Schülerhaus Friedrich-Eugens-Gymnasium in Stuttgart

Kompakter Solitär als zweites Zuhause

Es ist das temporäre Zuhause für die Schüler, die ganztags auf dem Schulgebäude leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Aus diesem Grund sollte das Schülerhaus des Stuttgarter Friedrich-Eugens-Gymnasiums nicht als Erweiterung und Fortsetzung der Schulgebäude aus den 1950er Jahren gesehen werden, sondern als solitäres Gebilde. Entgegen dem langgestreckt liegenden Schulgebäude mit Fliesenfassade hat der Neubau die Form eines Würfels und erhielt eine Holzfassade. Die Andersartigkeit des Schülerhauses ist auch im Lageplan abzulesen (Abbildung 8) - die leichte Drehung des neuen Baukörpers folgt nicht der Geometrie der denkmalgeschützten Bestandsbauten, sondern der Ausrichtung der Freianlagen. Der Neubau wurde eingebettet zwischen zwei Pausenhöfen, die durch eine Freitreppe miteinander verbunden sind. Der obere Pausenhof liegt auf dem Niveau des ersten Obergeschosses, der untere auf Erdgeschossniveau.

Gallerie

Die Funktionen im Inneren sind auf die drei Geschossebenen aufgeteilt: Mittagessen im EG, Entspannen im 1.OG und Hausaufgaben erledigen im 2. OG. Eine offen geführte Treppe und ein behindertengerechter Aufzug verbinden die drei Ebenen.

Die tragenden Wände, Stützen und unterzugsfreien Decken sind in Stahlbeton ausgeführt. Die massiven Außenwände erhielten eine außenseitige Wärmedämmung. Geschützt wird die Dämmung durch die horizontale Lattung des Lärchenholzes, die dem Kubus zugleich einen wohnlichen Charakter verleiht. Auf der Nord- und Südseite erscheinen die Fassaden geschlossen, obgleich niedrige Fensterbänder und einzelne Lochfenster hinter den Holzlatten versteckt sind und die Arbeitsplätze belichten. An der Ost- und Westseite öffnet sich das Schülerhaus mit geschossübergreifender Verglasung zu den beiden Pausenhöfen.

Im Inneren wurden die Betonwände sichtbar belassen und die Ständerwände gespachtelt und gestrichen. Die Decken sind in Sichtbeton ausgeführt und zum Teil mit Akustikplatten bekleidet. Im Kontrast zu den zurückhaltenden Grautönen sind die Böden mit rotem Linoleum ausgelegt. Als dunkles Band zieht sich die Treppe durch das Gebäude, deren Läufe aus dunkel eingefärbtem Beton gefertigt und deren Stahlteile anthrazitfarben gestrichen sind. Die schlichte Möblierung erhielt ebenfalls eine Farbgebung in Anthrazit und Schwarz.

Nachhaltig Bauen

Das Schülerhaus in Niedrigenergiebauweise erreicht einen Wert von 20% unter der EnEV 2007. Für das Einsparen von Ressourcen in der Erstellung und im Betrieb ist primär die Würfelform des Baukörpers verantwortlich. Nur ein kugelförmiges Gebäude hätte ein noch besseres Verhältnis von Außenfläche zu Rauminhalt und nutzbarer Grundrissfläche ergeben.

Für eine natürliche Verschattung sorgen die umgebenden Bäume. Die Ausrichtung der Räume sowie die Form und Anordnung der Fenster ermöglichen viel Tageslichteinfall bei gleichzeitigem Schutz vor zu viel Sonne und Hitze. Als Dämmung wurde 14 Zentimeter dicke Mineralwolle verwendet, die bei dem mit Fernwärme geheizten Gebäude für äußerst geringe Transmissionswärmeverluste sorgt.

Nachhaltigkeit versprechen sich die Architekten auch von den eingesetzten Materialien Sichtbeton, Holz und Linoleum. Ihr robuster und zeitloser Charakter entspricht einer langfristigen und damit nachhaltigen Nutzung des Gebäudes. -ap

Bautafel

Architekten: Drei Architekten, Haag Haffner Stroheker, Stuttgart
Planungsbeteiligte: IGG Ingenieurgesellschaft Gölkel, Stuttgart (Tragwerksplanung); Landeshauptstadt Stuttgart, Hochbauamt (HLSE-Planung); EGS-plan Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude- und Solartechnik mbH, Stuttgart (Bauphysik)
Bauherr: Landeshauptstadt Stuttgart
Fertigstellung: November 2007
Standort: Friedrich-Eugens-Gymnasium, Silberburgstraße 86, 70176 Stuttgart
Bildnachweis: Wolf-Dieter Gericke

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