Pflegeheim Residence Arpage Antoine de Saint-Exupery in Villejuif

Evakuierungzonen für Personen, die nicht zur Selbstrettung fähig sind

Ein menschenwürdiges Dasein im hohen Alter, auch unter starken körperlichen oder geistigen Einschränkungen, soll die Résidence Arpage Antoine de Saint-Exupéry bei Paris ermöglichen. Von den mehr als 150 Wohneinheiten des Pflegeheims sind 24 speziell für an Alzheimer erkrankte Menschen konzipiert. Die Architekten Elizabeth Naud & Luc Poux aus Paris planten das Ensemble aus zehn Häusern, die in zwei Fünfergruppen einander gegenüberstehen und eine mittig liegende Erschließungsachse fassen. Die Wohnanlage befindet sich in direkter Nähe zum Hospital Paul Brousse und zentral in Villejuif, einem Vorort der französischen Metropole und Teil der Region Île-de-France.

Gallerie

Angelehnt an die Maßstäblichkeit der Nachbarbebauung, und um einen dörflichen Charakter zu erzielen, schufen die Architekten viergeschossige Baukörper in zwei unterschiedlichen Breiten und Längen, die zumeist spitzgiebelig, zum Teil auch mit Flachdächern und Dachterrassen ausgeführt sind. Dass das Ensemble als Einheit wahrgenommen wird, bewirkt die gleiche Fassadenbekleidung aus horizontal gefugten Sandwichplatten. Lediglich die Farben der leicht metallischen Oberflächen wechseln von Haus zu Haus, mal schimmern sie annähernd weiß, dann anthrazit und dazwischen blass-grünlich. Außerdem sind die einzelnen Gebäude über dazwischenliegende, verglaste Erschließungszonen miteinander verbunden. Im Grundriss erscheinen die Häuser wie aufgefädelt an einem Strang – nicht immer parallel und verschieden lang. Ein gleichfalls verglaster Gang quer zur mittig liegenden Erschließungsachse verbindet die beiden Stränge und bildet einen repräsentativen Haupteingang. Außen gibt es kleine und große Freiräume unterschiedlicher Intimität und Qualität.

Auffallend sind die vertikal faltbaren und motorisch betriebenen Fensterläden vor den Wohnräumen, die beliebig arretierbar sind und ein lebendiges Fassadenbild erzeugen: In ausgefahrenem Zustand sind sie kaum wahrnehmbar, komplett zusammengefaltet kragen sie weit aus und verschatten die Fensteröffnung, die Zwischenstände lassen an mehr oder weniger weit geöffnete Augenlider denken.

Im Inneren folgt die Raumaufteilung der Idee kleiner Lebensgemeinschaften – jeweils acht bis zwölf Wohneinheiten sind einem gemeinsamen Speise- und Aufenthaltsraum zugeordnet. Die durchschnittlich 23 Quadratmeter großen Unterkünfte sind mit festen und mobilen Notrufsystemen ausgestattet, verfügen über barrierefreie Sanitärräume und können individuell möbliert werden. Außer einem gemeinsamen Raum auf jeder Etage stellen die Krankenstation, ein Raum für Heilgymnastik, ein Veranstaltungssaal, ein Entspannungsraum, ein Therapiebad, ein Friseur- und Kosmetiksalon, ein kleiner Laden und ein Restaurant die unmittelbare Versorgung und Betreuung der Bewohner sicher.

Brandschutz
Das Pflegeheim gilt als öffentliches Gebäude und kann bis zu 392 Personen aufnehmen. In Frankreich ist es damit als Etablissement recevant du public (ERP), Typ J (Alten- und Pflegeheime) der dritten Brandschutz-Kategorie (für 301-700 Personen) klassifiziert. Aufgrund der Konzeption aus zwei Gebäudeteilen entlang einer zentralen Achse war es möglich, eine Unterteilung in Einheiten mit je 12 Bewohnern pro Etage zu schaffen. Die Verbindung der beiden Wohnblocks durch den gläsernen Gang im Erdgeschoss ist im Notfall mittels Schiebetüren zu öffnen und ermöglicht die Durchfahrt der Feuerwehr. Ein verbindender Gang im Untergeschoss ist nicht der Öffentlichkeit zugänglich. Gemeinschaftlich nutzbare Räume und solche der Verwaltung sind im Erdgeschoss des östlichen Gebäudekomplexes untergebracht; eine Tiefgarage mit 31 Pkw-Stellplätzen befindet sich unterhalb des westlichen Wohnblocks.

