Hinterhof Colmi in Basel
Viermal Wohnen und Arbeiten
Werkstätten, ein Pferdestall und ein Natursteinkeller – ein typischer Basler Hinterhof um 1900. Vieles, aber nicht alles, hat sich auf dem Grundstück an der Colmarerstraße verändert: Durch Um- und Neubauten ist nun Platz für Mietwohnungen, Kleingewerbe und Ateliers. Dabei kombinierten Rahbaran Hürzeler Architekt:innen Beton und Holz mit Steinwolle.
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Leben im Hof
Die Schuppen und Unterstände waren direkt an die Grundstücks- und Brandmauern gebaut worden – nicht unüblich für die Hinterhöfe der Basler Blockrandbebauungen. Im Laufe der Zeit hatten sich hier kleine Handwerksbetriebe angesiedelt, zudem gab es einen großen, sehr hohen Natursteinkeller, in dem vermutlich Weinfässer lagerten. Bei der Umgestaltung achteten die Planer*innen darauf, dass trotz der erhöhten Dichte die idyllische Atmosphäre des Ortes erhalten blieb. Natursteinwände, kleinteilige Bauten und Kletterpflanzen prägten den Hinterhof. Der erhaltenswerte Bestand wurde umgenutzt und um Neubauten ergänzt.
Heute gehören vier Gebäude zu dem Ensemble: das Vorderhaus sowie drei Reihenhäuser, ein Wohnatelier im früheren Pferdestall und ein flacher Pavillon. Ein zentraler Weg mit einem offenfugigen Belag verbindet die Bauten, begleitet von Bäumen und Stauden. Wieder ist Gewerbe im Hof beheimatet. Im Erdgeschoss des Vorderhauses liegen je ein Lokal zur Straße und zum Hof hin. Darüber hinaus stehen Teile des Naturkellers und des Pferdestalls einer gewerblichen Nutzung zur Verfügung.
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Neues Vorderhaus
Das baufällige, dreigeschossige Vorderhaus wich einem Neubau mit vier Voll- und zwei Attikageschossen. Außerdem wurde die Gebäudetiefe um eine Raumschicht erweitert. Die vier Vollgeschosse beherbergen jeweils familienfreundlich geschnittene 4,5-Zimmer-Wohnungen. Eine weitere Wohnung nimmt die beiden Attikageschosse ein.
Als Tragstruktur wurde ein schlankes Ortbetonskelett zwischen den Bruchstein-Brandmauern eingepasst. Das Treppenhaus steift die Konstruktion aus, Fassade und Innenwände sind in Leichtbauweise konstruiert und somit veränderbar. Um die lichte Raumhöhe möglichst groß zu halten, minimierte man die Stärke der Betondecke auf 20 Zentimeter und ergänzte sie mit Betonunterzügen von 20 Zentimetern Höhe. Im Attikabereich wurden die seitlichen Brandmauern aufbetoniert.
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Reihenhäuser über dem Weinkeller
An der nördlichen Brandwand lehnen drei neue Reihenhäuser mit weiteren Wohnungen. Das alte Hinterhaus wurde dazu bis auf die Mauern des historischen Weinkellers abgebrochen. Dann fügte man neue Ortbetonstützen und -decken in das bestehende Becken ein, sodass eine imposante überhohe Halle entstand. Die Planer*innen öffneten sie mit einer neuen Glasfassade, einem Lichthof und einer Außentreppe. Damit entstand ein witterungsgeschützter, beheizbarer Multifunktionsraum für die Bewohner*innen.
Betonschotten gliedern die ansonsten in Holzleichtbauweise errichteten oberirdischen Geschosse. Sie verfügen jeweils über eine große Wohnküche auf Hofebene, private Zimmer im Obergeschoss und einen gemeinschaftlichen Dachgarten. Das Untergeschoss bildet der historische Weinkeller – eine imposante überhohe Halle.
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Pavillon und Pferdestall
An der südlichen Brandwand steht ein neuer Pavillon. Die eingeschossige Holzständerkonstruktion setzte man direkt an die Mauer. Der durch Vorhänge unterteilbare Raum dient als Gemeinschafts- und Werkraum oder temporär als Wohnung.
Ganz am Ende der Parzelle befindet sich der historische Pferdestall – nun ein Wohnatelier mit Pultdach. Das Bestandsgebäude wird auf drei Seiten von den Grundstücksmauern gehalten. Erhalten blieb das in Massivbauweise konstruierte Erdgeschoss und – soweit möglich – der hölzerne Dachstuhl. Neue Balken und Stützen ergänzen die Konstruktion statisch. Komplett ersetzt wurde das Sparrendach. Eine Wendeltreppe aus Stahl verbindet die drei Geschosse.
