Parkhaus in Wendlingen am Neckar

Kreislauffähiger Holzskelettbau

In Wendlingen am Neckar südöstlich von Stuttgart befindet sich mit dem Holzparkhaus Schwanenweg das derzeit größte deutsche Parkhaus in Holzhybridbauweise. Entworfen wurde das fünfgeschossige Gebäude von den Stuttgarter Herrmann + Bosch Architekten im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA'27) Stadtregion Stuttgart. Der Neubau nördlich des Bahnhofs bildet den Auftakt zum künftigen Otto-Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Weberei Heinrich Otto & Söhne. Das Parkhaus am Bahnhof ist gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden, als Park+Ride-Angebot soll es den Straßenverkehr in der Region entlasten.  

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Ovaler Grundriss maximiert Stellflächen

Der ovale Grundriss ermöglicht eine effiziente Nutzung der Fläche: Dank der organischen Form ließen sich tote Winkel auf dem begrenzten Grundstück vermeiden und die Anzahl der Stellplätze maximieren. Auf fünf Ebenen und einer Bruttogrundfläche von rund 10.900 Quadratmetern sind 349 Stellplätze untergebracht. Das Parkhaus bietet zahlreiche Ladestationen für E-Autos und E-Bikes sowie gesicherte Abstellmöglichkeiten für rund 200 Fahrräder.

Gen Süden ist die Fassade offen gestaltet und die Holzkonstruktion sichtbar belassen. Die Nordseite des Gebäudes ist mit einer Schallschutzfassade aus transluzentem Profilglas über alle Ebenen ausgestattet. Sie soll die geplante Wohnbebauung vor Lärm aus dem Parkhaus, der angrenzenden Bahntrasse und einer Straßenüberführung schützen. 

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Tragwerk aus Brettschichtholz für große Spannweiten

Das Gebäude ist ein Holzskelettbau mit Stützen und Trägern aus Brettschichtholz (BSH). Die Stützen erhielten als Maßnahme des konstruktiven Holzschutzes eine Lärchenholzschalung als Wetterschutz. Die Decken sind aus Brettsperrholz (BSP) gefertigt. Die Rampendecken und die beiden Treppenhäuser an der Nord- und Südseite sind aus statischen Gründen und brandschutzbedingt aus Beton errichtet.

16 Meter lange BSH-Träger mit einem Gewicht von zweieinhalb Tonnen überspannen die Parkflächen stützenfrei und laufen strahlenförmig aus der Mitte zu den Außenstützen. Jeweils sechs Unterzüge liegen dabei auf einem L-Stützelement auf. Die Horizontalaussteifung erfolgt über die seitlichen Beton-Treppenhäuser.

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Verbindung der vorgefertigten Elemente

Die im Werk vorgefertigten Elemente wurden vor Ort montiert. Die Unterzüge wurden per Kran auf die Stützen gesetzt, ihre Verbindung erfolgt nach dem Nut- und Feder-Prinzip. Für den Anschluss an den Treppenhauskern gibt es Aussparungen im Beton, in denen die Holzträger mittels Stahlbauteilen befestigt sind. Die 12 cm starken BSP-Platten sind mit den Unterzügen verschraubt. Die Rampen bestehen aus Stahlbetonfertigteilen, die auf den Trägern aufliegen und punktuell über Stahldollen verbunden sind. 

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Umnutzung und Rückbau möglich

Der Neubau ließe sich vollständig abbauen und an anderer Stelle wieder aufbauen. Die Tragelemente könnten im Sinne der Kreislaufwirtschaft auch anderweitig wiederverwendet werden. Aufgrund der stützenfreien Ebenen und großzügiger Geschosshöhen von 2,30 bis 2,40 Metern ließe sich das Gebäude auch als Wohn- oder Bürohaus umnutzen. Anstelle des Rampenkerns könnte ein Innenhof der Belichtung und Erschließung von Wohn- und Arbeitsräumen dienen.

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Um die Kreislauffähigkeit des Gebäudes sicherzustellen, kamen keine Verbundmaterialien zum Einsatz. Beim Bodenaufbau beispielsweise wurde der Oberbelag durch eine Trennlage von der Holzdecke separiert. So sind ein einfacher Rückbau, eine sortenreine Trennung und die Wiederverwendbarkeit der Materialien gegeben. Das Dach ist begrünt, eine Photovoltaikanlage versorgt die E-Ladestationen mit Strom. Das Parkhaus ist natürlich belüftet und kommt ohne Brandmeldeanlage aus. Die Dach- und Fassadenbegrünung entsprechen einem nachhaltigen Regenwasserkonzept.

Bautafel

Architektur: herrmann+bosch architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: knippershelbig, Stuttgart (Tragwerksplanung); brandschutz plus, Wiehl (Brandschutz); H+H Planungsgesellschaft, Pforzheim (HLSE-Planung); Planstatt Senner, Stuttgart (Landschaftsarchitektur); GN Bauphysik, Stuttgart (Bauphysik)
Bauherr/in: Stadt Wendlingen am Neckar
Standort: Wendlingen am Neckar
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Roland Halbe, Stuttgart

Fachwissen zum Thema

Brettschichtholz (BSH) besteht aus mehreren miteinander verleimten Brettern oder Brettlamellen.

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Baustoffe

Brettschichtholz

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Beispiel Skelettbauweise: House of Natural Resources auf dem Campus Hönggerberg der ETH in Zürich (2015)

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Holzbausysteme

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Weil das Tragwerk von der Hülle und dem Innenausbau des Gebäudes weitgehend unabhängig ist - es handelt sich um ein sogenanntes offenes Bausystem - ermöglicht die Skelettbauweise hohe Flexibilität.

Dachträger aus Brettschichtholz kommen im Hallenbau häufig zum Einsatz.

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Konstruktionselemente

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Wie bei Tragwerken aus Beton oder Stahl bilden Träger im Holzbau sehr unterschiedliche Geometrien aus. Geradlinige BSH-Träger können mit Spannweiten bis 60 Meter hergestellt werden.

Holzbaukompetenz und Holzbauerfahrung sollte bei allen Beteiligten vorhanden sein, bei Tragwerksplanung, Schallschutz und Brandschutz ist diese Kompetenz unerlässlich (Abb.: Firmensitz Flexim in Berlin-Marzahn, ZRS Architekten Ingenieure, 2017).

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Planungsprozesse

Was ist ein holzbaugerechter Planungsprozess?

Um die Holzbaukompetenz zu einem frühen Zeitpunkt ins Planungsteam zu bekommen, sollte die übliche strikte Trennung von Planung und Ausführung aufgelockert werden.

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