Wohnhaus im Böhmerwald
Sanierung und Umbau
Wer den Winter schneereich, aber ohne Trubel mag, der ist hier genau richtig: Das kleine Dorf Borová Lada liegt auf fast neunhundert Metern Höhe im Naturpark Böhmerwald. Hier renovierte das junge Prager Architekturtrio vom Studio Plyš, Lenka und Petr Vávra, gemeinsam mit Kateřina Vávrová, ein Bauernhaus. Etwas abseits vom Dorf verspricht es viel Ruhe, Ausblick und eine ursprüngliche Atmosphäre. Der sanierte Altbau vereint Bodenständigkeit mit Wohnkomfort und Ruhe mit Platz für Geselligkeit. Vor allem aber bleibt der Charakter des typischen Wohnhauses im Böhmerwald innen wie außen erlebbar. Das zu erreichen, war gar nicht so leicht.
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Altes Haus, marode.
Das Bauernhaus stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Der Bauzeit entsprechend lagen Wohnräume und Wirtschaftsflächen wie Stall und Heuboden unter einem Dach, wobei nur ein kleiner Teil des Gebäudes fürs Wohnen genutzt wurde. Das ist ablesbar in der Bausubstanz: Der Wohnbereich liegt in einem Ziegelbau auf einem Natursteinsockel, die Wirtschaftsräume sind typischerweise in Holzbauweise ergänzt, beides wird von einem gemeinsamen Holzdach geschützt. Doch in seiner über hundertjährigen, wechselhaften Geschichte erlebte das Haus mehrere Umbauten und eine intensive Nutzung. Das schadete der ursprünglichen, typischen Bausubstanz, vor allem den nicht massiven Holzbauteilen wie dem Dachtragwerk und den Scheunenwänden.
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Brüche mit Geschichte
Das Architekturteam entschied sich, nachträgliche Einbauten und schadhafte Bauteile zu entfernen und sichtbare Mängel nicht zu kaschieren, sondern umzuformen und neu ergänzte Bauteile zu zeigen. Daraus ergibt sich eine ungewöhnlich komplexe Konstruktion, mit der sich der Wohnbereich auf die gesamte Fläche erweitern lässt. Alt und Neu fügen sich nun harmonisch zusammen und dennoch sind die historischen und neuen Brüche sichtbar.
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Umgang mit Scheunenwand und Dachtragwerk
So musste das Trio zum Beispiel die maroden Scheunenwände ersetzen lassen, die die Dachkonstruktion tragen. Zugunsten einer höheren Belastbarkeit ließen sie an der Stirnseite der Scheune drei Stützen aus Sichtbeton gießen, deren Schalungsmuster die Holzlatten der alten Giebelwand gestalterisch weiterführt und sich dennoch optisch und haptisch vom Bestand differenziert. Große Fensterflächen sorgen im Innern der alten Scheune für mehr Licht und Ausblick, große Klapp- und Schiebeläden aus Holz für Sichtschutz nach Bedarf. Hier liegen jetzt erdgeschossig der Wohnraum, die Treppe und ein Garagen- oder Toberraum. Das Team ließ zudem einige der Sparren im Dach mit Stahlträgern verstärken, Pfetten aufdoppelten und die schweren Betondachsteine gegen leichtere Aluminiumschindeln austauschen.
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Haus-im-Haus-Lösung
Um die ehemaligen Wirtschaftsräume als solche erkennbar zu lassen und die Bausubstanz zu schonen, entschied man sich gegen eine Dämmung der Wände im alten Holzbestand. Stattdessen ergänzten sie Einbauten in gedämmter Holzrahmenbauweise, ein Haus im Haus, das an den massiv gebauten Gebäudeteil anknüpft und frei, aber wettergeschützt in der alten Scheune steht. Mit Faserzementplatten verkleidet wirken die Einbauten nicht nur als eigenständiges Gebäude, sondern sichern auch den Brandschutz.
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Zeitgemäße Räume und Installationen
Die neuen, vom Bestand abgerückten Holzbauelemente haben für den Wohnkomfort Vorteile: Zwischen Wohnen und Außenraum entsteht eine robuste Pufferzone – eine trockene Kinderspielfläche bei schlechtem Wetter. Der beheizte Wohnraum lässt sich so verträglich reduzieren, zugleich entsteht Platz für zeitgemäße Bäder. Zudem sind Oberflächen frei gestaltbar, konstruktive Anschlüsse klarer und Installationen einfacher verlegt. So hat das Gebäude eine vernetzt gesteuerte Gebäudetechnik (Smart Home). Darüber lassen sich zahlreiche Einbau- und Pendelleuchten, die Fensterläden, sowie die Raumtemperatur, bzw. der Betrieb der Luft-Wasser-Wärmepumpe, zentral steuern. Die Verkabelung dafür verläuft weitgehend in den Holzeinbauten, nur vereinzelt mussten Leitungen in Bestandswände verlegt werden.
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Blick für Details
Das Team legte viel Wert auf die Gestaltung von Böden, Wandflächen, Leuchten, Einbau- und Polstermöbeln. Auch die Schalter und Steckdosen fügen sich in eine durchgängige Detailgestaltung, bei der es rund geht: ein Sitz- und ein Giebelfenster, Bullaugen an Türen, die Griffe bei Schränken und Schubladen, die Badspiegel und Heizungsverkleidungen – alles kreisförmig. Es sind diese Details, die dem einsam gelegenen, einst dunklen und verbauten Bauernhaus jetzt Leichtigkeit, Geborgenheit und einen zeitgemäßen Komfort geben – Mitten im Wald. -rg
Bautafel
Architektur: Studio Plyš, Prag (Lenka Vávra, Petr Vávra, Kateřina Vávrová)
Projektbeteiligte: Rynostav, Sušice (Bauunternehmung); Truhlářství Kadlec, Kdyně (Möbelbau und Einbauten), Maskop 99, Kladno (Fenster), PREFA, Marktl (Dachziegel), M&T (Tür- und Möbelgriffe), HOTHOT Exclusive, Brno (Heizkörper), Němec (Estrichbeschichtung), Princ Parket (Eichenboden), Marazzi, Sassuolo (Fliesen), Swisspearl, Niederurnen (Faserzementplatten), Grohe, Hemer (Badarmaturen), Franke, Aarburg (Centro Spüle), Duravit, Hornberg (Waschbecken), BLUM, Höchst (Möbel, Schiebetürsystem), Loxone, Kollerschlag (Smart Home System), Berker, Arnsberg (Schalter & Steckdosen), Artemide, Pregnana Milanese (Leuchten), Marset, Barcelona (Leuchte), Nova Luce,Schimatari(Leuchten), KARE Design, München (Polstermöbel)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2024
Standort: Borová Lada, Tschechien
Bildrechte: Tomáš Slavík, Prag
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