Auf jeder Etage existiert eine Sicherheitszone (J10, siehe Abb.14), die dafür ausgelegt ist, dass im Brandfall 12 bzw. maximal 14 Betten dorthin transportiert werden können. Dort befinden sich auch die Aufzüge, die im Falle einer Evakuierung genutzt werden. Jeder der verbindenden, gläsernen Erschließungsbereiche verfügt über ein Sicherheitstreppenhaus, über das Besucher im Notfall fliehen können. Sämtliche Erschließungswege werden über eine mechanische Lüftungsanlage mit Brandschutzklappen (oben und unten) entraucht.

Die Wände um die Sicherheitszonen sind wie das Tragsystem mindestens eine Stunde feuerbeständig ausgeführt. Auch die Trennwände zwischen Wohnräumen und öffentlich zugänglichen Fluren entsprechen dieser Feuerwiderstandsklasse (CF°1h), außerdem Trennwände zu Räumen mit Gästebetten sowie nicht öffentlichen Räumen mit gängigem Brandrisiko. Die Sicherheitszonen sind mit beidseitig wirksamen Brandschutztüren (T30) ausgestattet.

Als Zufahrt für Feuerwehrautos fungiert die zentrale Achse zwischen den Wohnblocks. Der Zutritt für Feuerwehrleute zu den einzelnen Etagen des Gebäudes ist jeweils über die Fassaden der Verbindungsbaukörper möglich. (us)

Bautafel

Architekten: Naud & Poux Architectes, Paris
Projektbeteiligte: CICAD, Montreuil (Projektmanagement); Scyna 4, Ivry-sur-Seine (Statik); ETB Antonelli, Bondy (Gebäudetechnik); Hervé, Mantes La Jolie (Bauunternehmer)
Bauherr: France Habitation ARPAD – Association de résidences pour personnes âgées dépendantes, Paris
Standort: 23-29 Rue Guy Môquet, 94800 Villejuif
Fertigstellung: 2014
Bildnachweis: Julian Lanoo, Boeschepe sowie Naud & Poux Architectes, Paris

Fachwissen zum Thema

Bücher

Barrierefreie Brandschutzkonzepte

Brandschutz und Barrierefreiheit sind oftmals nicht leicht zu vereinen, denn z.B. Feuerschutz- oder Rauchschutzabschlüsse müssen...

Schutzziel der Bestimmungen ist es, die barrierefreie Zugänglichkeit baulicher Anlagen für Menschen mit Behinderungen ohne fremde Hilfe zu gewährleisten.

Schutzziel der Bestimmungen ist es, die barrierefreie Zugänglichkeit baulicher Anlagen für Menschen mit Behinderungen ohne fremde Hilfe zu gewährleisten.

Grundlagen

Baulicher Brandschutz und Barrierefreiheit

Es ist so zu planen, dass Menschen mit und ohne Behinderung der Flucht- und Rettungswegbeschilderung folgen, das Gebäude verlassen und sich in einem gesicherten Bereich einfinden können.

In den meisten Bundesländern zählen Krankenhäuser und Pflegeheime zu den ungeregelten Sonderbauten (Abb.: Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg).

In den meisten Bundesländern zählen Krankenhäuser und Pflegeheime zu den ungeregelten Sonderbauten (Abb.: Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg).

Sonderbauten

Krankenhäuser und Pflegeheime

Welche Aspekte sind maßgebend für den Brandschutz in Krankenhäusern und Pflegeheimen, welche Verordnungen und Richtlinien gibt es?

Bauwerke zum Thema

Südseite mit der Turnhalle hinter graublauen Polykarbonatplatten, dem Eingang unterhalb des goldbraunen Auditoriums und dem hellen Seminargebäude mit vorgelagertem Fluchttreppenhaus und kleinteiliger Fassade

Südseite mit der Turnhalle hinter graublauen Polykarbonatplatten, dem Eingang unterhalb des goldbraunen Auditoriums und dem hellen Seminargebäude mit vorgelagertem Fluchttreppenhaus und kleinteiliger Fassade

Kultur/​Bildung

Centre Clignancourt der Universität Sorbonne in Paris

Der Boulevard Périphérique bildet die ringförmige Erschließung von Paris und seinen zwanzig Arrondissements – beinahe alle...

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Brandschutz sponsored by:
Telenot Electronic GmbH, Aalen
www.telenot.com
Zum Seitenanfang

Große Loggien gliedern den Wohnturm an der Südseite.

Große Loggien gliedern den Wohnturm an der Südseite.

