Camberwell Cork House in London
Hinterhaus im Korkkleid
Ein Londoner Ehepaar hatte sich zum Ziel gesetzt, sein viktorianisches Reihenhaus nicht nur zu verschönern, sondern es auch zu erweitern und besser mit dem Garten zu verbinden – und ihm dabei ein „kreatives Flair“ zu verpassen. Mit der herausfordernden Aufgabe betrauten sie 2023 das junge Büro Delve Architects aus dem Süden der Hauptstadt. Durch sein Satteldach fügt sich der Anbau in das Straßenbild ein, mit einer Korkfassade erhielt er den gewünschten, besonderen Charakter, bei zugleich verbesserter Umweltbilanz.
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Renovierung und Erweiterung
Das Vorderhaus wurde renoviert und ein Hauswirtschaftsraum eingerichtet. Zudem schufen die Architekt*innen einen neuen Loungebereich. Um darin eine warme, wohnliche Atmosphäre zu erzeugen, sind die Wände der Lounge mit Lehmfarben in venezianischem Rot gestrichen. Der in 26 Wochen fertiggestellte Um- und Anbau vergrößert das Hinterhaus um 20 Quadratmeter. Aus einer kleinen Küche und einem dunklen, engen Hinterzimmer wurde ein offener Raum voller Licht mit freiem Blick in den angrenzenden Garten.
Der offen gestaltete Hauptraum des Anbaus, der Küche und Esstisch beherbergt, ist gegenüber den Wohnräumen im Vorderhaus um zwei Stufen abgesenkt. Diese Abstufung ist ein Prinzip, das die Planer*innen bevorzugt bei viktorianischen Häusern als strukturierendes Gestaltungselement einsetzen. In diesem Fall schaffte sie einen Ort für gesellige Anlässe und zugleich einen besseren Übergang zwischen Wohn- und Außenbereich. Zusätzlich betont wird die Verbindung von Küche und Garten durch die innen wie außen verlegten Terrakottafliesen und die großzügigen Fensterfronten. Zudem erstreckt sich ein Oberlichtband über die gesamte gartenseitige Dachfläche.
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Fassade und Dämmung aus Kork
Die Dreifachverglasungen der leuchtend grün gestrichenen Fenster und der 2,4 Meter hohen Terrassentür verbessern Luftdichtigkeit und Wärmedämmung des Hinterhauses. Für viele der neuen Elemente wählte man natürliche Baustoffe wie Lehmfarbe, Terrakottafliesen und Korkplatten für Fassade und Dämmung. Die Fassade ist mit MD Façade Cork Boards im Format 1000 x 500 mm verkleidet. Sie sind robuster und witterungsbeständiger als herkömmliche Korkdämmplatten, unter anderem wegen ihrer auf 140 bis 160 kg/m3 erhöhten Dichte. Ihre Druckfestigkeit bei 10 % beträgt 220 kPa und die Wasseraufnahme bei teilweiser Eintauchung 0,17 kg/m2. Die Wärmeleitfähigkeit der Dämmplatten liegt bei λ = 0,043 W/mK.
Für das Material sprach nicht nur die angenehme Haptik, sondern auch, dass Kork zu 100 Prozent natürlich und recycelbar ist und wenig graue Energie enthält. Ebenso haben die bauphysikalischen Eigenschaften überzeugt: Kork ist atmungsaktiv, von Natur aus wasserabweisend und weist hervorragende thermische sowie akustische Eigenschaften auf. Aufgrund seines Brandverhaltens fällt Kork in die Euroklasse E, gilt also als normal entflammbar. Kork ist zudem ein nachwachsendes Material, das im neunjährigen Turnus von Korkeichen in Portugal gewonnen wird.
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Kork als Herausforderung
Die Korkverkleidung hat ihren ganz eigenen Charakter und stellte die Planenden nach eigenen Angaben vor Herausforderungen. So hatten die zuständigen Bauinspektoren vorher noch keinen Kontakt zu dem Material und zunächst Probleme mit dem Verständnis des Wandaufbaus. Es bedurfte daher einiger Überzeugungsarbeit, bevor klar war, dass der Neubau den Bauvorschriften entsprach – wobei die Datenblätter des Herstellers und thermische Berechnungen der Planenden hilfreich waren. Auch das Team des Generalunternehmers hatte das Produkt zuvor noch nicht verwendet, konnte die Installation aber mit der Anleitung durch den Fachhändler und Unterstützung der Planenden erfolgreich umsetzen.
Sensibles Material
Bei den Baumaßnahmen und auch danach zeigte sich, dass Kork sorgfältig behandelt werden muss. Die Dämmung ist zwar robust und lässt sich mit einem faserverstärkten Klebstoff leicht anbringen, doch die Fassadenplatten sind mit einer Stärke von 40 mm relativ dünn. Einige davon sind während des Einbaus zerbrochen, und mussten ersetzt werden. Zudem haben die Bewohner*innen festgestellt, dass sich die Ecken ein wenig ablösen können, wenn sich Personen an die Fassade lehnen. Allerdings lassen sich die Platten leicht austauschen, falls es zu größeren Beschädigungen kommt.
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Wandaufbau
- 40 mm MD-Fassadenkorkplatte (λ = 0,043 W/mK)
- faserverstärkter Klebstoff
- 140 mm expandierte Korkdämmplatte (λ = 0,040 W/mK)
- gedämmte Mauerwerksbefestigungen
- faserverstärkter Klebstoff
- 100 mm Mauerwerk Betonstein
- faserverstärkter Klebstoff
- 80 mm expandierte Korkinnendämmplatte (λ = 0,040 W/mK)
- gedämmte Mauerwerksbefestigungen
- Innenplatte
- Putz
Bautafel
Architektur: Delve Architects, London
Projektbeteiligte: CSC Build It (Generalunternehmer); Cogley Structural Solutions (Statiker); Mike Wye (Verarbeiter Korkdämmung und -wände); Amorim (Hersteller MD Façade Cork Boards); SecilTek (Hersteller faserverstärkter Klebstoff Isovit E-Cork); Tarmac (Hersteller Betonstein Durox Supabloc 7)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2023
Standort: Ladywell (Lewisham), London, Vereinigtes Königreich
Bildnachweis: Fred Howarth, London (Fotos), Delve Architects, London (Pläne)
Fachwissen zum Thema
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