Bürogebäude Ritterstraße in Berlin-Kreuzberg
Kraftvoll nachverdichtet
Ein gelungenes Beispiel für städtische Nachverdichtung in einem lebhaften Berliner Bezirk ist das Bürogebäude in der Ritterstraße 16-18 in Kreuzberg. In direkter Nachbarschaft zu einer Tankstelle und der Kreuzung Prinzenstraße schließt der sechsgeschossige Bau nach Plänen von Richter Musikowski Architekten den Blockrand zur Straße. Rechtwinklig dazu ist ein Gebäudetrakt gen Nordosten platziert, sodass ein L-förmiger Grundriss entsteht und eine berlintypische Hinterhofsituation. Das Bürohaus fügt sich nahtlos in die vorhandene Infrastruktur und öffentlichen Verkehrsnetze. Die Architektur ist einprägsam dank einer kraftvollen, der eigentlichen Fassade vorgelagerten Struktur, welche die Geschosse gliedert und durch unregelmäßige Diagonalen Spannung erzeugt.
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Struktur aus Betonfertigteilen
Die prägende Struktur aus hellen Betonfertigteilen überlagert wie ein überdimensioniertes Gitter sämtliche Geschosse, mit Fensterreihen, Loggien, Balkonen und Terrassen. Die zumeist geschützten Freibereiche sorgen für Abwechslung und bilden attraktive Außenräume für alle Nutzer*innen. Wie bei einem für Kreuzberg charakteristischen Gewerbehof führt ein Durchgang in den Hinterhof, von wo aus der Zugang ins Gebäude erfolgt.
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Flexible Grundrisse, helle Räume
Die Konstruktion als Stahlbetonskelett ermöglicht flexible, offene Grundrisse. Durch bodentiefe Fenster, eingebunden in eine feingliedrige Aluminiumfassade, gelangt viel Tageslicht in die Räume. Ein außenliegender Sonnenschutz verhindert Überhitzung, und auch die Loggien bieten effektive Verschattung. Für ein angenehmes Raumklima sorgt eine Betonkernaktivierung über die sichtbaren Deckenflächen. Das Gebäude ist barrierefrei geplant und nach dem DGNB-Gold-Standard zertifiziert.
Sowohl im Innenhof als auch im Untergeschoss gibt es Fahrradstellplätze. Die Energieversorgung erfolgt über einen Fernwärmeanschluss sowie eine Photovoltaikanlage auf dem begrünten Dach.
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Flachdachnutzung und -entwässerung
Die Hauptdachfläche ist begrünt und bietet Platz für die Installation einer Photovoltaikanlage sowie für technische Aufbauten. Im fünften Obergeschoss befinden sich großzügige Gemeinschaftsterrassen. Der Zugang zur Dachfläche für Wartungsarbeiten erfolgt über einen Flachdachausstieg. Die Sicherheit bei Inspektionsarbeiten gewährt ein umlaufendes Seilnetzsystem zur Absturzsicherung.
Das Regenwasser wird über das Gefälle des Flachdachs zu den vorgesehenen Entwässerungspunkten geleitet und in einer Zisterne zwischengespeichert. Aufgrund der innerstädtischen Lage in Berlin-Kreuzberg gilt eine Einleitbeschränkung der Berliner Wasserbetriebe von maximal zwei Litern pro Sekunde. Das gespeicherte Wasser wird gedrosselt und in das öffentliche Netz eingeleitet oder zur Bewässerung der Außenanlagen verwendet. Für die Notentwässerung kommen Speier zum Einsatz, die das Wasser auf das eigene Grundstück ableiten. Die Entwässerung der Loggien erfolgt über in der Fassade integrierte Fallleitungen, die ebenfalls an die Zisterne angeschlossen sind. Das Niederschlagswasser der Freiflächen versickert direkt auf dem Grundstück.
Das Dach schließt an drei Seiten mit Brandwänden ab, die 30 cm über die Dachhaut hinausragen. Entsprechend den Vorgaben des Baunutzungsplans dürfen technische Installationen im Rahmen der gewerblichen Nutzung sichtbar auf dem Dach montiert werden.
Bautafel
Architektur: Richter Musikowski, Berlin
Projektbeteiligte: Drees+Sommer, Berlin (Projektsteuerung/Bauleitung); Porr Design + Engineering, Berlin (Brandschutz/Bauphysik); Fabulism Office und ST raum.a – Landschaftsarchitektur und Städtebau, Berlin (Freianlagen); Geotechnik und Dynamik Consult, Berlin (Baugrubenplanung); Bauder, Stuttgart (Dachdämmung, Dachabdichtung, Sekuranten, Solar-Unterkonstruktion)
Bauherr: Ritter 16-18 Gesellschaft, Berlin
Fertigstellung: 2022
Standort: Ritterstraße 16, 10969 Berlin
Bildnachweis: Schnepp Renou / Dacian Groza
Fachwissen zum Thema
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