Weitere Bauten

Multifunktionsgebäude Buggi 52 in Freiburg

Gewerbe, Kita und 30 Wohnungen in Holzbauweise

Ostansicht und Eingangsseite des neuen Rathauses, geplant von Muffler Architekten

Ostansicht und Eingangsseite des neuen Rathauses, geplant von Muffler Architekten

Weitere Bauten

Rathaus Oy-Mittelberg

Ortstypische Merkmale in zeitgenössischer Form

Das Holzparkhaus fügt sich stimmig in die Grünanlage ein.

Das Holzparkhaus fügt sich stimmig in die Grünanlage ein.

Weitere Bauten

Parkhaus in Bad Aibling

Holzbau mit Rauchwannen

Südseite des zweieinhalbgeschossigen Holzhybridbaus, den Dannien Roller Architekten + Partner nach einem Wettbewerbsgewinn geplant haben.

Südseite des zweieinhalbgeschossigen Holzhybridbaus, den Dannien Roller Architekten + Partner nach einem Wettbewerbsgewinn geplant haben.

Weitere Bauten

Kindertagesstätte Sofie Haug in Tübingen

Holzbau mit breiten Terrassentüren: auf direktem Weg ins Freie

Das 1930 errichtete, denkmalgeschützte Bauwerk nach der Sanierung (Ansicht Kantstraße)

Das 1930 errichtete, denkmalgeschützte Bauwerk nach der Sanierung (Ansicht Kantstraße)

Weitere Bauten

Kant-Garagen in Berlin

Wendelrampe, Parkboxen und Falttore

Der Neubau der Voisthalerhütte ersetzt die alte Schutzhütte aus dem Jahr 1898.

Der Neubau der Voisthalerhütte ersetzt die alte Schutzhütte aus dem Jahr 1898.

Weitere Bauten

Voisthalerhütte am Hochschwab bei Thörl

Tragende Holzelemente und Brandmeldeanlage

Außenansicht des Gasthofs zur Post in Frontenhausen

Außenansicht des Gasthofs zur Post in Frontenhausen

Weitere Bauten

Gasthof zur Post Frontenhausen

Revitalisierung eines Jugendstil-Anwesens

Das neue Rathaus der oberbayerischen Gemeinde Großmehring, geplant von Sackmann Payer Architekten aus Berlin

Das neue Rathaus der oberbayerischen Gemeinde Großmehring, geplant von Sackmann Payer Architekten aus Berlin

Weitere Bauten

Rathaus mit Bibliothek in Großmehring

Geschickt und kompakt organisiert

Eingangsseite des ZELUBA am Vorplatz

Eingangsseite des ZELUBA am Vorplatz

Weitere Bauten

Zentrum für leichte und umweltgerechte Bauten in Braunschweig

Zwei Holzbauten mit verbindendem Foyer

Eingangsansicht der Talstation, geplant von Hermann Kaufmann und Partner Architekten

Eingangsansicht der Talstation, geplant von Hermann Kaufmann und Partner Architekten

Weitere Bauten

Talstation der Nebelhornbahn in Oberstdorf

Holzbögen unter Glas formen ein Tor in die Berge

Der fünfgeschossige Verwaltungsbau des Biomasseforschungszentrums hebt sich von den ebenerdigen Technik- und Laborbereichen gestalterisch wie funktional ab.

Der fünfgeschossige Verwaltungsbau des Biomasseforschungszentrums hebt sich von den ebenerdigen Technik- und Laborbereichen gestalterisch wie funktional ab.

Weitere Bauten

Biomasseforschungszentrum in Leipzig

Fünf Bürogeschosse und ein Technikum in Holzbauweise

Straßenansicht mit gläsernem Sockelgeschoss, in dem sich die Hotel-Lobby befindet

Straßenansicht mit gläsernem Sockelgeschoss, in dem sich die Hotel-Lobby befindet

Weitere Bauten

Umnutzung des Düsseldorfer Commerzbank-Hochhauses zum Hotel

Wahrzeichen der 1950er-Jahre zeitgemäß saniert

Im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen ist auf 750 Höhenmetern eine neue Kletter- und Boulderhalle entstanden.

Im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen ist auf 750 Höhenmetern eine neue Kletter- und Boulderhalle entstanden.

