Haus im Park in Berlin-Pankow

Integratives Wohnprojekt in Holz-Hybridbauweise

Auf einem parkähnlichen Grundstück im Berliner Stadtteil Pankow wurde im Auftrag des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF Berlin) ein integratives Wohnprojekt für Menschen mit geistiger und körperlicher Beeinträchtigung realisiert. Zwischen denkmalgeschützten Villen der Jahrhundertwende, einem funktionalen Erweiterungsbau aus den 1990er Jahren und alten Bäumen ist der viergeschossige Bau nach Plänen von Modersohn & Freiesleben Architekten eingebettet. Das Haus im Park ergänzt den bestehenden Campus der Wohneinrichtung Maria Frieden und schafft Raum für selbstbestimmtes Wohnen und Tagesbetreuung.

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Apartments und Förderbereich für Tagesgäste

Das Wohnhaus bietet insgesamt elf Apartments in den oberen Geschossen. Sie verfügen jeweils über ein eigenes Bad, als Zweier-Konstellation auch über eine gemeinsame Wohnküche und Balkon. Ergänzende Funktionsräume wie „Snoozel“-Raum, Gemeinschaftsküche, Pflegebäder und Verwaltungsbereiche verteilen sich ebenfalls über die Geschosse – gemäß den Anforderungen des Wohn- und Teilhabegesetzes. Im Erdgeschoss befindet sich zusätzlich ein Beschäftigungs- und Förderbereich (BFB) mit 21 Tagesgästen. Er verfügt über einen eigenen Eingang mittig an der Westseite. Der Wohnbereich wird über den zentralen Eingang von Osten erschlossen – die klare räumliche und funktionale Trennung dient der Orientierung und Entzerrung.

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Massiver und grün verputzter Sockel

Der Baukörper erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über 37 Meter und ist 14 bis 16 Meter tief. Mit seinen Proportionen fügt er sich sensibel in die heterogene Nachbarschaft ein. Ein massiver, grün verputzter Sockel bildet die Basis für einen hölzernen Aufbau unter dem weit auskragenden Dach. Die Eingangssituation prägen haptisch ganz unterschiedliche Materialien: Glänzend grüne Fliesen markieren die Zugänge, Terrazzoböden und grün-weiß gemusterte Wände empfangen die Nutzer*innen im Inneren. Statt klassischer Flure bildet ein großzügiger und heller Verteilerraum das soziale Zentrum des Hauses.

Obergeschosse in Holzbauweise

Die oberen Geschosse sind in Holzbauweise realisiert. Tragende Innenwände und Decken bestehen aus Brettschichtholz, die Außenwände sind mineralisch gedämmt und mit einer wettergeschützten Fassade aus rot lasierten, sägerauen Brettern versehen. Die vorgefertigten Bauteile wurden inklusive Fenster und Verkleidung angeliefert. Vor Ort montiert wurden ergänzende Schürzen aus Wellzement, die als Wetterschutz, Sonnenschutz und sichtbarer Brandschutzriegel dienen. Ziel war eine kosteneffiziente, serielle Bauweise ohne individuelle Sonderanfertigungen.

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Rollstuhlgerechte, kontrastreiche Gestaltung

Hohe Anforderungen an Barrierefreiheit und Sicherheit wurden konsequent umgesetzt: Das Gebäude ist vollständig rollstuhlgerecht, mit durchgängig angepassten Raumhöhen, kontrastreichen Schaltern und Griffen, Handläufen, rollstuhlgerechten Warteplätzen in Treppenhäusern sowie einem flächendeckenden Notruf- und Taster-System. Zwei Treppenhäuser gewährleisten im Notfall sichere Evakuierungswege.

Energie aus regenerativen Quellen

Ökologische Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil des Konzepts: Erdsonden und Photovoltaik-Anlagen versorgen das Haus mit Wärme und elektrischer Energie, wodurch der Gebäudebetrieb komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen möglich ist. In der Bauphase hat das Projekt bereits Aufmerksamkeit erregt und wurde für den Deutschen Fassadenpreis in der Kategorie „Modulares Bauen” nominiert; 2025 erhielt das Haus im Park zudem einen der Hauptpreise des Holzbaupreises Berlin-Brandenburg.

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Mit dem Haus im Park ist dringend benötigter Wohnraum für eine besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppe entstanden. Darüber hinaus fungiert es als sozialer Treffpunkt, der Ökologie, Teilhabe und zeitgemäße Architektur zu einem lebendigen Ort der Gemeinschaft verbindet – ein Beispielprojekt für inklusives und nachhaltiges Bauen im urbanen Kontext Berlins.

