fassade ihren warmen gelblichbraunen Farbton erhielt. Nach dem Aushärten ließen die Planer die Außenwände stocken, wobei eine Betonschicht von etwa 5 bis 10 mm abgetragen wurde. Anhand von Musterstücken war zuvor die gewünschte Erscheinung festgelegt worden. Das Ergebnis ist eine erdfarbene, raue Oberfläche, die an eine strukturierte Putzfassade erinnert. Dass sich der Bauherr für eine Sichtbetonschale entschied, lag unter anderem an der längeren Haltbarkeit und den geringeren Instandhaltungskosten dieses Materials und dieser Bauweise im Vergleich zu verputzten Wärmedämmverbundsystemen. Vor Vandalismus schützt eine Anti-Graffiti-Beschichtung, die im Erdgeschoss bis zu einer Höhe von circa 4,00 m aufgetragen wurde. -chi

Bautafel

Architekten: Lengfeld Mikolajcak Architekten, Andreas Lengfeld und Pavol Mikolajcak, Bozen
Projektbeteiligte: Bernard Bau, Montan (Generalunternehmen); Dr. Ing. Hannes Hepperger, Bozen (Tragwerksplanung); Miedl, Neukirchen v. Wald; Pescoller Werkstätten, Bruneck; Climagrün, Bozen (Fassaden); Mittelberger Spenglerei, Voran (Dach); Walter Meinrad, Kurtining A.D.W.; Metall Ritten, Kobenstein (Fenster); Frei & Runggaldier, Kaltern; KKR, Bozen (HLKS-Planung)
Bauherr: Fondazione Mayrlsche Stiftung, Bozen
Standort: Maria-Delago-Platz, 39100 Bozen, Italien
Fertigstellung: 2015
Bildnachweis: Oskar Da Riz, Bozen

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