Akustik-Kuppel in der Villa Medici in Rom/I

Forschungsprojekt und Installation

Der Architekt David Serero (Paris) hat ein ungewöhnliches Projekt in der Villa Medici in Rom realisiert: In der großen Halle, die auch als Aufführungsort für Konzerte oder Lesungen dient, installierte er einen "Acoustical Dome", eine Kuppel, die nach rein akustischen bzw. musikalischen Gesichtspunkten entworfen ist und den unterschiedlichen akustischen Erfordernissen - je nach Event - angepasst werden kann.

Gallerie

Architektur wird hier nicht als endgültiger Zustand definiert, sondern als ephemere und variable Bedingung, bei der die Möglichkeit ihrer Veränderung in die Geometrie eingeschrieben ist. Die Verknüpfung ornamentaler Muster mit akustischer Form erlaubt es dem "Acoustical Dome", zwischen Volumen, Raum und Klang-Vortrag zu interagieren. Die Kuppel unterhält also eine offene und flexible Beziehung zwischen Musik, Zuhörer und der Umgebung.

Akustik
Traditionsgemäß sind Kuppeln architektonische Bauteile, die große Räume mittels zusammen gesetzter Elemente abdecken. Anstatt sich auf die Struktur von Kuppeln zu konzentrieren, arbeitet Serero jedoch seit Jahren an Kuppel-Prototypen, deren Grundlage auf akustischen Faktoren beruht, nicht auf konstruktiven.
In Zusammenarbeit mit einem Mathematiker, einem Akustiker und einem Programmierer entwickelte er diverse Methoden zur Simulation von "akustischem Verhalten eines Raums", also wie sich der Klang innerhalb eines Raums ausbreitet. Er konstruierte sogenannte Klang-Felder ("sound-fields"), die die Basis für diese neue Art von Kuppeln darstellen.

Musik - sowohl als physisches als auch als immaterielles Phänomen - spielt hier die Rolle des Messwerkzeugs, mit dem Räume analysiert und gezeichnet werden. Abgehängt von der Decke eines existierenden Raums ist die Akustik-Kuppel eine Vorrichtung, deren Geometrie das akustische Verhalten der Halle variiert - je nachdem, wie die Kuppel im Raum positioniert oder formal ausgebildet ist.

Der Raum reagiert dadurch nicht passiv auf die Musik, im Gegenteil: Die Kuppel macht die Interaktion von Raum und musikalischer Komposition möglich. Konkret heißt das: Jedes Musikstück generiert eine eigene geometrische Form, die Raumgeometrie kann jeder Performance und jedem Publikum angepasst werden - in Echtzeit.

Egal ob Konzert, Lesung oder Vortrag - die Kuppel faltet sich auf oder zu, je nachdem wie es für die Ausbreitung des Klangs am besten ist. Die Unterteilung der Oberfläche beeinflusst die Zahl der Faltungen der Kuppel und löst eine Neukonfiguration der Felder aus, die Echo und Reflexion der Töne bestimmen.

Bautafel

Architekt: David Serero Iterae, Paris/F
Projektbeteiligte: Yves Ubelmann, Paris/F (Skripte und Zeichnungen); Luca Bernardi, Rom/I (Prototyp-Ingenieur); Christina Aureli, Rom/I (Akustik)
Bauherr: Französische Akademie in der Villa Medici, Rom/I
Standort: Villa Medici, Rom/I
Bildnachweis: David Serero Iterae, Paris/F

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