Brandschutz: Einordnung und Materialität

Der Neubau wurde brandschutztechnisch der Gebäudeklasse 5 (GK 5) zugeordnet. Zwar hätte die Gebäudehöhe grundsätzlich auch eine Einstufung in GK 4 erlaubt, durch die Überschreitung der 400 m²-Grenze im Erdgeschoss sollte jedoch eine größere Nutzungsflexibilität erreicht werden. Die Einordnung in GK 5 schafft hierfür einen klaren und belastbaren Rechtsrahmen.

Das Gebäude ist als Holzhybridbau konzipiert: Ein massiver, nichtbrennbarer Sockel aus Kalksandstein und Stahlbeton bildet das Unter- und Erdgeschoss, darauf folgen drei Obergeschosse in Massivholzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad. Die Bauweise stellt erhöhte Anforderungen an den baulichen und konstruktiven Brandschutz, die integraler Bestandteil des Entwurfs sind.

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Sonderbau und spezifische Nutzung

Aufgrund der Nutzung handelt es sich gemäß § 2 Abs. 4 Nr. 9c der Bauordnung für Berlin (BauO Bln) um einen Sonderbau. Das Gebäude dient dem betreuten Wohnen für erwachsene Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen sowie teilweise zusätzlichen psychischen Erkrankungen. Rund die Hälfte der Bewohner ist mobilitätseingeschränkt oder auf einen Rollstuhl angewiesen; die Selbstrettungsfähigkeit ist insgesamt als eingeschränkt einzustufen. Vor diesem Hintergrund stehen Brandvermeidung, frühe Alarmierung und eine sichere, unterstützte Evakuierung im Mittelpunkt des Brandschutzkonzepts.

Rettungswege

Aus jeder Nutzungseinheit mit Aufenthaltsräumen sind in jedem Geschoss zwei bauliche Rettungswege erforderlich. Beide Rettungswege dürfen über einen gemeinsamen notwendigen Flur führen. Von dort erfolgt die Entfluchtung in einen östlichen oder westlichen Treppenraum, die jeweils direkte Ausgänge ins Freie besitzen. Die Türen zu den Treppenräumen sind in Fluchtrichtung dauerhaft unverschlossen, etwa über Notausgangsverschlüsse nach DIN EN 179.

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Da ein hoher Anteil der Bewohner auf Rollstühle angewiesen ist, sind in jedem Geschoss Warteflächen innerhalb der Treppenräume vorgesehen. Im Geschoss mit der höchsten Bewohnerzahl stehen vier Rollstuhlwarteplätze zur Verfügung, um eine gestaffelte und unterstützte Evakuierung zu ermöglichen.

Der notwendige Flur ist bewusst nicht als reiner Verkehrsraum ausgebildet, sondern als gut überschaubarer Aufenthalts- und Begegnungsbereich mit ausreichend Bewegungsflächen für Mobilitätshilfen. Die Differenz zwischen dem massiven Erdgeschoss und den leichten Holzobergeschossen ist räumlich erfahrbar; im Dachgeschoss erhält der Flur durch eine Laterne zur Belichtung eigenständigen Charakter.

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Baulicher Brandschutz

Das Erdgeschoss ist als massiver, nichtbrennbarer Sockel ausgeführt. Außenwände mit mineralischem Wärmedämmverbundsystem und mineralischen Oberflächen erfüllen die Anforderungen an Nichtbrennbarkeit. Tragende Bauteile im Unter- und Erdgeschoss sowie Treppenraum- und Aufzugsschachtwände bestehen aus Stahlbeton oder Mauerwerk und sind mindestens feuerbeständig (F 90) bemessen.

Tragende, massive Holzbauteile in den Obergeschossen erreichen je nach Anforderung und Geschoss F 90 bzw. F 30. Für die Holztafelwände ist im Rahmen der Ausführungsplanung der Nachweis der raumabschließenden Wirkung zu führen. Sämtliche Holzaußenwände sind außenseitig mit einer mindestens 15 mm starken, nichtbrennbaren Trägerplatte beplankt. In den Obergeschossen kommt eine Mineralwolldämmung mit einem Schmelzpunkt über 1.000 °C zum Einsatz.

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Fassadenbezogener Brandschutz

Ein wesentliches Gestaltungsmerkmal des Gebäudes ist die rote Holzfassade in Kombination mit auskragenden, gewellten Faserzementplatten, die als sogenannte Brandschürzen ausgebildet sind. Diese stellen eine gestalterische Antwort auf die brandschutztechnische Anforderung geschossweiser Brandsperren bei Holzfassaden dar.

