Glasereibetrieb in Bregenz

Selbstreinigende Ganzglaslamellen

Im Industriegebiet am westlichen Stadtrand in Bregenz entstand in den siebziger Jahren ein Glasereibetrieb, der im Lauf der Jahre elf Erweiterungen erlebte. Die größte bauliche Veränderung erfolgte 2002 mit der Aufstockung eines Bestandsgebäudes von 1974. Dem zuvor in Bürotrakt und Halle unterteilten Massivbau setzten die Architekten eine Stahlkonstruktion oben auf und fügten in diesem zweiten Obergeschoss im rechten Winkel eine weitere Bürospange ein. Damit wurden zwei vormals getrennt liegende Verwaltungseinheiten verbunden und außerdem die Tiefe des Grundstücks erschlossen. Um für die Außenansicht ein einheitliches Erscheinungsbild der unterschiedlichen Ausbaustufen zu erhalten, wurde eine zweite, vorgehängte Fassadenschicht in den Obergeschossen angebracht. Die Bürogeschosse bekamen je eine Reihe beweglicher Ganzglaslamellen vorgesetzt.

Gallerie

Im klar gegliederten Innern der Büroetage dienen Regalborde vor den Glaselementen als Ablageflächen und machen gesonderte Absturzsicherungen unnötig. Glastrennwände sind rahmenlos in die grauen Filzböden gesenkt, weiße Wandscheiben von etwa einem Meter Breite gliedern die Räume. Auch für die Treppen nutzte der Bauherr eine weitere Gelegenheit, seine Kompetenzen vor Augen zu führen, und verwendete mit weißen Punkten bedruckte Glastritte.

Glas
Ausgeklügelt ist vor allem der Sonnenschutz. Da sind zum einen großflächige, leicht transparente Abschirmungen, die sich in dem ca. 40 cm breiten Zwischenraum der Fassade befinden und den Innenraum vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. Sie dienen gleichzeitig als Sichtschutz und verdunkeln im geschlossenen Zustand die innen liegenden Räumlichkeiten. Durch den Pufferraum, der bei geschlossenen Lamellen der äußeren Fassadenschicht entsteht, sind die Abschirmungen keinen Wetter- und Windgeschwindigkeitsrestriktionen unterworfen. Außerdem sorgt eine raumhohe Dreifach-Isolierverglasung mit einem Ug-Wert von 0,6 W/m²K und einem g-Wert von 34% an der inneren Verglasungsebene zusätzlich für einen effektiven Schutz. Sie reicht ohne Sockelleiste vom Boden bis zur Decke und ist oben wie unten linienförmig gelagert. Die Ganzglasstöße sind hingegen in der Regel senkrecht ausgeführt. Durch diese Konstruktion konnte die innere Verglasungsebene mit dünnen Glasscheiben ausgeführt werden, um die äußere Glashaut als statische Komponente zu berücksichtigen und ihr so die Windlasten zu übertragen.

Die äußere Schicht der Fassade besteht aus beweglichen, senkrechten und exzentrisch angetriebenen Ganzglaslamellen. Bestehend aus Verbundsicherheitsglas (VSG) und teilvorgespanntem Glas (TVG) verbinden sie im geöffneten wie im geschlossenen Zustand Funktionen des Schall- und Sonnenschutzes. Darüber hinaus besitzen die Lamellen im geschlossenen Zustand wärmedämmende Eigenschaften, da sich im Fassadenzwischenbereich ein Pufferraum aufbaut. Die Außenseiten der Lamellen sind mit einer Titandioxid-Beschichtung versehen, die über aktiv reinigende Eigenschaften verfügt. In einem ersten Schritt wird die Beschichtung durch die UV-Strahlung des Tageslichts aktiviert und so aktiver Sauerstoff freigesetzt. Dieser löst organische Verschmutzungen an der Grenzfläche zur Beschichtung an und verringert ihre Haftung zur Glasscheibe. Eine weitere Eigenschaft ist die Filmbildung. Die Beschichtung zieht Wasser an, so dass sich ablaufendes (Regen-) Wasser nicht zu Tröpfchen verformt sondern zu einem dünnen Film über die gesamte Fläche des Glases ausbreitet. Dadurch ist das Wasser in der Lage, den gelösten Schmutz zu unterwandern und abzulösen. Der Nutzen des Glases liegt in deutlich geringeren Reinigungskosten gegenüber unbeschichtetem Glas, dem Verzicht von Befahranlagen bei gleichzeitig nahezu gleich bleibenden strahlungstechnischen Werten.

Bei Berechnungen wurde nachgewiesen, dass sich durch leicht geöffnete Lamellen die Hinterlüftung sowie die Oberflächentemperaturen der Glasbauteile verringern lassen. Dadurch muss das Isolierglas nur noch mit den Strahlungstransmissionswerten der äußeren Verglasung und nicht mehr mit dem Gesamtenergiedurchlassungsgrad (g-Wert) der äußeren Verglasung beaufschlagt werden. Der Bau der Ganzglas-Fassade zeigt, dass sich auch funktional hochwertige und optisch ansprechende Glasfassaden kostenmäßig optimieren lassen.

Bautafel

Architekten: Elmar Ludescher, Lauterach
Projektbeteiligte: Edelhofer Baubetreuungsgesellschaft (Bauleitung); Mader und Flatz, Bregenz (Tragwerksplanung)
Bauherr: Glas Marte, Bregenz
Fertigstellung: 2006
Standort: Brachsenweg 39, Bregenz
Bildnachweis: Pilkington, Gladbeck

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