Barock aus dem Betondrucker
Matyáš Chochola zeigt drei monumentale Betonskulpturen bei der Frieze Sculpture 2026 in London
Zwischen Bäumen und Spazierwegen im Londoner Regent’s Park ragen drei ungewöhnliche Gebilde in die Höhe. Ihre Oberflächen sind gerillt, aufgebrochen, stellenweise glatt geschliffen oder mit Glas und metallischen Pigmenten versehen. Die drei bis vier Meter hohen Skulpturen wiegen jeweils rund eine Tonne. Für ihre Herstellung nutzte der tschechische Künstler Matyáš Chochola überwiegend den 3D-Betondruck, in Kombination mit weiteren Materialien und handwerklicher Bearbeitung. Vom 16. September bis zum 1. November 2026 zeigte der Künstler die Arbeiten Brutalist, Meteor und Mace II bei der Freiluftausstellung Frieze Sculpture. Sie gehören zu seiner zwölfteiligen Serie Virtues and Vices of Our Time: 300 Years Later.
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Von Sandstein zu gedrucktem Beton
Die Vorbilder reichen rund 300 Jahre zurück, als der Barockbildhauer Matthias Bernard Braun für das Hospital im böhmischen Kuks 24 Sandsteinfiguren schuf, die Tugenden und Laster verkörpern. Chochola griff das Motiv 2024 auf und verdichtete die historischen Allegorien zu zwölf neuen, teils abstrakten Figuren. Dabei verbindet er antike Säulenformen mit Einflüssen aus Kubismus, Brutalismus und Science-Fiction.
Auch der Werkstoff hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Während die Sandsteinoriginale heute zum Schutz vor Verwitterung in einem Lapidarium aufbewahrt werden, nehmen Betonabgüsse ihre Plätze im Freien ein. Chochola geht einen Schritt weiter und nutzt den 3D-Betondruck, um seine Figuren Schicht für Schicht aufzubauen.
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Gedruckt, gestützt, geschliffen
Für die Herstellung arbeitete Chochola mit dem tschechischen Unternehmen Voxell zusammen. Gemeinsam loteten sie aus, welche Möglichkeiten 3D-Betondruck bietet, jenseits der üblichen gleichmäßigen Schichtung. Während einzelne Bauteile in unterschiedlichen Ausrichtungen und mit geneigten Druckbahnen entstanden, programmierten die Beteiligten auch gezielte Unregelmäßigkeiten in den Druckprozess ein. Anschließend bearbeitete Chochola die Betonoberflächen von Hand, schliff und polierte sie oder ergänzte kleine Steine, Scherben und Terrazzoflächen. Manche Skulpturen setzte das Team aus separat gedruckten Elementen zusammen.
Wie unterschiedlich die Verfahren ausfallen können, zeigen die drei Londoner Arbeiten. Für Brutalist ließ Chochola einzelne Bauteile teils mit horizontal, teils mit vertikal ausgerichteten Schichten drucken. Anschließend bearbeitete das Team die Elemente, um sie passgenau zu einer Skulptur zusammenzufügen, deren Form an eine fragmentierte klassische Säule erinnert.
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Bei Meteor stellte vor allem die Herstellung der weit auskragenden Partien eine Herausforderung dar. Um den frischen Beton während des Drucks abzustützen, füllte das Team eine vorbereitete Form mit leichtem Blähtongranulat, auf dem sich das Material ablegen ließ. Später arbeitete Chochola Glasscherben in die Oberfläche ein. Für Mace II verwendete er dagegen anthrazitfarbenen Beton, dessen Oberfläche durch metallisches Kupferpulver schimmert. Die kantigen, ausgreifenden Formen ließen sich teilweise gerade noch ohne zusätzliche Stützen drucken.
So tragen die Skulpturen die Spuren ihrer Herstellung sichtbar nach außen. Mal zeichnen sich die Drucklagen deutlich ab, mal verschwinden sie unter geschliffenen Flächen und eingearbeiteten Materialien. Der Beton lässt sich dabei sowohl digital formen als auch nachträglich wie ein traditioneller Bildhauerwerkstoff bearbeiten.
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