SAWA Wohnhochhaus in Rotterdam
Terrassierter Holzskelettbau
Rotterdam ist reich an architektonischen Hinguckern, dennoch fällt das Wohnhochhaus SAWA am Lloydpier direkt ins Auge: Der fünfzig Meter hohe Bau ist nahezu komplett aus Holz errichtet und treppt sich von Norden nach Westen über fünfzehn Terrassen herab, die als hängende Gärten geplant sind. Inspiration dafür waren asiatische Reisfelder, Sawah auf Indonesisch, denn hier am Pier legten einst die Schiffe der Reederei Rotterdamsche Lloyd an, die Passagiere und Waren zwischen dem heutigen Indonesien und den Niederlanden beförderten. Dieser Teil des Hafens wurde über Jahre für eine zentrumsnahe Wohnnutzung umgebaut; das enge Grundstück des SAWA war eine der letzten Baulücken, die ab 2019 von Mei architects and planners und den Projektentwicklern NICE Developers und ERA Contour geplant und realisiert wurde.
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Soziale Durchmischung der Nachbarschaft
Die terrassierte Kubatur mit gestaffelten Geschossen ermöglicht eine gute Belichtung der Nachbargebäude und ist zugleich kompakt genug, um effizient nachzuverdichten. Insgesamt entstanden auf 12.500 Quadratmetern Geschossfläche 109 Wohnungen, die unterschiedliche Größen (von 50 bis 170 Quadratmetern) haben, teilweise vermietet, teilweise verkauft wurden und von denen einige für Menschen aus sogenannten systemrelevanten Berufen reserviert sind. Ziel war, die soziale Durchmischung der Nachbarschaft zu fördern. Damit sich die Menschen im Haus auch tatsächlich begegnen, plante das Architekturteam Laubengänge ein. Diese ersparen zudem eine mittige Flurerschließung und schaffen so Wohnungen, die sich von einer Gebäudeseite zur anderen erstrecken und so eine Querlüftung und eine gute Belichtung ermöglichen. Zahlreiche Serviceeinrichtungen im Gebäude kommen auch der Nachbarschaft des Viertels zugute und schaffen weitere Begegnungsorte, wie einen gemeinschaftlichen Gemüsegarten, ein Car- und Bikesharing-Angebot und Co-Working-Spaces.
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Skelettbau aus vorgefertigten Holzbauteilen
Ziele für den Entwurf waren die CO2-Reduktion gegenüber klassischen Bauten, die Kreislauffähigkeit der eingesetzten Baustoffe und die Flexibilität der Grundrisse, mit denen nachhaltig auf veränderte Bedarfe reagiert werden kann. Aus diesem Grund entschied man sich für eine Skelettkonstruktion aus vorgefertigten Brettschichtholzträgern und -stützen (Glulam) mit einem Querschnitt von über einem halben Meter sowie vorgefertigte 24 Zentimeter dicke Massivholzdecken aus Brettsperrholz (CLT). Lediglich die Bodenplatten, die Tiefgarage und der Erschließungskern bestehen aus Beton. Insgesamt wurden bei diesem Bauwerk 3.500 Kubikmeter Holz, vor allem aus deutschen Wäldern, verwendet. Die Geschossflächen ermöglichen mit einem Stützenraster von sechs auf sieben Metern und ohne tragende Wände einen flexiblen Grundriss. Die Holzdecken wurden nicht mit einem konventionellen Betonaufbau beschwert, sondern mit einer Kiesschüttung. Diese ist reversibel und ermöglicht die einfache Verlegung der Installationen im Kiesbett, bringt aber auch das notwendige Gewicht auf, um Schwingungen und Schallübertrag entgegenzuwirken.
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Nachhaltige Gebäudetechnik
Grundsätzlich war es ein Ziel, die technische Ausstattung und die damit verbundenen Installationsdurchbrüche auf ein Minimum zu beschränken. Aber natürlich bedarf das Gebäude allein wegen seiner Größe, aber auch wegen seiner Holzbauweise einer grundlegenden Gebäudetechnik. So sind die Wohnungen für eine natürliche Querlüftung ausgelegt, werden zudem aber von dezentralen, mechanisch gesteuerten Fassadenlüftungsklappen mit sensorischer CO₂-Regelung ergänzt, die einen komfortablen, holzschonenden und energiesparenden Luftaustausch ermöglichen. Beheizt wird das Gebäude über Fernwärme, die Photovoltaikanlage liefert Strom für gemeinschaftliche Funktionen wie den Aufzug, die Beleuchtung der Laubengänge sowie die Ladeinfrastruktur für E-Autos und E-Bikes. Zur Brandbekämpfung sind 990 Sprinkler verbaut.
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Anforderungen aus dem Holzbau
Wie im Holzbau zu erwarten waren die Anforderungen an den Brandschutz, an Akustik, Schwingungskontrolle und Luftdichtheit sowie an reversible, belastbare Anschlüsse anspruchsvoll. Nachträgliche Eingriffe im Holzbau sind zudem nur aufwendig durchzuführen. Daher arbeitete das Architekturteam eng mit den Fachplanenden und Gewerken zusammen und plante das Gebäude bis ins Detail am 3D-Modell. Auch die Haustechnik wurde am digitalen Gebäudemodell geplant, damit Aussparungen, Leitungswege und Schnittstellen zwischen Rohbau und Ausbau frühzeitig klar waren und die Anforderungen vor allem an den Brandschutz erfüllten. Alle Leitungen, die durch Decken geführt werden, wurden mit Membranen luftdicht abgeschlossen, um eine Brandausbreitung entlang der Leitungswege zu verhindern. Um die Ausführung zu beschleunigen und die Bedienung zu vereinfachen, ist die Haustechnik mit einer funkbasierten Steuerung von Licht und Beschattung ausgestattet. Dafür wurden vorprogrammierte Schalter eingebaut, die auf der Baustelle ohne zusätzliche Verdrahtung montiert werden konnten.
Noch müssen die hängenden Gärten wachsen. Dafür sind Terrassen, Balkone und Dachflächen mit standortgerechten heimischen Arten bepflanzt. Sie haben zudem 140 Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse. Auch so soll die Nachbarschaft am Hafen diverser und lebenswerter werden.
Bautafel
Architektur: Mei architects and planners, Rotterdam
Projektbeteiligte: Pieters Bouwtechniek, Amsterdam (Tragwerksplanung); DGMR, Arnhem (Bauphysik); Adviesbureau Hamerlinck, Roosendaal (Brandschutz); Pirmin Jung, Rain (Holzbau); Derix Group, Niederkrüchten (Holzbau); Copijn, Utrecht (Ökologie); Bureau Stadsnatuur, Rotterdam (Biodiversität); Piet Vollaard, Rotterdam (Biodiversität); Peutz, Mook (Windgutachten); Jung, Schalksmühle (Schalter und funkgesteuerte Haustechnik)
Bauherr: NICE Developers, Rotterdam; ERA Contour, Zoetermeer
Standort: Lloydstraat, 3024 EA Rotterdam, Niederlande
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Rosoriginal Photography, Alphen aan den Rijn
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