Riverhouse am Pawcatuck, Rhode Island
Innen-Außen-Verknüpfung, Sichtachsen, Panorama-Ausblicke
Amale Andraos und Dan Wood, die Gründer*innen des New Yorker Architekturbüros WORKac, nutzten seit 2014 ein Haus am Pawcatuck-Fluss im ländlichen Rhode Island als Rückzugs- und Wochenendhaus für ihre vierköpfige Familie. Während der Pandemie verbrachten sie dort viel Zeit, sodass sich das Haus schließlich zum ständig bewohnten Familienhaus entwickelte. Oft kamen auch befreundete Künstler*innen und Kolleg*innen vorbei, die bei ihnen in einer Art informellem Camp übernachteten. Das Haus zeigte jedoch mehr und mehr Schäden: Die stark verzogenen Türen ließen sich nicht mehr schließen und auch die übrige Bausubstanz wurde zunehmend schadhafter. Daher beschloss die Familie eine komplette Transformation innerhalb des existierenden Fußabdrucks mit minimalen ökologischen Eingriffen, zumal das gesamte Flussgebiet mitsamt Ufern und Wäldern unter Naturschutz steht.
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Volumen und Geometrie
Das zweigeschossige Haus hat knapp 300 m² auf einer rechteckigen Grundfläche. Der Um-, Neu- und Ausbau erfolgte partizipativ und größtenteils tatsächlich in händischer Arbeit über einen Zeitraum von fünf Jahren. Das Haus entspricht einem Nullenergiehaus-Standard u. a. mit Dreifachverglasungen, großflächiger Photovoltaik mit Batteriespeichern und etwa 35 cm starker Dämmung aus Holzfasern. Das Volumen setzt sich aus einem Untergeschoss und Erdgeschoss mit einem Dach zusammen. Entlang eines diagonalen Grats als Dachfirst faltet sich dieses Dach in unterschiedlich schräge Flächen. Dieses geometrische Manöver ermöglicht sehr hohe Räume im Erdgeschoss, bietet optimale Dachschrägen für Photovoltaik-Module und lässt Einschnitte für Oberlichter und Dachterrassen zu. Mit zahlreichen Modellstudien überprüfte und verfeinerte WORKac das Volumen, denn das Haus dient gleichzeitig als experimenteller Prototyp zum Sammeln von Erfahrungen.
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Räumliche Organisation
Im Erdgeschoss befindet sich ein großer, nahezu zweigeschossiger Gemeinschaftsbereich zum Wohnen und Essen, verknüpft mit der Küche, einer Veranda und einem bei Bedarf abtrennbaren Arbeitszimmer. Ebenfalls separat angeordnet ist ein sogenannter Medienraum, der bei Bedarf als zusätzliches Gästezimmer dient. Hinter der Küche und damit räumlich wie akustisch und visuell getrennt liegen die Schlafzimmer mit Bädern und begehbaren Schrank- und Stauräumen. Eine halbgewendelte Treppe führt ins Dachgeschoss zu einem weiteren Schlaf- oder Gästezimmer mit Bad sowie auf eine als Deck bezeichnete Dachterrasse. Das Untergeschoss beherbergt Haustechnik- und Lagerräume.
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Fenster und Türen, Licht, Luft, Aus- und Einblicke
Die Familie schätzt an ihrem Riverhouse, wie sie das Haus tauften, besonders die Lage am Pawcatuck, einem nicht regulierten und daher natürlich fließenden Gewässer, und die Abgeschiedenheit und Ruhe mitten in dichten Wäldern fern der Metropole New York City – die tatsächlich nicht mal drei Stunden Fahrzeit entfernt ist. Dieser unmittelbare Bezug zur Natur und die Verknüpfung von Innen und Außen mit Licht, Luft und allen Geräuschen und Gerüchen sowie die Erfahrbarkeit der Jahreszeiten sind daher die wesentlichen architektonischen Prinzipien.
Nach Süden öffnet sich der Gemeinschaftsbereich mit raumhohen Schiebetüren auf eine Veranda mit einem Panoramablick zum Flussufer. Die Veranda lässt sich je nach Witterung und Sonnenstand mit textilen Paneelen abdecken und verschatten. Das knallorange gestrichene Treppenhaus hat gleich zwei kreisrunde Fenster – ein Himmelsauge als Dachoberlicht und eines als Sichtverbindung zum Gemeinschaftsraum, das wie eine orange Sonne in diesen Raum glüht. Ein breites, liegendes Fenster verknüpft visuell die Dachterrasse mit Küche und Wohnbereich. Eine der Duschen wird mit einem vertikalen – und einem darin verankerten Vorhang – und einem horizontalen Ausschnitt zu einer Outdoor-Wasserstelle.
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Sämtliche Fensterprofile sind in einem auffällig kräftigen Rot, das die Blütenfarbe der in der Umgebung wachsenden Pflanzen zitiert. So wie dieses Rot resultieren alle anderen Farben und Materialien ebenfalls aus einer Auseinandersetzung mit dem Ort, seinen Bewohner*innen und seinen Gästen.
Farbe, Materialien, Kunst und Design
Latten aus regionaler und recycelter Esche verkleiden das Erdgeschoss, das unter der blauen Haube wie ein Sockel wirkt. Die leuchtend blauen Aluminium-Bleche der Dachkonstruktion zitieren die Farbe des Himmels über Rhode Island und den nahen Atlantik. Amale Andraos, die Wurzeln im Libanon hat, entwarf in einer Kooperation mit dem ebenfalls aus dem Libanon stammenden Designer Karim Chaya handgefertigte und farbenfrohe Fliesen für die Bäder. Petra Blaisse, eine niederländische Designerin, schuf für das lange Panoramafenster im Gemeinschaftsraum einen Vorhang mit einer kreisrunden Aussparung als Ausguck. Neben Designermöbeln und -Leuchten u. a. von Knoll, Vitra, Flos und Moroso stammen die Vorhänge in den Schlafräumen von Austeja Walter. Zahlreiche Kunstwerke verweisen auf Design und Architektur, darunter Polly Apfelbaums „Violets“, Ettore Sottsass' „La Torre di Babele“ und „Dolphin Embassy“ von Ant Farm.
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Das Ergebnis ist, wie die Architektenfamilie erläutert, ein auf heutige Wohnbedürfnisse abgestimmtes, offen-einladendes, nicht-dogmatisches und eher unkonventionelles Landhaus. -sj
Bautafel
Architektur und Bauherrenschaft: WORKac, Amale Andraos und Dan Wood, New York City
Projektbeteiligte: Kristina Dittrich, Matt Voss, Reuben Cheeks, Din Din, Ryan Fagrie, Jenna Hussain, Madha Nawal, Smiley Scott, Rondela Spooner, Henry Wotowicz, Men Yushan (Architekturteam); Augeri Engineering, Jordan Goldman Zero Energy Design (Tragwerk, Energie, Nachhaltigkeit); Alan Hill und Eze Bongo (Bauausführung), Anne Penniman Associates, Golden Root (Landschaftsplanung)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2025
Standort: Nähe Hopkinton, Rhode Island/USA
Bildnachweis, Fotografien: Bruce Damonte, San Francisco über The Architecture Curator
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