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Material
Beton kam nur dort zum Einsatz, wo er statisch sinnvoll und notwendig war. Die übrigen Wände und Decken bestehen aus vorgefertigten Holzelementen. Die differenziert gestalteten Fassaden erwecken den Eindruck, als handele es sich um ein gewachsenes Ensemble. Silbergraue Holzverkleidungen wechseln sich mit großformatigen Fenstern in Taubenblau und Salbeigrün ab. Im Kontrast dazu erscheinen die Massivsteinmauern und roten Sandsteinwänden des ehemaligen Pferdestalls sowie die betongrauen Wände und raumhohen Glasscheiben des Vorderhauses.
Zur Straße hin nimmt die Fassade des Vorderhauses Bezug auf die vertikale Gliederung der Nachbargebäude, die ebenfalls um 1900 errichtet wurden. Hohe Fensterformate mit faltbaren Klappläden sind wie der Straßenname eine Hommage an das nahe Frankreich. Das Erdgeschoss des Vorderhauses zeigt eine kompakt verklebte Keramikfassade mit verputzten Sockel. Dazu gesellen sich pulverbeschichtete Alufenster mit Metallfensterbänken. Bei den Obergeschossen findet man straßenseitig hinterlüftete Fassaden in Aluminium- Wellblech mit Holzfenstern in Lärche Natur und Laibungszargen in feuerverzinktem Stahl. Die vierteiligen Klappläden sind pulverbeschichtet.
Hofseitig setzte man auf eine hinterlüftete Holztäfer-Fassade in Weißtanne mit Vorvergrauungslasur und lackierten Holzfenstern. Genauso gestaltet sind die Reihenhäuser und der Pavillon. Bei den dortigen Geländern setzte man feuerverzinkten Stahl ein. Das Mauerwerk des Pferdestalls wurde verputzt und die bestehenden Sandsteinwände wurden ergänzt. Für die Holzfenster nahm man Lärche Natur, für die Absturzsicherung und den UV-Schutz wählte man Weißtanne.
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Dämmung: Steinwolle und XPS
Verschiedene Dämmmaterialien kamen zum Einsatz. Für die Holzständerwerke der Reihenhäuser, des Pavillons und des Pferdestalls verwendete man eine Zwischendämmung aus Steinwolle sowie eine Überdämmung aus Holzfaserplatten. Die Leichtbaufassade des Vorderhauses wurde ebenfalls mit Platten aus Steinwolle gedämmt. Wegen der Gebäudehöhe und aus Brandschutzgründen kam Steinwolle auch bei der Überdämmung zum Einsatz. aus Steinwolle.
Hier wurde bei den seitlichen Anschlüssen an Bestandswände aus bauphysikalischen Anforderungen teilweise auch Polystyrol-Extruderschaumstoff (XPS) verwendet. Der Umfang ist flächenmäßig aber gering. Die Dämmung der Kellerwände sowie des Bodens zum Erdreich hin besteht ebenfalls aus XPS und teilweise aus Foamglas.
Bautafel
Architektur: Rahbaran Hürzeler Architekt:innen, Basel
Projektbeteiligte: Fischer Jundt Architekten, Basel, (Baumanagement und Bauleitung); Gohl Landschaftsarchitektur, Basel (Landschaftsarchitektur); zpf Ingenieure, Basel (Tragwerksplanung);i ngBP Ingenieurgesellschaft, Kiesen (Bauphysik); HeiVi, Basel (Heizung/Lüftung); Swissplan Gebäudetechnik, Basel (Sanitärplaner); Eplan, Reinach (Elektroplaner); Von Ballmoos Engineering, Oensingen( PV-Planer); Kiefer & Studer, Reinach (Geologie); RISAM, Basel (Brandschutz Beratung); Hürzeler Holzbau, Magden (Zimmerei); Morath, Allschwil (Spengler/Flachdach); BSK, Basel (Elektroinstallation); Von Ballmoos Solar, Oensingen (Photovoltaik Anlage); Klima, Basel (Wärmeverteilung); Barmettler + Co, Moosleerau (Erdsondenbohrung); Trimtech, Reinach (Lüftungsanlagen); Lüthi Haustechnik, Birsfelden (Sanitäranlagen); Schreinerei Hochuli, Muttenz (Innentüren); Hürzeler Holzbau, Magden und Schreinerei Hochuli, Muttenz (Schreinerarbeiten)
Bauherr*in: privat
Standort: Colmarerstraße 14a-e, 4055 Basel, Schweiz
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Weisswert, Basel (Fotos); Rahbaran Hürzeler Architekten, Basel (Pläne)
Fachwissen zum Thema
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