Hochschule für Technik und Wirtschaft in Aalen

Kompakter Bau aus regionalen Materialien

"Auf dem Burren", an einem leicht nach Westen geneigten Hang mit Blick auf die schwäbische Ostalb, liegt die Erweiterung der Fachhochschule Aalen. Das Stuttgarter Büro MGF Architekten entwickelte drei von Holz umhüllte Häuser und ordnete sie linear entlang der Höhenlinien an. Zwei der Gebäude beherbergen die Fachbereiche, im kleineren dritten befindet sich eine Bibliothek. Verbunden sind sie durch eine mit Bäumen gesäumte fußläufige Achse; ein Platz im Zentrum des Campus empfängt die Studierenden.

Gallerie

Der von Bäumen und einer Umgehungsstraße begrenzte Hang ist mit langen Mauern in bandartige Terrassen gegliedert, an deren Kanten die streng anmutenden Gebäude liegen. Die so entstandenen Geländesprünge mit Höhen zwischen 40 und 90 cm sind durch ein System von Treppen und Rampen untereinander verbunden. Einfache Materialien wie Asphalt, Beton und Schotter bedecken Wege und Plätze. Durchbrochen werden diese Landschaftsbänder von 117 Linden, die in einem linearen Rythmus verteilt sind.

An den Kopfenden der Fachbereichsgebäude befinden sich große Laborräume und Hörsäle. Längsseitig liegen die Seminarräume mit einer Tiefe von über sieben Metern. Eine Erschließungszone trennt sie von den knapp fünf Meter tiefen Büro- und Nebenräumen auf der anderen Seite. Die langen Flure sind unterbrochen durch Lichthöfe, lange Kaskadentreppen erschließen die Ebenen. Im Untergeschoss sind die klimatisierten und erschütterungsfreien Forschungslabors angeordnet. Die Bibliothek ist transparent und offen gestaltet, ein Lesebalkon bietet Ausblick auf Aalen und die Ostalb, ein feines Drahtgewebe filtert und begrenzt den Baukörper nach Süden.

Die tragende Konstruktion der dreigeschossigen Häuser besteht aus Beton, entlang der Fassaden stehen Stützen im Abstand von 4,8 Metern. Im Inneren begrenzen eingespannte Betonwände Flure und Höfe. Nicht tragende Wände und Türen sind weiß gestrichen. Der Sichtbeton wird in stark frequentierten öffentlichen Bereichen ergänzt durch graublauen Crailshaimer Muschelkalk als Bodenbelag.

Feingegliederte Elemente aus unbehandeltem Lärchenholz bedecken die Fassaden der langgezogenen Baukörper und stellen den Bezug zum angrenzenden Wald her. Der zweischichtige Fassadenaufbau ist in drei Konstruktionsebenen gegliedert: Eine raumhoch verglaste Pfosten-Riegelfassade aus Holz ist geschossweise mit U-Stahlschienen an den Stahlbetonflachdecken befestigt, ihr Rastermaß von 60 cm ermöglicht die flexible Raumaufteilung. Diese thermische Hülle ist durch einen Wartungszwischenraum von den Sonnenschutzlamellen aus Lärche getrennt, die auf einer Unterkonstruktion aus verzinkten Stahlprofilen befestigt sind. Diese ist über drei Geschosse zusammengesteckt; ihre vertikale Lastabtragung erfolgt über die Landschaftsmauern, die Horizontalkräfte werden an die Fassade weitergeleitet. Die drehbaren Lamellen sind in Abhängigkeit von den Innenräumen motorisch gesteuert. Innerhalb von 90 Sekunden können sich die Längsseiten der Gebäude auffächern, so dass die gläserne und transparente untere Gebäudehaut zum Vorschein kommt.

Nachhaltig Bauen
Die Häuser verfügen über ein insgesamt günstiges Verhältnis von Oberflächen zu Volumen. Ihre einfache und kompakte Gestalt sowie die Verwendung regionaler Materialien reduzieren den Energieeinsatz von Herstellung und Transport auf das notwendige Minimum. Die Fassaden mit vertikalen drehbaren Elementen in Form von Holzläden sind hochwertig ausgeführt. Sie gewährleisten den sommerlichen Wärmeschutz und ermöglichen eine schnelle Reaktion auf jahreszeitliche Umweltbedingungen. Massive Betonschotten und Decken dienen als Speichermassen und sorgen für ein gleichmäßiges Raumklima.

Eine auf der Dachfläche installierte Photovoltaikanlage mit rund 6.000 m² Kollektorfläche, bestehend aus 3.034 Modulen erzeugt eine Gesamtleistung von 555,24 kWp. Alle haustechnischen Anlagen sind auf das Notwendige reduziert und werden durch intelligente Konzepte zur Lüftung und Heizung ergänzt. So wird das Gebäude über Nacht natürlich belüftet, so dass die Speichermassen auch abkühlen können. Im Sommer ist auch der Luftaustausch zwischen den Büros und Seminarräumen über Lüftungsklappen zu den Fluren und innen liegenden Höfen möglich. Einschnitte in den Gebäudestirnseiten erlauben das einfache und effektive Lüften der dort liegenden großen Seminarräume und Labore. -us

Bautafel

Architekt: MGF Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Wolff und Müller Esslingen (Generalunternehmer und Investor); Ingenieurgruppe Bauen Karlsruhe (Tragwerksplanung); Paul + Gampe und Partner, Esslingen (HLS-Planung); Hildebrand und Hau, München (Elektroplanung); Knoll Ökoplan, Leipzig (Freiraumplanung)
Bauherr: Vermögen und Bau Baden-Württemberg Amt Schwäbisch Gmünd
Fertigstellung: 2006
Standort: Anton-Huber-Straße 17-25, Aalen
Bildnachweis: Christian Richters, Münster

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