Weitere Bauten

Kletterhalle in Villingen-Schwenningen

Brandschutz unter besonderen Bedingungen

Die Architekten planten ein Ensemble aus zehn Häusern, die in zwei Fünfergruppen einander gegenüberstehen und eine mittig liegende Zufahrtsachse fassen (Nordwestansicht des östlichen Häuserensembles und Zufahrt)

Die Architekten planten ein Ensemble aus zehn Häusern, die in zwei Fünfergruppen einander gegenüberstehen und eine mittig liegende Zufahrtsachse fassen (Nordwestansicht des östlichen Häuserensembles und Zufahrt)

Weitere Bauten

Pflegeheim Residence Arpage Antoine de Saint-Exupery in Villejuif

Evakuierungzonen für Personen, die nicht zur Selbstrettung fähig sind

Ausblick vom Hof der Reihenhäuser 7/9/11 auf das Brandhaus 10

Ausblick vom Hof der Reihenhäuser 7/9/11 auf das Brandhaus 10

Weitere Bauten

Übungsdorf Ausbildungszentrum Andelfingen

Modellhafte Gebäude zur Erprobung von Lösch- und Rettungseinsätzen

Ansicht des Ensembles vom Place des Nations aus südöstlicher Richtung

Ansicht des Ensembles vom Place des Nations aus südöstlicher Richtung

Weitere Bauten

WIPO-Konferenzsaal in Genf

Holzbau als eigener Brandabschnitt mit flächendeckender Sprinkleranlage

Ansicht Südwest: Zum historischen Schulbau mit Spitzgiebel hält der Neubau C13 eine Durchfahrtsbreite Abstand

Ansicht Südwest: Zum historischen Schulbau mit Spitzgiebel hält der Neubau C13 eine Durchfahrtsbreite Abstand

Weitere Bauten

Mulitifunktionsgebäude c13 in Berlin

Individuelles Brandschutzkonzept für siebengeschossigen Holzbau

Die Architekten zielten mit ihrem Konzept auf die Herstellung eines „idealisierten Originalzustands" (Westansicht)

Die Architekten zielten mit ihrem Konzept auf die Herstellung eines „idealisierten Originalzustands" (Westansicht)

Weitere Bauten

Alte Mensa Oberwiesenfeld in München

Flächendeckene Sprinkleranlage und spezielle Anschlussdetails

Ansicht West: Uferseite mit Läden und großen Verglasungen

Ansicht West: Uferseite mit Läden und großen Verglasungen

Weitere Bauten

Umbau Schuppen Eins in Bremen

Brandschutz für Werkstätten, Büros und Wohnungen in einem alten Lagerhaus

Östlich der Warschauer Innenstadt am Ufer der Weichsel gelegen, wirkt das Stadion wie ein flacher Weidenkorb in den polnischen Nationalfarben

Östlich der Warschauer Innenstadt am Ufer der Weichsel gelegen, wirkt das Stadion wie ein flacher Weidenkorb in den polnischen Nationalfarben

Weitere Bauten

Nationalstadion in Warschau

Sprachalarmierung und Großbildschirme mit integrierten Gaslöschanlagen

Das Feuerwehrhaus schmiegt sich an den Hang und wird vom Gasthaus und vom Kirchturm im Hintergrund deutlich überragt

Das Feuerwehrhaus schmiegt sich an den Hang und wird vom Gasthaus und vom Kirchturm im Hintergrund deutlich überragt

Weitere Bauten

Feuerwehrhaus in Sulzberg-Thal

Massivholzwände ohne Brandschutzbekleidung

Wechselnde Größen und Formate der Fenstermodule lockern die große Fassadenfläche auf

Wechselnde Größen und Formate der Fenstermodule lockern die große Fassadenfläche auf

Weitere Bauten

Zuger Kantonsspital in Baar

Evakuierungstraining und Brandabschnitte zum Schutz der Patienten

Ansicht Südost: Jede Seite des Gebäudes sieht ein bisschen anders aus; Brandräume, Treppenhäuser und Technikschächte sind außen ablesbar

Ansicht Südost: Jede Seite des Gebäudes sieht ein bisschen anders aus; Brandräume, Treppenhäuser und Technikschächte sind außen ablesbar

Weitere Bauten

Brandhaus in Zürich-Opfikon

Unterschiedliche Brandszenarien: Proben für den Ernstfall

Klar und funktional gegliedert ist auch die Fassade der Hauptfeuerwache

Klar und funktional gegliedert ist auch die Fassade der Hauptfeuerwache

Weitere Bauten

Erweiterung der Hauptfeuerwache Essen

Leitsystem für Brandschutz und Rettungsdienst

Charakteristische Fassade in Glas und Bronze mit klarer linearer Struktur

Charakteristische Fassade in Glas und Bronze mit klarer linearer Struktur

Weitere Bauten

Empire Riverside Hotel in Hamburg

Verdeckte Sprinkleranlage

Der Planungsservice von TELENOT…

… unterstützt Sie von Beginn an und erstellt nach Ihren Vorgaben ein richtlinienkonformes Planungskonzept für die elektronische Sicherheitstechnik.

Partner-Anzeige