Zur Verhinderung der vertikalen Brandausbreitung sind geschossweise horizontale Brandsperren aus Stahlblech vorgesehen. Diese sind kraftschlüssig auszuführen und in die Brüstungsebene integriert. Die nichtbrennbaren Fassadenschürzen überdecken zugleich die Bauteilfugen zwischen Wand und Decke und enthalten im oberen Abschluss die erforderliche Stahlsperre. Aufbau und Bekleidung sind vollständig nichtbrennbar ausgeführt.
Die geneigt montierten Faserzementwellplatten orientieren sich an den vorgefertigten Plattenmaßen und verleihen der Fassade eine dreidimensionale, haptische Tiefe. Gleichzeitig wirken sie als konstruktiver Witterungsschutz für die darunterliegenden Holz- und Putzflächen. Da der Fassadenaufbau zwischen Decken- und Brüstungsebene vollständig nichtbrennbar ist, wird das Schutzziel der wirksamen Geschosstrennung erfüllt.

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Anlagentechnischer Brandschutz

Das gesamte Gebäude ist mit einer Brandmeldeanlage nach DIN 14675 mit Vollschutz ausgestattet und zur Feuerwehr aufgeschaltet. Die automatische Auslösung erfolgt über Rauchmelder in allen Wohn- und Aufenthaltsräumen, notwendigen Fluren, Nebenräumen sowie im Untergeschoss. In den Apartments ist im Brandfall eine unmittelbare akustische Alarmierung sicherzustellen.

Die Brandmeldeanlage bildet eine wesentliche Grundlage für das brandschutztechnische Gesamtkonzept, gerade auch im Hinblick der Argumentation für sichtbar belassene Massivholzdecken und -wände. Die Sichtbarkeit der Holzkonstruktion ist sowohl aus gestalterischen als auch aus funktionalen Gründen gewünscht: zur Vermittlung der Bauart, zur Nutzung der warmen, wohnlichen und haptischen Qualität des Holzes – insbesondere im Kontext einer Pflege- und Betreuungseinrichtung – sowie im Sinne eines sparsamen und ressourcenbewussten Bauens.

Zur Vermeidung von Falschalarmen werden Maßnahmen nach DIN VDE 0833-2: Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall – Teil 2: Festlegungen für Brandmeldeanlagen vorgesehen. Bei manueller Auslösung über Druckknopfmelder erfolgt unverzüglich der Zentralalarm mit Weiterleitung an die Feuerwehr.

Bautafel

Architektur: Modersohn & Freiesleben Architekten, Berlin (Generalplaner)
Projektbeteiligte: Anna Fawdry, Cornelius Giacalone, Sophia Grabow (Mitarbeiter); Niehues Winkler Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung); Karl Hoffmeister, Lamspringe (Holzbau); Völcker Architekten, Susanne Völker, Berlin (Brandschutz)
Bauherr/in: Sozialdienst Katholischer Frauen, Berlin
Standort: Nordendstraße, Berlin-Pankow
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Sebastian Schels, München (Fotos); Modersohn & Freiesleben Architekten, Berlin (Pläne)

BauNetz Architekt*innen

Fachwissen zum Thema

Schutzziel der Bestimmungen ist es, die barrierefreie Zugänglichkeit baulicher Anlagen für Menschen mit Behinderungen ohne fremde Hilfe zu gewährleisten.

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Grundlagen

Baulicher Brandschutz und Barrierefreiheit

Es ist so zu planen, dass Menschen mit und ohne Behinderung der Flucht- und Rettungswegbeschilderung folgen, das Gebäude verlassen und sich in einem gesicherten Bereich einfinden können.

Die Musterhochhausrichtlinie fordert gemäß Nr. 6.4 für Hochhäuser eine Brandmeldeanlage sowie Alarmierungs- und Lautsprecheranlagen; für bestimmte Fälle gelten Ausnahmen.

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Brandmeldeanlagen

Brandmeldeanlagen in Sonderbauten

In Sonderbauten können aufgrund der baulichen Gegebenheiten oder der Nutzung zusätzliche Gefährdungen für die Nutzer entstehen.

Bei Hochhäusern muss die lichte Breite eines jeden Teils von Rettungswegen mindestens 1,20 m betragen.

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Flucht-/​Rettungswege

Dimensionierung von Flucht- und Rettungswegen bei Sonderbauten

Je nach Art und Nutzung können kürzere Flucht- und Rettungswege erforderlich sein oder längere zugelassen werden: Eine Zusammenfassung der wichtigsten Maße.

Brandmeldeanlagen

Planung von Brandmeldeanlagen

Was bei Konzept, Planung, Ausführung und Überwachung von Brandmeldeanlagen beachtet werden muss, ist im Regelwerk vorgegeben.

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Die besondere Lage prägt sämtliche planerischen Entscheidungen – von der Konstruktion über die Gebäudetechnik bis hin zu den Brandschutzmaßnahmen.

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