Apartment in Paddington/London
Vertikalschiebefenster und Rundbogentüren in einem denkmalgeschützten Kontext
Eine dreiköpfige Familie erwarb in Paddington, einem zentral gelegenen Stadtteil im Londoner Borough of Westminster, ein Apartment. Das städtische Umfeld prägen sogenannte Terraced Houses – serielle, überwiegend drei- bis viergeschossige viktorianische Reihenhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Sie erzeugen ein ruhig-homogenes, historisch geprägtes Erscheinungsbild. In der betreffenden Straße stehen sowohl die Fassaden als auch die Kubaturen unter Denkmalschutz. Charakteristisch sind repräsentative Eingangsportale mit baldachinartigen Vordächern, Säulen und Pilastern sowie rhythmisch gegliederte Fassaden mit Bay-Window-Erkern und hellen Stuckbändern auf roten Backstein- oder cremefarbenen Oberflächen.
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Wie bei Eingriffen in Bestandsgebäude mit denkmalgeschützter Substanz üblich, stellte sich die Frage nach einem angemessenen gestalterischen Umgang. Die Familie wünschte sich keine minimalistische White-Box-Ästhetik und auch keinen zu starken Gegensatz zum urbanen Kontext. Andererseits sollte die Wohnung auch kein – wie sie es selbst ausdrücken – Pastiche werden, also keine Imitation oder Dekoration mit pseudohistorischem Interieur. Sie beauftragten die junge Architektin Sofia Xanthakou und ihr Team Local Local, denn diese hatten in Athen eine ganz ähnliche Herausforderung gemeistert (siehe Objekte zum Thema). Eine zusätzliche Verbindung ergab sich durch die gemeinsamen griechischen Wurzeln von Architektin und Bauherrschaft.
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Proportion, Spolien, Raumstruktur
Im Inneren des rund 95 m² großen Apartments herrschte Tabula rasa: Die Räume waren von den Vorbesitzern weitgehend entkernt und in einem kargen Zustand hinterlassen worden.
Im Zuge der Bestandsanalyse untersuchte Xanthakou insbesondere die klassischen Proportionen, die großzügigen Raumhöhen, die zentrale Erschließungsstruktur sowie die Blickbeziehungen straßenseitig auf den historischen Stadtraum und rückseitig in einen begrünten Hof. Erhaltenswerte Elemente – darunter Vertikalschiebefenster und eine Kaminverkleidung, die an Spolien erinnern – wurden sorgfältig restauriert. Dagegen wurden nichttragende, verschachtelte Innenwände zugunsten einer klareren und funktionaleren Raumstruktur entfernt.
Architrav, Rundbogenfenster, fensterloser Raum
Küche, Wohn- und Essbereich sind nun ein zusammenhängender Raum, da die trennende Wand zugunsten einer großen Öffnung mit einem türlosen, weißlackierten Architrav aufgelöst wurde. Mehrere rechtwinklige Türöffnungen wurden durch Rundbogentüren ersetzt, die – ebenfalls weiß lackiert – ein weicheres, fließenderes Raumkontinuum erzeugen. Diese Elemente stellen zugleich eine zeitgenössische Interpretation klassizistischer Formensprache dar. Ein ehemals straßenseitig gelegenes Badezimmer wurde in ein zweites Schlafzimmer umgewandelt, während ein zuvor fensterloser Raum neu organisiert und in ein Badezimmer sowie einen begehbaren Kleiderschrank für das Elternschlafzimmer unterteilt wurde.
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Farb-, Licht- und Materialkonzept
Das durchgängige, monochrom-weiße Farbkonzept trägt dazu bei, dass das Apartment auch unter den klimatisch oft diffusen Lichtverhältnissen Londons lichtdurchflutet und einladend wirkt. Sonnengelbe Rollos, Blicke in den grünen Garten sowie eine himmelblaue Lackierung ausschließlich im Inneren der maßgefertigten Küchenschränke setzen Akzente. Materialseitig zitieren eine Kaminplatte aus grünem Tinos-Marmor sowie ein Badezimmer aus feinkörnigem weißem Dionysos-Marmor ebenfalls die griechische Herkunft. Ergänzt wird die Materialpalette durch warme Holztöne, unter anderem in Form einer privaten Sammlung von hölzernen Sitz- und Schlafmöbeln sowie neu verlegter, besonders breiter Massivholzdielen aus skandinavischer Douglasie. Im begehbaren Kleiderschrank wird das Spiel von Licht und Schatten durch dunkel gebeizte Hölzer variiert. Hier entstand eine nahezu intim anmutende, kapselartige Schatzkammer.
Die Architektin zieht als Fazit (Übersetzung SJ): „Wir wollten
ein Zuhause schaffen, das seinen historischen Kontext aus dem 19.
Jahrhundert respektiert und gleichzeitig den Ansprüchen modernen
Wohnens gerecht wird. Anstelle einer Rekonstruktion historischer
Details orientieren sich die Eingriffe direkt oder indirekt an der
viktorianischen Wohnarchitektur. Durch die Integration der wenigen
restaurierten Originaldetails mit sorgfältig ausgewählten neuen
Elementen wurde die Wohnung in ein zeitloses, aber unverkennbar
modernes Interieur verwandelt, das sich harmonisch in das
denkmalgeschützte Gebäude einfügt." -sj
Bautafel
Architektur: Local Local, Sofia Xanthakou, Athen
Projektbeteiligte: Berios (Ausführung); Delta Marbles (Marmor); Sirigos Deluxe Furniture (Tischlerarbeiten Küche und Schrankraum), Dinesen (Dielenboden)
Bauherr*in: privat
Standort: London/UK
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Lorenzo Zandri, London, über The Architecture Curator
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